Arztgehälter in Deutschland
Der coliquio-Gehaltsreport 2024 informiert über die Gehälter in Deutschland tätiger Ärztinnen und Ärzte. Außerdem verrät er, welche Faktoren für Zufriedenheit im Arztberuf sorgen und was die größten Herausforderungen sind. Die spannendsten Ergebnisse und Grafiken – unterteilt nach Fachgebiet, Bundesland und Geschlecht – finden Sie im folgenden Beitrag.
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling
Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst der befragten Ärztinnen und Ärzte exklusive weiterer Leistungen, Vergütungen und Boni liegt den Umfrageergebnissen zufolge in diesem Jahr bei rund 150.900 €. Diese Zahl bestätigt die Vorjahresergebnisse des ersten coliquio-Gehaltsreports, demzufolge Ärztinnen und Ärzte im vergangenen Jahr im Schnitt ein Brutto-Einkommen von 150.200 € durch die Behandlung von Patientinnen und Patienten erwirtschaftet haben. Erstmals wurde in diesem Jahr das Netto-Jahreseinkommen abgefragt: Über alle Fachgruppen und Tätigkeitsfelder hinweg liegt dieses bei durchschnittlich 93.200 €.
Lohnlücke zwischen den Geschlechtern nach wie vor erkennbar
- Tätigkeitsfeld: Die Kolleginnen und Kollegen aus dem ambulanten Sektor erzielten der Umfrage zufolge ein Jahreseinkommen in Höhe von 176.200 € (Einzelpraxis) beziehungsweise 158.800 € (Gemeinschaftspraxis/MVZ). Der Reinertrag einer Praxis ist jedoch nicht mit dem Gewinn zu gleichzusetzen, wie auch die Protestaktion eines Ärzteverbandes im vergangenen Jahr verdeutlichte. Der Verdienst in Kliniken fiel mit durchschnittlich 141.800 € geringer aus. Bei Behörden und Körperschaften tätige Ärztinnen und Ärzte verdienten der Umfrage zufolge rund 100.000 € im Jahr.
- Vollzeit & Teilzeit: Die Befragten, die eine Tätigkeit in Vollzeit ausüben, erzielten einen Jahresverdienst in Höhe von 173.600 €, die Kolleginnen und Kollegen in Teilzeit erwirtschafteten 92.400 €. Mit Blick auf die Teilzeitarbeit ist die Heterogenität dieser Gruppe zu beachten: Manche arbeiten annähernd in Vollzeit, andere sind dagegen im Ruhestand und nur wenige Stunden in der Woche ärztlich tätig.
- Geschlecht: Unterteilt nach Geschlecht zeigt die coliquio-Gehaltsumfrage auch in diesem Jahr deutliche Unterschiede: Ärzte verdienen den Ergebnissen zufolge mit jährlich 174.400 € rund 68.000 € mehr als Ärztinnen, die auf einen durchschnittlichen Jahresverdienst in Höhe von 108.800 € kommen. Der Gender-Pay-Gap (Lohnlücke), die Differenz des Jahresgehaltes zwischen Männern und Frauen im Verhältnis zum Gehalt der Männer, beträgt hier über alle Tätigkeitsfelder hinweg 37,6 % und ist damit ähnlich hoch wie in der Vorjahresumfrage. Eine Erklärung hierfür ist keineswegs nur die Annahme, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten als ihre männlichen Kollegen, denn: auch wenn nur die Angaben der Kolleginnen und Kollegen berücksichtigt werden, die in Vollzeit (Männer: 192.300 €; Frauen: 126.600 €) arbeiten, bleibt die Lohnlücke mit 34,2 % weiter groß.
- Erfahrung: Auch die Berufserfahrung macht sich beim Einkommen bezahlt: Kolleginnen und Kollegen über 45 Jahre verdienen demnach im Schnitt rund 163.200 €, Ärztinnen und Ärzte unter 45 Jahren dagegen mit 108.400 € rund 55.000 € weniger.
