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Leben als Arzt

03. Apr. 2024
Schweizer Ärztestatistik 2023

Auslandsabhängigkeit hoch, Gesundheitswesen unter Druck

Die aktuelle Schweizer Ärztestatistik zeigt, dass die Zahl berufstätiger Ärztinnen und Ärzte weiter gestiegen ist. Dennoch genügt dies nicht, um den Fachkräftemangel zu decken. Die Herausforderungen der Ärztinnen und Ärzte haben sich akzentuiert und das Gesundheitswesen steht unter Druck.

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Zug fährt durch Schweizer Berglandschaft
Landschaftlich reizvoll – doch wie ist es in der Schweiz um den Arztberuf bestellt? Details verrät die aktuelle Schweizer Ärztestatistik. (Foto: © Dreamstime.com | Janoka82 )

Der folgende Beitrag basiert auf der FMH-Ärztestatistik 2023. Redaktion: Marc Fröhling

In der Schweiz haben letztes Jahr 41.100 Ärztinnen und Ärzte gearbeitet, dies sind 1.098 mehr als im Vorjahr, wie die aktuelle Schweizer Ärztestatistik der FMH (Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte) zeigt. Im Vergleich zu den Vorjahren fiel damit der Zuwachs im vergangenen Jahr erneut höher aus (800 Personen im Jahr 2022, 720 im Jahr 2021; 620 im Jahr 2020; 357 im Jahr 2019). Das sind demnach 800 Vollzeitäquivalenten oder 2,3 % mehr als im Jahr 2022. 14.573 Personen waren 2023 als Assistenzärztinnen und -ärzte in der Schweiz registriert. Diese Entwicklung ist der FMH zufolge erfreulich, genügt aber bei Weitem nicht, um den Fachkräftemangel zu decken.

Berufstätige Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz
Entwicklung berufstätiger Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz seit 2011.

Steigender Frauenanteil, alternde Grundversorgung

Der Frauenanteil ist im Jahr 2023 auf 46,6 % angestiegen (Vorjahr: 45,7 %). Das Durchschnittalter aller in der Schweiz tätigen Ärztinnen und Ärzte beträgt der Statistik zufolge 49,9 Jahre. Darüber hinaus war jede zweite berufstätige Ärztin bzw. jeder zweite berufstätige Arzt in der Schweiz im Jahr 2023 50 Jahre alt oder älter – jede bzw. jeder Vierte 60 Jahre oder darüber. Das Durchschnittsalter von in Praxen tätigen Grundversorgern beträgt 53,7 Jahre. Hier ist rund ein Drittel über 60 Jahre alt oder älter.

Durchschnittsalter Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz 2023
Durchschnittsalter der Schweizer Ärztinnen und Ärzte.

Sinkendes Arbeitspensum

Das Arbeitspensum der Ärztinnen und Ärzte betrug durchschnittlich 8,6 Halbtage pro Woche (ein Halbtag entspricht vier bis sechs Stunden). Im Praxissektor liegt das durchschnittliche Arbeitspensum bei 7,9 Halbtagen, im Kliniksektor bei 9,4 Halbtagen. Das durchschnittliche Arbeitspensum der Frauen (Praxis: 6,9, Klinik: 8,9 Halbtage) liegt tiefer als jenes ihrer Kollegen (Praxis: 8,6; Klinik: 9,9 Halbtage). Vor zehn Jahren betrug ein durchschnittliches Ärzte-Pensum noch 9.0 Halbtage.

Mehr Beschäftigte im Praxissektor, Zahl der Einzelpraxen sinkt

53,6 % der Ärztinnen und Ärzte sind hauptberuflich im Praxissektor tätig, 44,8 % im Spitalsektor und 1,6 % in einem anderen Sektor (Verwaltung, Versicherungen, Verbände etc.). Der Frauenanteil ist im Kliniksektor (49,1 %) höher als im Praxissektor (44,7 %), was auch mit dem höheren Frauenanteil bei den jüngeren Ärztinnen und Ärzten zusammenhängt, die vermehrt noch in Kliniken an ihrer Weiterbildung zur Fachärztin arbeiten. 43,8 % der Ärztinnen und Ärzte im Praxissektor sind in Einzelpraxen tätig. Dieser Anteil hat seit 2013 um 14,8 Prozentpunkte abgenommen.

