24. Februar 2021

Zerebralen Gefäßverschluss schon im Notarztwagen erkennen – welcher prähospitale Score ist der beste?

 „Zeit ist Hirn“ – bei einem ischämischen Schlaganfall aufgrund eines Verschlusses größerer Gefäße kommt es darauf an, so schnell wie möglich eine endovaskuläre Revaskularisierung durchzuführen. Um geeignete Patienten direkt in entsprechende ausgestattete Einrichtungen zu bringen, müssen aber schon im Notarztwagen die Weichen richtig gestellt werden. Niederländische Wissenschaftler haben dazu in einer Multicenter-Studie prospektiv acht prähospitale Schlaganfall-Scores validiert.1

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Artikel basiert auf einer Studie von Duvekot et al.(2021), veröffentlicht in Lancet Neurology. Redaktion: Maria Weiß.

Beim ischämischen Schlaganfall hängen die Ergebnisse der systemischen Thrombolyse oder endovaskulären Thrombektomie entscheidend von einem möglichst kurzen Zeitfenster zwischen Beginn der Symptomatik und der Intervention ab. Bei Verschlüssen größerer Gefäße hat sich die Thrombektomie als überlegen gegenüber der Thrombolyse erwiesen – der endovaskuläre Eingriff kann aber nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Die Fahrer im Notarztwagen müssen also rasch entscheiden, ob ein Patient direkt in eines dieser Zentren gebracht werden soll.

Vergleich von acht prähospitalen Symptom-Scores

Für die Einschätzung stehen acht verschiedene prähospitale Schlaganfall-Scores zur Verfügung:

  • Rapid Arterial oCclusion Evaluation (RACE),
  • Los Angeles Motor Scale (LAMS),
  • Cincinnati Stroke Triage Assessment Tool (C-STAT),
  • Gaze-Face-Arm-Speech-Time (G-FAST),
  • Prehospital Acute Stroke Severity (PASS),
  • Cincinnati Prehospital Stroke Scale (CPSS),
  • Conveniently-Grasped Field Assessment Stroke Triage (CG-FAST) und
  • der FAST-PLUS-Test (Face-Arm-Speech-Time plus schweres motorisches Defizit von Arm oder Bein).

Methodik

Welcher von ihnen am besten geeignet ist, untersuchten Martijne Duvekot aus Dordrecht (Niederlande) und ihre Kollegen. Acht Krankenhäuser im Nordwesten der Niederlande wurden einbezogen, indem jedem Haus einer der oben genannten Scores zugewiesen wurde. Das Notarztwagen-Personal schätzte dann Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall immer mit dem Score desjenigen Krankenhauses ein, das gerade angefahren wurde. Die teilnehmenden Mitarbeiter wurden zu diesem Zwecke auch geschult.

Aufgenommen in die Studie wurden alle über 18-jährige Patienten mit einem positiven Face-Arm-Speech-Time (FAST)-Test, der bei der Erkennung eines Schlaganfalls etabliert ist. Ausschlusskriterium war ein Zeitraum von mehr als sechs Stunden nach Beginn der Symptomatik.
Primärer Endpunkt war die Übereinstimmung der mittels Score gestellten Verdachtsdiagnose mit dem Nachweis eines proximalen Verschlusses eines großen intrakraniellen Gefäßes der anterioren Zirkulation (aLVO) in der CT-Angiographie.

RACE-Test gewinnt

Insgesamt gingen die Daten von 1.039 Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall in die Studie ein, von denen bei 120 (12 %) ein aLVO nachweisbar war. Die beste Übereinstimmung mit dem CT-Angiographie-Ergebnis zeigte der RACE-Test (AUC für area under the receiver operating characteristic curve 0,83), gefolgt von G-FAST und CG-Fast (AUC jeweils 0,80). Aber auch die anderen Tests schnitten mit einer AUC zwischen 0,72 und 0,79 nicht wesentlich schlechter ab. Der von den Ärzten auf der Notaufnahme erhobene NIHSS (National Institutes of Health Stroke Scale) zeigte eine noch etwas bessere Übereinstimmung (AUC 0,86).

Zusammenhang mit Outcome noch ungeklärt

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die prähospitalen Schlaganfall-Scores RACE, G-FAST und CG-FAST am besten zur Detektion eines aLVO geeignet sind und fast annähernd so aussagefähig sind wie der NIHSS. Ob die konsequente Verwendung dieser Scores im Notarztwagen das Outcome von Patienten mit Schlaganfall verbessert, müsste in weiteren Studien untersucht werden.

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