- Ost und West: Mit einem Brutto-Jahresverdienst in Höhe von 136.200 € verdienen Kolleginnen und Kollegen in den neuen Bundesländern rund 17.600 € weniger als ärztlich Tätige im Westen (153.800 €).
Arztverdienst nach Fachgebiet
Von den Fachgruppen, in denen mehr als 10 Kolleginnen und Kollegen ihren Bruttojahresverdienst offengelegt haben, liegt die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde mit 203.000 € an erster Stelle. Die Kolleginnen und Kollegen aus der Orthopädie und Unfallchirurgie landen mit 192.400 € an zweiter Stelle, gefolgt von der Augenheilkunde* (187.000 €), der Urologie* (186.200 €) und der Kardiologie (175.800 €). Am unteren Ende der Skala sind verortet:
- Onkologie* (132.300 €)
- Nephrologie* (129.800 €)
- Anästhesiologie (125.300 €)
- Innere Medizin* (Klinik) (107.000 €)
- Psychiatrie (98.300 €)
*geringe Datenbasis; n= 10-15
Bundesländer: Höchster Verdienst im Südwesten
Die höchsten Einkommen werden der Umfrage zufolge von Kolleginnen und Kollegen aus Baden-Württemberg (179.600 €) und Rheinland-Pfalz (174.600 €) erzielt. Berlin folgt mit 165.000 € vor dem Saarland (163.800 €). Die Schlusslichter sind den Angaben zufolge Mecklenburg-Vorpommern (116.600 €) und Hamburg (115.800 €).
Durchschnittliche Wochenarbeitszeit
Im Durchschnitt leisten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland 42,9 Wochenarbeitsstunden. Die im stationären Sektor tätigen Kolleginnen und Kollegen leisten dabei mit 47,1 Wochenstunden knapp vier Stunden mehr als die im ambulanten Sektor Tätigen. Ärztinnen arbeiten rund fünf Stunden weniger als Ärzte. Die Kolleginnen und Kollegen über 45 Jahre arbeiteten den Umfrageergebnissen zufolge rund 2,5 Wochenstunden mehr als diejenigen unter 45 Jahren.
- Für die Online-Umfrage wurden Ärztinnen und Ärzte, die bei coliquio registiert sind eingeladen, einen Fragebogen auszufüllen.
- Zeitraum: Ende September bis Ende Oktober 2024.
- Teilnehmende: 1.118 Ärztinnen und Ärzte aus der Humanmedizin, davon 38,3 % weiblich. 61,2 % sind im ambulanten Sektor tätig; 28,2 % in einer Klinik.
- 688 Ärztinnen und Ärzte haben dabei auf freiwilliger Basis eine Gehaltsangabe gemacht, davon waren 245 weiblichen Geschlechts.
Wie zufrieden sind Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Gehalt?
Etwa vier von zehn Befragten (42 %) sind mit ihrem Gehalt zufrieden, jeweils 29 % sind neutral gestimmt oder unzufrieden. Insgesamt scheint die Ärzteschaft den Umfrageergebnissen zufolge etwas unzufriedener mit der Einkommenssituation zu sein als noch im Vorjahr (-2,5 %). Mit Blick auf die Geschlechter bestätigt sich außerdem der Trend, dass Ärzte (45 %) mit ihrem Gehalt zufriedener sind als Ärztinnen (36 %). Außerdem herrscht im Kliniksektor (45 %) eine höhere Zufriedenheit als im ambulanten Bereich (39 %).
