26. Februar 2021

Leitlinien: 11 neue Empfehlungen (Teil 2)

Seit kurzem gibt es neue Leitlinen zu häufigen Süchten, Delir, Nachtarbeit sowie zur Reanimation im Weltall.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

Alkohol, Tabak & Medikamente

200 Menschen sterben täglich durch Alkoholmissbrauch, durch Rauchen sind es jährlich mehr Todesfälle als durch AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammengenommen und bei schädlichem und abhängigem Medikamentenkonsum ist von knapp 3 Mio. Fällen pro Jahr auszugehen.

Zu Beginn dieses Jahres sind gleich drei Leitlinien mit neuestem Wissen über Interventionen bei den drei wichtigsten Suchterkrankungen in Deutschland erschienen. Dabei ist die Leitlinie zu Medikamentenbezogenen Störungen die erste ihrer Art, die sich diesem Thema in der Breite widmet. Kurz zuvor ist noch eine neue europäische Leitlinie zum Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz erschienen.

Analkarzinom: Beschwerden oft schambehaftet

Das Analkarzinom ist im Vergleich mit anderen gastrointestinalen Tumoren selten, zeigt aber in den letzten Jahren eine signifikant zunehmende Inzidenz in Deutschland und in der westlichen Welt. Erschwerend in der frühzeitigen und adäquaten Diagnostik des Analkarzinoms ist die schambesetzte und teils tabuisierte Thematik von Anogenitalregion und Stuhlausscheidung.

Die erste deutsche S3-Leitlinie für das Analkarzinom umfasst das gesamte Spektrum von Prävention über Behandlung bis zur Palliativversorgung des analen Plattenepithelkarzinoms und liegt ebenfalls in einer gut überschaubaren Kurzversion vor.

„Durchgangssyndrom“ ist out, „akute organische Psychose“ erst recht

Das Delir ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung mit einer Letalität von über 30% und tritt mit zunehmendem Lebensalter immer häufiger auf. Ein Delir bedarf daher umgehender Diagnostik und Therapie, um sekundär verbleibende kognitive Einschränkungen zu vermeiden. Die neuesten Empfehlungen dazu fasst die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zusammen.

Nacht- und Schichtarbeit und die Auswirkungen auf Geist und Körper

Im Oktober des vergangenen Jahres veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin eine Leitlinie, die auch für das eigene Leben als Arzt relevant ist. Die S2k-Leitlinie über „Gesundheitliche Aspekte und Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit“ fasst den Wissensstand zusammen über Schicht- bzw. Nachtarbeit und ihre Auswirkungen auf

  • Schlaf,
  • Fehler und Unfälle,
  • Work-Life-Balance,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Stoffwechselerkrankungen,
  • maligne Neoplasien,
  • Fruchtbarkeit und nicht zuletzt
  • die Psyche.

Futuristisch: Reanimation in der Schwerelosigkeit

Medizinische Notfälle im Weltall sind zwar selten, können aber eine gesamte Raumfahrtmission abrupt scheitern lassen. Die Schwerelosigkeit birgt dabei besondere Herausforderungen. Die neu erschienene Leitlinie zur Reanimation in der Schwerelosigeit beschreibt zum ersten Mal die evidenzbasierte Vorgehensweise bei einem Herz-Kreislaufstillstand im Rahmen der Raumfahrt.

Bildquelle: © Getty Images/BrianAJackson

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653