14. Juli 2021

Aktualisierte S3-Leitlinie zur Hepatitis B-Infektion

Für das ausführliche Update der Leitlinie wurden 57 Empfehlungen abgeändert und 44 Empfehlungen hinzugefügt. Hier ein Überblick über die Neuerungen.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Stand der Leitlinie: 28.06.2021

Diagnostik

  • Die transiente Elastographie kann aufgrund ihrer Genauigkeit sowohl ohne Leberfibrose als auch bei fortgeschrittener Fibrose eingesetzt werden.
  • Eine Leberbiopsie kann bei chronischen HBV-Infektionen durchgeführt werden, wenn sich daraus eine Konsequenz für Diagnose, Verlauf oder Behandlung ergibt.
  • Bereits zu Beginn einer Schwangerschaft sollte ein HBsAg-Screening durchgeführt werden, und nicht erst ab der 32. Woche. Hier steht die neue Leitlinie im Konflikt mit der Mutterschaftsrichtlinie. Der Grund: Um bis zur Geburt eine möglichst niedrige Viruslast zu erreichen, ist ein Therapiebeginn im 2. Trimester angezeigt. Somit sinkt das Risiko einer Übertragung der Infektion auf das Neugeborene unter Geburt.

Therapie

  • Klare Therapieindikation bleibt die Hepatitis.
  • Bei einem Hepatozellulären Karzinom (HCC) mit nachweisbarer Viruslast sollte eine antivirale Therapie erfolgen.
  • Eine antivirale Therapie Schwangerer mit hoher Viruslast (> 200 000 IU/ml) hat einen hohen Evidenzgrad, muss aber rechtzeitig begonnen werden (s.o.)
  • Bei chronischer Infektion wird Entecavir und Tenofovir empfohlen.
  • Lamivudin kann bei bestehender, erfolgreicher Therapie weiter gegeben werden, sollte aber nicht neu begonnen werden.
  • Adefovir sollte nicht mehr eingesetzt werden.
  • Pegyliertes Interferon alpha sollte bei allen Patienten als Option geprüft werden. Von einer Kombination von mit Nukleosid/Nukleotid-Analoga (NA) wird ausdrücklich abgeraten.
  • Bei „immuntoleranten Patienten“, also Betroffenen mit HBeAg-positiver Infektion, kann eine antivirale Therapie erfolgen, wenn sie älter als 30 Jahre sind und hochnormale Transaminasen aufweisen.
  • In Einzelfällen kann bei HBeAg-negativen Patientinnen und Patienten die NA-Therapie noch vor dem HBsAg-Verlust beendet werden. Dafür darf keine fortgeschrittene Fibrose bestehen und die HBV-DNA sollte seit mindestens 3 Jahren supprimiert sein. Eine engmaschige Kontrolle (alle 4 Wochen) ist dann im ersten Jahr nach Absetzen angezeigt.

Organtransplantation

  • Nach Lebertransplantation muss die Kombinationsprophylaxe gegen eine Reinfektion des Organs nicht mehr unbegrenzt durchgeführt werden. Bei manchen Patienten kann im Anschluss an die Kombinationstherapie auch eine Monotherpie mit einem NA lebenslang fortgeführt werden.

Immunprophylaxe

  • Für Mitarbeitende im Gesundheitswesen mit chronischer HBV-Infektion besteht bei einer Viruslast unter 200 IU/mL kein erhöhtes Übertragungsrisiko. Die Werte sollten alle 3 Monate kontrolliert werden. Über 20.000 IU/mL darf keine Tätigkeit mehr ausgeführt werden, bei der es zu einer Übertragung kommen kann. Dazwischen ist individuell zu entscheiden.

Weitere Neuerungen betreffen die Therapie von Infektionen im Kindesalter sowie die Therapie bei Koinfektionen.

  1. AWMF-Leitlinie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-Infektion- Editorial. Abgerufen am 12.07.2021
  2. AWMF-Leitlinie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-Infektion. Abgerufen am 13.07.2021

© Getty Images/Vadzim Kushniarou

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