12. April 2018

CIRS-Fall

Zu dick für den OP: Herausforderung Adipositas

Die OP-Schleuse und OP-Säulen in einer Klinik sind offiziell bis zu einem Gewicht von 130 kg zugelassen. Dennoch wird ein 180 kg schwerer Patient aufgelegt. Wer trägt die Verantwortung im Falle eines Schadens?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Bericht im Fehlermeldesystem Krankenhaus-CIRS, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Operationssaal nicht für stark Übergewichtige ausgelegt

Ein schwer übergewichtiger Mann (Gewicht 180 kg) wurde in der Fachabteilung Chirurgie operiert, obwohl bekannt war, dass OP-Schleuse und OP-Säule nicht für ein solches Gewicht ausgelegt sind. Zwar kam der Patient nicht zu Schaden. Allerdings musste die OP-Säule aufgrund eines verdächtigen “Knackens” während der Operation auf technische Schäden untersucht werden, weshalb es zu einer Sperrung des Operationssaals kam.

Das Problem mit stark adipösen Patienten ist bereits länger in der Klinik bekannt, eine technische Aufrüstung fand dennoch nicht statt. Dabei ist Adipositas in der Chirurgie eine wachsende Herausforderung, da die Zahl der stark Übergewichtigen in Deutschland in den vergangenen Jahren weiter zugenommen hat. Insbesondere junge Erwachsene sind betroffen.2

Für die optimale chirurgische Versorgung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie u.a. folgende materielle Ausstattung:

  • OP-Tisch bis 200 kg,
  • vollständige laparaskopische Einheit,
  • Instrumente für offene Operationen (z.B. Retraktoren),
  • Untersuchungsliege bis 200 kg,
  • Spezialbetten und -stühle,
  • Spezialwaage.

Schadensfall: Auch Ärzte können sich schuldig machen

Ein Arzt darf nur Behandlungen durchführen, deren Standards er beherrscht und für welche die Voraussetzungen gegeben sind. Fehlen die Fachkenntnisse oder ist die räumliche oder apparative Ausstattung nicht vorhanden, kann er sich bei der Behandlung schuldig machen (Übernahmeverschulden). Der Patient muss an eine geeignete Einrichtung überwiesen werden.

Bei zivilrechtlichen Ansprüchen (z.B. Schmerzensgeld) im Schadensfall ist neben dem Arzt auch der Krankenhausträger haftbar. Kommt es aufgrund eines bekannten, beherrschbaren Risiko zu einer Schädigung des Patienten, ist der Klinikträger verantwortlich (Organisationsverschulden).3

Wurde die Sorgfaltspflicht verletzt, können bei fahrlässiger Körperverletzung auch strafrechtliche Konsequenzen drohen. Allerdings muss dabei der Zusammenhang zwischen Pflichtverletzung und Schaden restlos aufgeklärt sein und es dürfen keine Zweifel mehr bestehen.

Eine Herausforderung auch in der Intensivmedizin

Nach operativen Eingriffen benötigen extrem übergewichtige Patienten spezielle Aufmerksamkeit. Postoperativ müssen sie länger beatmet werden, Reintubationen sind häufiger notwendig und der Sauerstoffbedarf ist erhöht, da die Lungen- und Thoraxfunktion mit zunehmendem Übergewicht abnimmt. Dabei werden oftmals spezielle Geräte und Materialien (z.B. Trachealkanülen) benötigt.

Aufgrund des hohen Auflagegewichts kommt es schneller zur Entwicklung eines Dekubitus und die Wundheilung ist eingeschränkt. Daher ist der pflegerische Aufwand prä- und postoperativ erhöht und erfordert teilweise technische Unterstützung (z.B. motorbetriebene Betten und Stühle).

Mit Adipositas steigt zudem das Risiko für Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Schlafapnoe, die bei der Versorgung und Behandlung beachtet werden müssen.

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