25. Januar 2019

WHO: 10 Bedrohungen für die weltweite Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste mit zehn der größten Bedrohungen für die globale Gesundheit veröffentlicht. Neben Infektionskrankheiten und schwierigen Lebensbedingungen tauchen erstmals Impfskeptiker in der Aufzählung auf.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Veröffentlichung der WHO, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Impfskeptiker

Obwohl Impfungen gegen viele Erkrankungen zur Verfügung stehen, weigern sich zunehmend Menschen sich selbst oder ihre Kinder zu impfen. Dies ist ein Rückschritt im Kampf gegen impfpräventable Krankheiten. Dabei sind Impfungen die kosteneffektivste Art der Krankheitsvermeidung. Jährlich werden 2-3 Millionen Todesfälle durch Impfungen vermieden, und es könnten noch weitere 1,5 Millionen mehr sein, wenn die globalen Impfraten steigen würden.

Eine Arbeitsgruppe hat verschiedene Ursachen für eine Impfgegnerschaft gefunden, darunter:

  • Selbstzufriedenheit
  • Unannehmlichkeiten bei der Impfung (“Impfschäden”)
  • fehlendes Vertrauen in das Gesundheitssystem

Nicht-übertragbare Krankheiten

Krebs, kardiovaskuläre Erkrankungen oder Diabetes – mehr als 70% der weltweiten Todesfälle lassen sich auf nicht-übertragbare Krankheiten zurückführen. Darunter sind 15 Millionen Menschen, die einen vorzeitigen Tod sterben (zwischen 30 und 69 Jahren). Über 85% dieser Todesfälle treffen Länder mit geringem und mittlerem Einkommen. Für das vermehrte Aufkommen dieser Erkrankungen sind v.a. fünf große Risikofaktoren verantwortlich:

  • Tabak
  • Alkohol
  • körperliche Inaktivität
  • ungesunde Ernährung
  • Luftverschmutzung

Diese Risikofaktoren beeinflussen zudem psychische Erkrankungen, welche schon im jungen Alter beginnen. Die Hälfte aller mentaler Krankheiten beginnt im Alter von ca. 14 Jahren, viele werden jedoch nicht diagnostiziert und behandelt. Unter den 15-19 Jahre alten Jugendlichen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.

Globale Influenza-Epidemie

Die WHO ist sicher, eine weitere weltweite Influenza-Pandemie wird kommen. Die Frage ist nur, wann und in welchem Ausmaß. Die globale Verteidigung gegen die Infektionskrankheit ist nur so effektiv wie das schwächste Glied in der Kette der Antwortsysteme. Die Verbreitung von Influenza-Viren wird konstant überwacht, um potenziell pandemische Stämme zu identifizieren. Hierbei beteiligen sich 153 Institutionen in 114 Ländern.

Jährlich werden aktualisierte Impfempfehlungen herausgegeben, welche sich an den zirkulierenden Virenstämmen orientieren. Im Falle des Auftretens eines neuen Stammes mit pandemischen Eigenschaften hat die WHO ein spezielles Programm entwickelt, welches einen effektiven und fairen Zugang zu Diagnostika, Vakzinen und antiviralen Medikamenten gewährleisten soll.

Antimikrobielle Resistenzen

Antibiotika, antivirale Medikamente oder Mittel gegen Malaria gehören zu den größten Errungenschaften der Medizin, allerdings wird das Zeitfenster für viele dieser Arzneimittel kleiner. Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze entwickeln zunehmend Resistenzmechanismen gegen die Medikamente. Es besteht laut WHO die Gefahr, dass Krankheiten wie Pneumonien, Tuberkulose, Gonorrhoe oder Salmonelleninfektionen nicht mehr so einfach wie heute behandelt werden können.

Resistenzen gegen Tuberkulosemedikamente sind ein großes Hindernis im Kampf gegen die Krankheit, welche jährlich für 1,6 Millionen Todesfälle verantwortlich ist. Im Jahr 2017 waren bereits 600.000 Tuberkulose-Patienten resistent gegenüber Rifampicin, der effektivsten Erstlinientherapie. 82% dieser Patienten litten unter einer multiresistenten Tuberkulose.

Luftverschmutzung & Klimawandel

9 von 10 Menschen atmen jeden Tag verschmutzte Luft ein. Die WHO stuft dies als das größte Umweltrisiko für die Gesundheit ein. Mikroskopische Schadstoffe können in das Atmungs- und Blutsystem gelangen und Lungen, Herz und Gehirn schädigen. Die Folgekrankheiten führen jährlich zu 7 Millionen vorzeitigen Todesfällen.

Auch in Deutschland ist derzeit eine Diskussion über Grenzwerte von Schadstoffen entbrannt, die vor allem unter Pneumologen und Umweltmedizinern geführt wird.

Ebola und andere hochgefährliche Erreger

In der Demokratischen Republik Kongo kam es 2018 zu zwei großen Ebolaausbrüchen. Ein Ausbruch betraf Regionen, die besonders vom Bürgerkrieg betroffen sind. Die Verbreitung des hoch-gefährlichen Erregers in dichtbesiedelten Großstädten oder kriegsgebeutelten Regionen lässt sich nicht mit früheren Ausbrüchen in ländlichen Gebieten vergleichen.

Um diese Herausforderungen anzugehen, hat sich im Dezember eine Gruppe mit Vertretern des Gesundheitswesens, Veterinären und aus dem Transport- und Tourismussektor gebildet. Die WHO hat 2019 zum Jahr der Bereitschaft für Gesundheitsnotfälle erklärt.

Auf der Liste der Erreger, die eine Bedrohung darstellen und für die es kaum wirksame Therapien und Impfungen gibt, stehen:

  • Ebola
  • Zika
  • Nipah
  • Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV)
  • Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS)
  • Krankheit X (noch unbekannte Pathogene, die eine schwerwiegende Epidemie auslösen können)

Dengue, HIV und mehr: 4 weitere Bedrohungen

In der Bildergalerie erfahren Sie mehr über fünf weitere Bedrohungen, welche die WHO für die weltweite Gesundheit sieht. Klicken Sie zum Starten auf das erste Bild.

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  1. Ten threats to global health in 2019. World Health Organization. World Health Organization, Januar 2019

Bildquellen: © istock.com/FatCamera, NLshop, baona, AndreasReh, USO, pixelfusion3d, 4421010037, plherrera, smuay, vicnt

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