
Die Leitlinie gibt einen Überblick zu notwendigen diagnostischen Maßnahmen und aktuellen Therapieempfehlungen bei ambulant erworbener bakterieller Meningoenzephalitis. Bei Verdacht sollten beispielsweise umgehend Blutkulturen entnommen, eine lumbale Liquor-Entnahme durchgeführt und Dexamethason und Antibiotika verabreicht werden.1,2
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Redaktion: Dr. Linda Fischer
Dank Impfungen gegen Haemophilus influenzae und Neisseria meningitidis ist die Inzidenz der akuten bakteriellen Meningitis in den letzten Jahrzehnten rückläufig. Allerdings haben Pneumokokken-Impfungen bei Erwachsenen bisher keinen signifikanten Rückgang der Pneumokokken-Meningitis erwirken können. Während der ersten 2 Jahre der Covid-19-Pandemie gingen in Deutschland die durch Streptococcus pneumoniae verursachten Meningitis-Fälle deutlich zurück. Auch die Zahl invasiver Meningokokken-Erkrankungen war im Vergleich zu den Vorjahren signifikant reduziert.
Um bakterielle und virale Erreger der Meningitis und Enzephalitis mit hoher Sensitivität und Spezifität zu detektieren, eignen sich Multiplex-PCR-Tests. Bei einer Meningokokken-Meningitis sollte Penicillin G nicht ohne vorherigen Resistenztest eingesetzt werden.
Hinsichtlich adjuvanter Kortikosteroid-Therapie bei Listerien-Infektion ist die Studienlage heterogen: So zeigte eine französische Studie eine erhöhte Sterblichkeit, während eine niederländische Studie eine bessere Prognose und reduzierte Sterblichkeit bei Patientinnen und Patienten mit Listerien-Meningitis feststellte. Sicher ist, dass hier prospektive randomisierte Studien fehlen, um den Effekt einer adjuvanten Dexamethason-Therapie eindeutig zu klären.
Im Falle einer Thrombose des Sinus transversus bei bakterieller Meningitis ergab eine aktuelle retrospektive Fallserie kein erhöhtes Einblutungsrisiko unter Heparin.
Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis (ohne Bewusstseinsstörung, fokal-neurologisches Defizit, neu aufgetretene epileptische Anfälle oder Immunsuppression) sollten immer Blutkulturen entnommen werden. Sofort nach der klinischen Untersuchung sollte eine lumbale Liquorentnahme durchgeführt werden. Dexamethason und Antibiotika sollten sofort nach der Blutentnahme verabreicht werden.
Bei schwer bewusstseinsgestörten Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis sollten bereits unmittelbar nach der Blutentnahme Dexamethason und Antibiotika gegeben werden. Anschließend sollten eine kraniale Computertomografie (CT) und bei entsprechendem Befund eine lumbale Liquorentnahme durchgeführt werden.
Eine Antibiotikatherapie bei Verdacht auf bakterielle Meningitis wird idealerweise innerhalb von 3 Stunden nach Krankenhausaufnahme begonnen. Die initiale kalkulierte Antibiotikatherapie bei ambulant erworbener bakterieller Meningitis im Erwachsenenalter umfasst eine Kombination aus Ampicillin und einem Cephalosporin der Gruppe 3a.
Bei ausbleibender klinischer Besserung nach 2 Tagen sind intrakranielle Komplikationen, persistierender infektiöser Fokus und eine unzureichende Antibiotikatherapie in Betracht zu ziehen.
Bei erhöhtem intrakraniellen Druck sollten Maßnahmen zu dessen Senkung durchgeführt werden. Bei septischen Sinusthrombosen oder kortikalen Venenthrombosen wird mit intravenösem Heparin antikoaguliert.
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