Nur ein Drittel fühlt sich fair bezahlt
Gerade mit Blick auf die zahlreichen Herausforderungen, die der Arztberuf mit sich bringt, zeigt die Umfrage auch, dass die Zufriedenheit mit dem Arztgehalt nicht notwendigerweise bedeuten muss, dass die Bezahlung als fair angesehen wird. Nur rund ein Drittel der befragten Kolleginnen und Kollegen gaben demnach an, sich fair bezahlt zu fühlen, dies sind etwas weniger als in der Vorjahresumfrage (-3 %). Besonders prekär scheint die Lage im ambulanten Sektor zu sein: hier fühlen sich nur 28 % der Ärztinnen und Ärzte fair bezahlt (Klinik: 38 %). Dabei sind sie dicht gefolgt von den jüngeren Kolleginnen und Kollegen unter 45 Jahren, von denen nur 31 % angaben, eine faire Bezahlung zu erhalten.
Zufriedenheit mit der Arbeitssituation angestiegen
Unabhängig vom Gehalt gaben in diesem Jahr etwas mehr als die Hälfte (51 %) der Befragten an, mit der Arbeitssituation zufrieden zu sein, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeutet (+5 %).
Unterschiede sind hier bei den Geschlechtern zu verzeichnen: Während von den männlichen Befragten 53 % mit ihrer Arbeitssituation zufrieden sind, sind es bei den weiblichen nur 49 %. Auch die Befragten aus dem Osten Deutschlands (55 %) sind grundsätzlich zufriedener als die Kolleginnen und Kollegen aus dem Westen ( 51 %).
Welche Faktoren tragen zur Zufriedenheit im Arztberuf bei ...
Die menschliche Beziehung zu den Patientinnen und Patienten (61 %), ein gutes Arbeitsklima (54 %) und das Gefühl, Verantwortung zu übernehmen (53 %), wurden über alle Fachgruppen hinweg am häufigsten genannt, wenn es um die Faktoren geht, die den Arztberuf lohnenswert machen. Besonders für junge Ärztinnen und Ärzte ist jedoch auch eine gute Work-Life-Balance ein wichtiger Faktor (50 % im Vergleich zu 31 % gesamt). In dieser Auflistung spielt das Gehalt mit rund 23 % für die Kolleginnen und Kollegen nur eine untergeordnete Rolle.
Warum es sich darüber hinaus lohnt, die ärztliche Tätigkeit auf sich zu nehmen, wurde außerdem im coliquio-Forum diskutiert. Lesen Sie hier, welche Dinge Ihre Kolleginnen und Kollegen den Arztberuf erfüllend machen.
... und was sind die größten Herausforderungen?
Für die Mehrheit der Befragten sind bürokratische Hürden (63 %), der hohe Aufwand an Verwaltungsaufgaben (51 %) sowie Ressourcen- und Personalknappheit (48 %) die größten Herausforderungen im Beruf. Gerade bei den jungen Kolleginnen und Kollegen unter 45 Jahren nehmen außerdem die Vereinbarkeit mit dem Familienleben und eine guten Work-Life-Balance einen hohen Stellenwert ein (40 %). Für Ärztinnen und Ärzte, die in Kliniken tätig sind, ist das Thema Ressourcen- und Personalknappheit die meistgenannte Herausforderung (68 %).
- 150.900 € beträgt das durchschnittliche Jahresgehalt in der Humanmedizin.
- Nur ein Drittel der Befragten aus der Humanmedizin fühlt sich fair bezahlt.
- 42,9 Wochenarbeitsstunden leisten Ärztinnen und Ärzte im Durchschnitt .
- Rund die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte ist mit der aktuellen Arbeitssituation grundsätzlich zufrieden.
- Ein Übermaß an Bürokratie ist für zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte weiterhin die größte Herausforderung im Job.
- Für die größte Zufriedenheit sorgt die menschliche Beziehung zu den Patientinnen und Patienten.
Gehaltsreport Zahnmedizin
Der zweite Teil des Beitrags beschäftigt sich mit dem Verdienst, der Zufriedenheit und den Herausforderungen von Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern und vergleicht die Angaben mit denen aus der Humanmedizin.

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