16. Oktober 2020

Aktualisierte Leitlinie

Syphilis: Infektionsketten durch Schnelltests und frühe Therapie unterbrechen

Sexuell übertragbare Infektionen wie die Syphilis, die dank moderner Antibiotikatherapien heilbar ist, bedrohen nach wie vor die sexuelle Gesundheit. Neue Schnelltests machen eine frühe Diagnose und damit eine früheinsetzende Behandlung möglich. Ergänzend helfen Partner-Benachrichtigung, Partner-Behandlung und Postexpositions-Prophylaxen, die Infektionsketten früh zu unterbrechen.1

Lesedauer: 3 Minuten

Wichtigste sexuell übertragbare Infektion

Die Syphilis ist in Deutschland neben HIV/AIDS die wichtigste meldepflichtige sexuell übertragbare Infektion. Im zurückliegenden Jahrzehnt stiegen die Fallzahlen jedes Jahr an. Das Robert Koch-Institut registrierte im Jahr 2018 erstmals einen kleinen Rückgang um 2,6 Prozent auf insgesamt 7.332 Syphilis-Fälle. Männer und Frauen können an Syphilis erkranken, mit über 80 Prozent sind aber vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern haben.

„Das anhaltend hohe Niveau an gemeldeten Syphilis-Infektionen zeigt, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist, um Infektionsketten möglichst frühzeitig zu unterbrechen“, sagt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

3 Stadien der Erkrankung

Experten unterscheiden drei Syphilis-Stadien: Meist zwei bis drei Wochen nach der Infektion bildet sich an der Eintrittsstelle (am Penis, in der Scheide, im Analbereich oder am Mund) ein zumeist schmerzloses Geschwür. Es folgen im zweiten Stadium Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen und Hautauschläge; Symptome, die oft von allein wieder abklingen. Jahre nach der Erstinfektion kann es im dritten Stadium zur Schädigung des Gehirns und der Blutgefäße kommen.

„Dank moderner Diagnostik und Therapie kommt es heutzutage in Deutschland selten zu Taubheit, Blindheit und geistigem Verfall infolge von Syphilis“, betont DDG-Mitglied Professor Dr. med. Helmut Schöfer aus Frankfurt. Da Personen im Primär- und Sekundärstadium sowie bis etwa ein Jahr nach der ersten Ansteckung infektiös sind, ist ein frühes Erkennen und Behandeln sehr wichtig, so der Dermatologe.

Unterstützung gibt hierzu die 2020 veröffentlichte, aktualisierte S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Syphilis. Schöfer, der die interdisziplinäre Leitlinie koordinierte, an der elf Fachgesellschaften beteiligt waren, erklärt: „Die Aktualisierung der Leitlinien stand aus verschiedenen Gründen an: Wir verfügen mittlerweile über neue point-of-care-Tests und treponemale und non-treponemale Schnelltests, die Resistenzen der Syphilisbakterien auf bestimmte Antibiotika (Makrolide) haben weltweit zugenommen und der Beratungsbedarf für den Einsatz medikamentöser Prophylaxen ist gestiegen.“

Therapieempfehlungen kaum verändert

Die therapeutischen Empfehlungen seien bis auf das Wegfallen der Makrolid-Antibiotika (darunter Erythromycin, Azithromycin) weitgehend unverändert, betont Schöfer, der auch Sprecher der Sektion Leitlinien der Deutschen STI Gesellschaft (DSTIG) ist. Benzathin-Benzylpenicillin (Depotpenicillin gluteal) bleibt weiterhin Therapie der Wahl. Als Alternativen, beispielsweise bei Penicillinallergie oder Kontraindikationen für intramuskuläre Injektionen, können Doxycyclin oder Ceftriaxon eingesetzt werden. Für Schwangere, aber auch für Syphilis-Patienten mit einer HIV-Koinfektion gelten die gleichen Therapieschemata.

Neu in der Diagnostik sind point-of-care-Tests (POCT) zum Abstrich-Erregernachweis aus ulzerierten (also „geschwürigen“) oder nässenden Verletzungen. Dabei handelt es sich um Nukleinsäure-Amplikationstests (NAAT), die den mikroskopischen Erregernachweis (Dunkelfeldmikroskopie) durch ihre höhere Spezifität und Sensitivität weitgehend ersetzen können.

Benachrichtung und Partnerbehandlung wichtiger

Das Kapitel zur Partner-Benachrichtigung, Partner-Behandlung und Prophylaxen wurde in der Neufassung der Leitlinie erheblich erweitert. Bei einer Primärsyphilis sollen die Sexualpartner der letzten drei Monate, bei einer Sekundärsyphilis der letzten zwölf Monate bezüglich einer möglichen Ansteckung informiert werden. Bei einem relevanten Erregerkontakt soll eine Postexpositions-Prophylaxe (1x Benzathin-Benzylpenicillingabe) durchgeführt werden.

Schöfer betont: „Wenn es gelingt, die Sexualpartner früh zu benachrichtigen und zu behandeln, können Infektionsketten unterbrochen, Re-Infektionen vermieden und die kollektive wie individuelle Krankheitslast gesenkt werden.“ Dass es für den jeweiligen Patienten schwierig sein kann, mit seinen Sexualpartnern über eine mögliche Ansteckung zu sprechen, ist dem Experten bewusst.

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