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Leben als Arzt

24. Apr. 2024
Ärztestatistik 2023

Zahlen & Fakten zu Deutschlands Ärztinnen und Ärzten

Die Bundesärztekammer hat ihre aktuelle Ärztestatistik veröffentlicht. Erneut zeigen sich darin beunruhigende Entwicklungen.

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Alle Daten stammen aus der Ärztestatistik 2023 der Bundesärztekammer. Redaktion: Marc Fröhling

Im Jahr 2023 betrug die Gesamtzahl der bei den Landeskammern gemeldeten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland 559.000, davon waren 428.000 berufstätig. Dies entspricht einem Zuwachs der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte von 1,7 % (rund 7.000 Personen). Wie auch im Jahr 2022 (+1,2 %) blieb das Wachstum hinter den Erwartungen zurück und reichte erneut nicht an das vorpandemische Wachstum heran (+2,5 % im Jahr 2019). Unter den berufstätigen Kolleginnen und Kollegen ist der Frauenanteil weiter leicht angestiegen und liegt nun bei rund 49,5 %. Die detaillierten Zahlen finden Sie in der folgenden Bildergalerie zum Durchklicken.

Ambulante Versorgung: Ein Drittel als Angestellte tätig

Die Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist im Vergleich zum Vorjahr um weitere 1,7 % gesunken (2022: -3,8 %). Der Trend in der ambulanten Versorgung geht dabei weiter hin zum Angestelltenverhältnis. Nach einem Rekordwachstum im Jahr 2022 von 12,6 % im Vergleich zum Vorjahr, wurde 2023 eine weitere Steigerung um 8,1 % verzeichnet. Seit dem Jahr 2018 bedeutet dies eine Steigerung um 51 %. Damit sind laut Angaben der Bundesärztekammer inzwischen rund ein Drittel aller Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung als Angestellte in Praxen oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) tätig.

Entwicklung ambulant Angestellter seit 1995
Abb. 5: Entwicklung der Zahl ambulant angestellter Ärztinnen und Ärzte seit 1995.

Wo bleibt der Nachwuchs? Hoffnungen auf Aufholeffekt enttäuscht

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) rechnet bis zum Jahr 2040 mit einem Mangel an 30.000 bis 50.000 Ärztinnen und Ärzten. „Dabei ist ein Mindestmaß an Wachstum nötig, um den Trend zu familienfreundlichen Arbeitszeiten auszugleichen und das Gesundheitswesen auf eine zunehmend alternde Bevölkerung vorzubereiten“, zeigt sich die Bundesärztekammer besorgt.

Doch obwohl sich 2023 wieder mehr Ärztinnen und Ärzte erstmals bei einer (Landes-)Ärztekammer (+5,7 %) anmeldeten und zudem der Medizinische Fakultätentag in Zukunft mit steigenden Absolventenzahlen rechnet, liegt die Zahl der Studienplätze in Deutschland weiter deutlich unter dem Wert der 1980-er Jahre. „Selbst wenn alle tatsächlich in Anspruch genommenen Studienplätze zusammengerechnet würden, bleibt das Niveau von 14.000 Studienplätzen unerreichbar“, so die Bundesärztekammer.

Anteil der unter 35-jährigen Ärztinnen und Ärzte im Zeitverlauf
Abb. 6: Anteil der unter 35-jährigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Immer mehr ausländische Ärztinnen und Ärzte: Gesundheitswesen profitiert vom Zuzug

Die Zahl der Medizinerinnen und Mediziner ohne deutsche Staatsangehörigkeit erreichte Ende 2023 mit knapp 64.000 eine neue Höchstmarke. Ein Jahr zuvor waren es 59.900. Das deutsche Gesundheitswesen habe erneut vom Zuzug profitiert, wobei der Zuwachs nun nach mehreren Jahren wieder stärker ausgefallen ist. Binnen zehn Jahren habe sich die Zahl verdoppelt, vor 30 Jahren seien es nur etwa 10.000 ausländische Ärztinnen und Ärzte gewesen.

Herkunftsländer ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland
Abb. 7: Herkunftsländer ausländische Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

Die meisten ausländischen Kolleginnen und Kollegen kamen laut Ärztestatistik mit Stand vom 31. Dezember 2023 aus Europa, nämlich 42.548. Wichtigste einzelne Herkunftsländer sind demnach Syrien (6.120), Rumänien (4.668), Österreich (2.993), Griechenland (2.943), Russland (2.941) und die Türkei (2.628). Im Gegenzug hätten 2023 knapp 2.200 Ärztinnen und Ärzte Deutschland verlassen, die Zahl der Rückkehrenden sei dagegen nicht bekannt. 

Entwicklung ausländischer Ärzte in Deutschland seit 1995
Abb. 8: Zahl ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland seit 1995.

Schweizer Ärztestatistik 2023: Auslandsabhängigkeit hoch, Gesundheitswesen unter Druck

Entwicklung der Arztdichte in Deutschland

Bundesweit kamen im Jahr 2023 wie im Vorjahr auf einen berufstätigen Arzt im Durchschnitt 197 Einwohner. Die höchste Arztdichte herrschte dabei in den Stadtstaaten mit 127 bis 158 Einwohnern pro Ärztin oder Arzt. Dahinter folgte das Saarland mit 183 Einwohnern pro Ärztin oder Arzt. Brandenburg (246) und Niedersachen (231) hatten 2023 die meisten Einwohner auf einen Arzt zu verzeichnen.

Arztdichte Bundesländer 2023
Abb. 9: Arztdichte in den einzelnen Bundesländern.

Der Trend zu immer weniger Einwohnern pro Arzt hält somit weiter an. Vor zehn Jahren kamen auf einen Arzt noch 226 Einwohner, vor 20 Jahren waren es noch 269. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 kamen auf einen Arzt 587 Einwohner, 1960 waren es 787.

Arztdichte seit 1960
Abb. 10: Entwicklung der Arztdichte seit 1960.

Ausblick in die Zukunft

Zudem vermeldet die Bundesärztekammer in der aktuellen Statistik einen weiteren Anstieg der Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand auf inzwischen mehr als 100.000. Dies ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 %. Da bereits heute fast ebenso viele berufstätige Ärztinnen und Ärzte (rund ein Viertel) 60 Jahre alt und älter sind, ist zu befürchten, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt. Die Bundesärztekammer weist zudem darauf hin, dass einige Fachgebiete stärker vom demografischen Wandel betroffen sind als andere.

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