Besondere Erlebnisse mit Patienten
Patientenkontakte sind mitunter aufreibend und kräftezehrend. Doch es gibt auch die schönen Momente, die – jahrzehntelang oder für ein ganzes Leben – im Gedächtnis bleiben. Wir haben einige rührende, sinnstiftende und bisweilen skurrile Erlebnisse Ihrer Kolleginnen und Kollegen gesammelt.
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung der Forumsdiskussion Ihr schönstes Erlebnis in der Praxis | Redaktion: Nathalie Haidlauf
Den Anstoß an den Erfahrungsaustausch gab urmayr kürzlich im coliquio-Forum: „Über Patienten wird viel geklagt und an ihnen gelitten. Zum Ausgleich: Was war Ihr schönstes Erlebnis mit einer Patientin oder einem Patienten? Das Witzigste? Das Anrührendste?“ Es folgten knapp 60 Kommentare – hier eine kleine Auswahl.
Ungewöhnliche Sympathiebekundungen
Insbesondere wenn der Patientenkontakt schon länger besteht oder wenn es sich um einen besonders herausfordernden Fall handelt, kann ein tiefes Vertrauensverhältnis entstehen. urmayr, tätig in der Psychologischen Psychotherapie, berichtet über eine Patientin, die als schwieriger Fall galt: „Bei dem Mädchen dachten am Ende alle, es ist nix mehr zu holen.“ Dass urmayr dennoch einen Zugang zur Patientin gefunden hatte, bezeugt ein handgeschriebener, mit Herzchen verzierter Brief, in dem die Patientin mitteilt: „Manchmal sind Sie eine Nerfensege, aber sie sind sehr nett“ (siehe Beitragsbild).
Auf eine ebenfalls einzigartige Sympathiebekundung kann coliquio-Mitglied tinkerbell zurückblicken.
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Ein unvergessenes Erlebnis: Eine etwas ältere Trisomie-Patientin ließ sich von mir behandeln – sie war sonst nur bei meinem Kollegen. Bei der Verabschiedung vor dem Wartezimmer sagte sie laut und deutlich „Du bist richtig scheiße, ich kann Dich echt gut leiden“ – und nahm mich in die Arme! Wenn das nicht rührend ist.
tinkerbell, Allgemeinmedizin
Als besonderen Vertrauensbeweis empfand es ordi92, dass eine Patientin mit geburtstraumatischer Hirnschädigung, die bereits seit 10 Jahren in der Praxis bekannt und immer stumm geblieben war, eines Tages das erste Mal mit ordi92 sprach – schwer verständlich zwar, aber so gut es ihr eben möglich war.
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Auf meine verblüffte Frage an die Eltern, dass sie ja doch sprechen könne, kam die Antwort: „Sie spricht nie mit Fremden!" Nach so vielen gemeinsamen Jahren hat sie mich offenbar in ihre Familie „aufgenommen"!
ordi92, Innere Medizin
Ein Dankeschön der besonderen Art
Zu den schönen Erlebnissen in der therapeutischen oder ärztlichen Praxis zählen auch Momente, in denen Patientinnen und Patienten ihre Wertschätzung zeigen.
Manchmal ist es auch die Art der Wertschätzung, in der viel mitschwingt: voigt-2, tätig in der Kinder- und Jugendmedizin, erhielt von einem Jungen mit schwerer Autismus-Spektrum-Störung als Dank ein Fotoalbum mit Naturfotografien. Der Junge, der sich verbal nicht ausdrücken konnte, hatte seine Neigung zur Fotografie entdeckt, nachdem voigt-2 es den Eltern des Jungen empfohlen hatte, diesen Weg der Kommunikation auszuprobieren: „Dieses aus mehrerer Sicht sehr unerwartete Geschenk hat mich tief gerührt.“
Blumen, Pralinen oder eine gute Flasche Wein zählen sicherlich zu den Klassikern, doch mitunter sind die Dankesbekundungen auch ungewöhnlich. Im Beitrag „Skurrile Danksagungen von Patienten“ findet sich ein breites Spektrum an überreichten Naturalien, darunter fangfrischer Fisch erlegte Hasen oder frische Pferdeäpfel für das Rosenbeet.
