22. Januar 2021

Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen

Alkohol ist in unserer Gesellschaft ein allgegenwärtiges Konsum- und Wirtschaftsprodukt, dessen Gebrauch breit beworben wird. Treten jedoch alkoholbezogene psychische oder körperliche Folgestörungen auf, ist es meist mit der gesellschaftlichen Toleranz vorbei.1,2

Lesedauer: ca. 1 Minute

Betroffene bekommen zu selten Hilfe

Nur ca. 10 % der alkoholabhängigen Menschen in Deutschland werden vom Suchthilfesystem versorgt. Regelmäßiger Alkoholkonsum gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland. Mehr als 40 medizinische Diagnosen stehen in einem unmittelbaren kausalen Zusammenhang mit einem übermäßigen Alkoholkonsum, pro Tag sterben täglich in Deutschland ca. 200 Menschen bedingt durch zu hohen Alkoholkonsum.

Die Folgekosten alkoholassoziierter Störungen von mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr liegen an der Spitze allerdurch psychische Störungen verursachten Kosten. Mit etwa 330.000 stationären Behandlungen pro Jahr sind alkoholbedingte Störungen die zweithäufigste Diagnose bei allen in deutschen Krankenhäusern behandelten Patienten.

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Zunahme durch Pandemie-Bedingungen

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Die wichtigsten Empfehlungen
  • Wichtig ist eine frühzeitige Diagnostik. Dazu sollten alle Patienten beim Arztund/oder Therapiebesuch nach ihrem individuellen Alkoholkonsum befragt werden, damit ausreichend Daten erhoben werden können und früh gezielte Interventionen eingesetzt werden können.
  • Bei psychischen Störungen soll ein AUDIT (Alcohol Use Disorder Identification Test) zum Screening auf alkoholbezogene Störungen eingesetzt werden.
  • Personen mit komorbiden psychischen Störungen bedürfen eine intensivere Intervention, da die Prognose von Betroffenen mit schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigung in der Regel ungünstiger ausfällt als bei Personen mit einer einzelnen Erkrankung.
  • Für Patienten mit komorbiden psychischen Erkrankungen und alkoholbezogenen Störungen ist eine stationäre Behandlung zu empfehlen, bei der die Behandlung und Therapie beider Störungsbilder integriert in einem Setting bzw. Therapeutenteam sichergestellt ist. Wenn das nicht möglich ist, sollte eine Koordination der Behandlung z. B. durch Case Management gewährleistet sein.
  • Bei Patienten mit alkoholbezogener Störung soll ein Screening auf ADHS durchgeführt werden. Auch wenn ein positives Screening-Ergebnis nicht zwingend eine ADHS-Diagnose bedeutet, wäre eine weitere diagnostische Abklärung angezeigt.
  • Personen mit einer alkoholbezogenen Störung und einer komorbiden Substanzkonsumstörung sollen ein Therapieangebot zur integrierten Behandlung beider Beschwerdebilder erhalten

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