Schweizer Ärztinnen und Ärzte nach Sektoren
Mehr als die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz sind im Praxissektor tätig. Der Anteil an Einzelpraxen sinkt dabei seit Jahren.

Wachsende Abhängigkeit von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland

40,4 % (+0,9 % auf 16.590) der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte stammen aus dem Ausland. Dieser Anteil steigt stetig, seit 2013 um 170 Prozentpunkte von 9.756 auf 16.590 Ärztinnen und Ärzte. Der Großteil ausländischer Fachkräfte stammt aus Deutschland (50,2 %), vor Italien (9,5 %), Frankreich (7,1 %) und Österreich (6,0 %). Wie die hohe Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften zeigt, vermögen die in der Schweiz ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte den Bedarf nicht zu decken.

Herkunftsländer berufstätiger ausländischer Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz 2023
Herkunftsländer berufstätiger ausländischer Ärztinnen und Ärzte.

Arztdichte auf dem Niveau der Nachbarländer

Die Schweiz hat eine Arztdichte von 4,6 Ärztinnen und Ärzten pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner (4,0 in Vollzeitäquivalenten). Das ist vergleichbar mit den Nachbarländern Österreich (5,4), Deutschland (4,5), Italien (4,1) und Frankreich (3,2). Die Arztdichte in der Grundversorgung ist mit 0.8 statt 1 Vollzeitäquivalenten pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits seit Jahren zu tief.

Die beliebtesten Fachgebiete

Mit Blick auf die beliebtesten Fachgebiete gibt es an der Spitze keine Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren. Die Allgemeine Innere Medizin [Anm. der Redaktion: Seit 2011 ersetzt in der Schweiz dieser Facharzttitel die bisherigen Titel „Allgemeinmedizin“ und „Innere Medizin“] ist unter allen berufstätigen Schweizer Ärztinnen und Ärzten von den 46 möglichen Fachgebieten nach wie vor das am häufigsten vertretene (21 %). An zweiter Stelle liegen unverändert die Psychiatrie und Psychotherapie (10 %), gefolgt von der Kinder- und Jugendmedizin (5 %) und der Gynäkologie und Geburtshilfe (5 %).

Die Gynäkologie und Geburtshilfe (69,6 %) sowie die Kinder- und Jugendmedizin (68,4 %) verzeichnen den höchsten Frauenanteil. In den chirurgischen Fachgebieten sind die Männer dagegen nach wie vor deutlich in der Überzahl: 90,8 % der in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie tätigen Personen sind männlich, in der Orthopädischen Chirurgie sind es 87,3 %.

Schweizer Gesundheitswesen steht unter Druck

Medizinische Ärzteorganisationen sind über den Fachkräftemangel (fehlendes Personal, fehlender Nachwuchs, Sicherstellung der Weiterbildungsqualität und von qualitätsförderlichen Arbeitsbedingungen) besorgt. Aufgrund der hohen administrativen Belastung fehlt es an ausreichend Zeit für Patientinnen und Patienten, was wiederum eine Verschlechterung der Versorgungsqualität zur Folge haben kann. Die Zahl der Praxen, die keine neuen Patientinnen und Patienten aufnehmen, nimmt zu. Lange Wartezeiten und Praxisschließungen verschärfen die prekäre Situation.

Der Druck lastet auch auf dem Nachwuchs. Die Arbeitslast und Arbeitsbedingungen sind hoch. Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gefordert sind die Erhöhung der Aus- und Weiterbildungsplätze, moderne Arbeitsmodelle bzw. kürzere Arbeitszeiten, weniger Bürokratie, eine Reduktion von nicht-medizinischen Aufgaben und eine nutzenstiftende Digitalisierung. Vor allem: Es braucht mehr Gesundheitsfachpersonal.

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