Zwei äußerst kreative Dankesgesten kann auch tombrues, tätig in der Urologie, beisteuern:
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Einer meiner Patienten kam eines Tages unaufgefordert in die Praxis mit seiner Ziehharmonika und spielte für die Wartenden und die Angestellten ein Ständchen... ein Anderer formte eine kleine Skulptur (ein wohlgeformter Hintern mit Ohren) und überreichte diese mit den Worten: „Sie haben mir jetzt schon zweimal den Arsch gerettet."
tombrues, Urologie
Doch nicht immer müssen die Dankesgesten originell, einzigartig oder besonders wortreich sein, um positiv in Erinnerung zu bleiben. Viele der Kommentierenden, darunter auch coliquio-Mitglied dent402, schätzen die kleinen positiven Momente, die mitten im Arbeitsalltag aufleuchten. Beispielsweise, wenn Patientinnen oder Patienten – häufig unerwartet – nette, lobende Worte für das Praxisteam, die reibungslosen Abläufe oder die gute Behandlung finden. Genau diese Momente schätzt auch chanice:
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Schöne Erlebnisse gibt es immer wieder. Mich freut es besonders, wenn z. B. Frauen schwanger werden, die es vorher ewig probiert haben und mit denen man so mitgefiebert hat – oder wenn man den Verdacht auf ein Karzinomrezidiv hat und es dann ausgeschlossen wird. Natürlich gibt es auch manchmal Geschenke, aber viel wichtiger sind die spontanen verbalen wertschätzenden Äußerungen.“
chanice, Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Erlebnisse, die im Gedächtnis bleiben
In der Diskussion zeigt sich auch, wie ambivalent schöne Erlebnisse im Arztberuf sein können. Treffend beschreibt es dr_knock: „Wenn ich es recht überlege, sind das Anrührendste oft eher traurige Momente gewesen, in denen unerwartet etwas Positives aufgeleuchtet hat.“
Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn nach einer intensiven Behandlung endlich das Ergebnis der Bemühungen sichtbar wird, oder wenn ein besonders schwieriger Fall doch noch zu einem positiven Ende kommt. Auf einen Fall, der sich erst im Nachhinein als bedeutend herausstellte, kann krepet zurückblicken:
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Eine junge Patientin kam zu mir mit starken Unterbauchschmerzen, rechtsseitig. Der Hausarzt wolle sie nicht untersuchen, da „für den Bauch der Gynäkologe zuständig sei“. Mit bretthartem Bauch und rechtsseitigem Druckschmerz schickte ich sie direkt in die nächste Chirurgie. Ein Jahr später, ich hatte es schon ganz vergessen, sitzt sie beim Krebsvorsorgetermin vor mir, überreicht mir einen Blumenstrauß mit den Worten „Ich möchte mich bedanken, dass sie mir letztes Jahr das Leben gerettet haben, ich kam sofort in den OP, der Blinddarm stand kurz vorm Platzen“. Das fand ich sehr rührend!
krepet, Frauenheilkunde und Geburtshilfe
In Erinnerung geblieben ist seplnerhe aus der Inneren Medizin ein Fall, der nur ein Mal in der gesamten ärztlichen Laufbahn auftrat: es stellt sich ein Mädchen mit einer angeborenen Katarakt vor – die Diagnose sei für die Eltern ein Schock gewesen. Heute sei die Patientin erwachsen und immer noch dankbar dafür, dass sie dank der Diagnose und Behandlung mit beiden Augen sehen kann.
Als rührend empfinden viele Ärztinnen und Ärzte auch Situationen, in denen sie als Mensch wahrgenommen werden - als jemand, der den Unterschied macht. So erging es reibet: Nachdem ihr Mann verstorben war und sie nach einer Pause wieder in die Praxis kam, war sie gerührt von der Anteilnahme ihrer Patientinnen und Patienten. Ähnlich erging es hannah, die ein Mädchen durch drei Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapien begleitet hatte und zum Abschied hörte: „ Sie werden mir fehlen, aber wenn ich dann heirate, möchte ich Sie gerne dabei haben“
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Die größte Anerkennung ist, finde ich, daß noch heute, 18 Jahre nach Beendigung der Kassenpraxis, Menschen auf der Straße auf mich zukommen mit den Worten: "Herr Doktor, Du fehlst mir und meiner Familie sehr!" Ich schreibe das nicht aus Hybris, es ist nur schön zu sehen, daß die Zuwendung doch nicht umsonst war. Wohl jeder von uns denkt oft: "Eh alles für de Katz".
krepet, Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Was hängt bei Ihnen in der Praxis oder auf der Station?
Wie ist das bei Ihnen: Gibt es selbstgemalte Bilder oder sonstige Geschenke von Patientinnen und Patienten, welche die Wände Ihrer Praxis oder Ihrer Station zieren? Senden Sie uns gerne ein Foto mit kurzer Beschreibung an [email protected]. Sollten ein paar Bilder zusammenkommen, können Sie sich in den nächsten Wochen auf eine Bildergalerie freuen.

Danke an alle, die sich an der Diskussion beteiligt haben.

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