Engpass in der Grundversorgung akzentuiert sich
Die aktuelle Schweizer Ärztestatistik für das Jahr 2024 ist erschienen. Zu sehen ist darin zwar ein Zuwachs an Ärztinnen und Ärzten im Vergleich zum Vorjahr. Dieser ist aber viel zu gering, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Die Herausforderungen der Ärztinnen und Ärzte haben sich abermals akzentuiert.
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Der folgende Beitrag basiert auf der Ärztestatistik 2024 der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH). Redaktion: Marc Fröhling
Laut den Zahlen der aktuellen FMH-Ärztestatistik für das Jahr 2024 arbeiteten in der Schweiz im vergangenen Jahr 42.602 Ärztinnen und Ärzte. Das sind 1.502 Personen oder 3,7 % mehr als im Vorjahr. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ist in den letzten Jahren gestiegen und liegt derzeit bei 49,7 Jahren. Ein Viertel aller berufstätigen Ärzte ist 60 Jahre oder älter - bei den Hausärztinnen und Hausärzten ein Drittel. Die Ärztinnen sind im Schnitt mit 46,5 Jahren jünger als die Ärzte (52,7 Jahre), was mit dem steigenden Frauenanteil beim Abschluss des Medizinstudiums zusammenhängt. Der Anteil der Frauen beträgt inzwischen 47,5 %. In leitenden Positionen sind dennoch nur 34 % der Posten von Frauen besetzt, in Chefarztpositionen 18 %.
Die detaillierten Zahlen finden Sie in der folgenden Bildergalerie zum Durchklicken.
Trotz Anstieg: Arztdichte in der Grundversorgung zu tief
Mit der Alterung der Bevölkerung und der Zunahme chronischer Krankheiten nimmt der Bedarf an medizinischen und pflegerischen Leistungen zu. Trotz eines Anstiegs bleibt die Arztdichte in der Grundversorgung (alle berufstätigen Ärztinnen und Ärzte mit dem Hauptfachgebiet Allgemeine Innere Medizin [Anm. der Redaktion: Seit 2011 ersetzt in der Schweiz dieser Facharzttitel die bisherigen Titel „Allgemeinmedizin“ und „Innere Medizin“], Kinder- und Jugendmedizin und Praktische Ärztin/Praktischer Arzt, welche hauptberuflich im Praxissektor tätig sind) mit durchschnittlich 0,8 statt 1 Vollzeitäquivalente (Zahl der Ärztinnen und Ärzte umgerechnet auf Vollzeitstellen) pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu tief.

„Grundversorger berichten von einer hohen Arbeitsbelastung und Kapazitätsgrenzen. Dies ist auch in der Notfallversorgung spürbar, aufgrund der Zunahme von Patientinnen und Patienten, die keinen Termin bei einer Hausärztin, einem Hausarzt erhalten," ordnet die FMH die Situation ein.
Auslandabhängigkeit ungebrochen hoch
41,3 % der in der Schweiz berufstätigen Ärztinnen und Ärzte haben ihr Medizinstudium im Ausland absolviert und abgeschlossen. In den vergangenen Jahren ist der Anteil ausländischer Ärzte kontinuierlich gestiegen, 2014 waren es noch 31 %. Die Schweiz liegt mit diesem Ausländeranteil weit über dem OECD-Durchschnitt von 19 %. Die meisten ausländischen Ärzte stammen aus Deutschland (49,4 %), gefolgt von Italien (9,7 %), Frankreich (7,1 %) und Österreich (6 %).

Laut Einschätzung der FMH ist die hohe Auslandsabhängigkeit riskant: „Sobald die genannten Länder ihren Fachkräften bessere Bedingungen bieten oder sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz weiter verschlechtern, droht ein massiver Mangel an ärztlichem Personal.“ Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch der im Kanton Zürich tätige Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Fabian Kraxner:
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„Die aktuellen Zahlen zur Ärztestatistik 2024 sind ein klares Warnsignal: Die Grundversorgung ist lückenhaft, die Abhängigkeit vom Ausland besorgniserregend. Ohne mehr inländische Aus- und Weiterbildungsplätze gerät die Gesundheitsversorgung der Schweiz ins Wanken.“
Fabian Kraxner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im Kanton Zürich
Pensen werden kleiner
2014 betrug das durchschnittliche Arbeitspensum 8,9 Halbtage, aktuell arbeiten Ärztinnen und Ärzte im Schnitt noch 8,6 Halbtage pro Woche. Zu beachten ist hierbei, dass das Vollzeitäquivalent von Ärztinnen und Ärzten im Durchschnitt 50 Stunden pro Woche beträgt, ein Halbtag umfasst somit im Durchschnitt 5,0 Stunden. Im Praxissektor liegt das durchschnittliche Arbeitspensum mit 7,9 Halbtagen pro Woche 1,5 Halbtage tiefer als im Spitalsektor (9,4 Halbtage). Das durchschnittliche Arbeitspensum von Frauen liegt mit 7,6 Halbtagen (und in allen Altersgruppen) deutlich unter dem ihrer männlichen Kollegen, die auf 9,0 Halbtage kommen.
Die Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzten nach Teilzeit und der Tätigkeit in Gemeinschaftspraxen nehmen zu. Insbesondere Frauen im Praxissektor bevorzugen Doppel- oder Gruppenpraxen mit 48,2 % gegenüber der Tätigkeit in Einzelpraxen (37,1 %). Männer sind mehr in Einzelpraxen (62,9 %) tätig.
- Hausärzte: Ein Drittel ist 60 Jahre alt und älter.
- Chefarztpositionen: Nur 18 % von Frauen besetzt.
- Ausländisches Arztdiplom: 41 % der ärztlichen Kollegen kommen aus dem Ausland.
- Einzelpraxen: Weniger 40 % sind in Einzelpraxen tätig (2014: 57 %).
- Versorgungssicherheit: Zahl der Aus- und Weiterbildungsplätze muss erhöht werden.
- Arbeitspensum: Das Bedürfnis nach Teilzeitarbeit nimmt weiter zu.
Große Herausforderungen erfordern Maßnahmen
Die Zahlen zeigen: Die Schweiz hat nicht genügend ärztliche Fachkräfte. Diese Ausgangslage gepaart mit hohem Kostendruck und der hohen administrativen Belastung führt unter anderem zu weniger Kapazität für Patientenkontakte und zu einer größeren Unzufriedenheit mit dem Beruf. Die Forderungen des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte lauten daher:
- Die Zahl der Medizinstudienplätze muss erhöht werden.
- Neue Weiterbildungsplätze, deren Finanzierung gesichert werden muss.
- Die Arbeitsbedingungen müssen zeitgemäß verbessert werden.

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