27. Oktober 2020

Schlaganfall

Neue Daten zur Thrombektomie

Am 29. Oktober ist Weltschlaganfalltag. Eine große Metaanalyse bestätigte nun die Vorteile des Kathetereingriffs bei schwereren und mittelschweren Schlaganfällen. Patienten mit leichtem Apoplex hingegen profitierten nicht.1

Lesedauer: 2 Minuten

Welchen Patienten nutzt die Thrombektomie?

Die endovasale Therapie beim akuten ischämischen Schlaganfall ist mit einem Evidenzgrad 1 belegt. Aber hat die Therapie auch bei allen Patienten Vorteile, beispielsweise auch bei jenen mit nur leichter Symptomatik (NIHSS-Score <6) und bei jenen mit schwerer Symptomatik (ASPECT-Score <6)? Und wie sehen die Therapie-Ergebnisse aus, wenn die Behandlung nicht im „Studien-Setting“, sondern in klinischen „real life“-Alltag durchgeführt wird?

Metaanalyse mit 15 RCTs und 37 Beobachtungsstudien

Diese Fragen beantwortete eine im September publizierte Metaanalyse, in der Studien von 2009 bis 2019 ausgewertet wurden, die die interventionelle Thrombektomie mit der medikamentösen Lyse verglichen hatten. Insgesamt wurden 15 randomisierte-kontrollierte Studien (RCTs, Patientenzahl n=3.694) und 37 Observationsstudien (n=9.090) eingeschlossen.

Die Beobachtungsstudien wurden basierend auf den Bildgebungsdaten der Patienten zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme in drei Gruppen eingeteilt:

  1. milde/leichte Schlaganfälle mit einem NIHSS-Score <6 (MS-Gruppe);
  2. schwere Schlaganfälle mit einem ASPECT-Score <6 oder einer Infarkt-Kernzone ≥50 ml (SS-Gruppe);
  3. alle anderen mittelschweren Schlaganfälle (NS-Gruppe).

Anhand der modifizierten Rankin-Skala (mRS: Ausmaß der Behinderung: Score 0-6, wobei 0=keine Symptome und 6=Tod) wurde das Outcome gemessen, außerdem die 90-Tages-Mortalität und die Rate symptomatischer Hirnblutungen in den ersten 24 Stunden nach Behandlung.

Im klinischen Alltag profitieren nicht alle Patienten vom Eingriff

Im Ergebnis war die Thrombektomie in den randomisierten Studien der Lysebehandlung überlegen (p <0,001 für einen geringeren Behinderungsscore; p=0,033 für Mortalität). Doch in den „real life“-Settings der Observationsstudien profitierten nicht alle Patienten gleichermaßen von dem Eingriff. Dort war die Thrombektomie bei Patienten mit mittelgradigen Schlaganfällen mit einem geringeren Behinderungsausmaß (besseren mRS-Werten; häufiger Score 0-2) und einer niedrigeren Mortalität assoziiert. Allerdings gab es bei diesen Patienten nach dem Eingriff mehr Hirnblutungen.

Bei Patienten mit schweren Hirninfarkten war das invasive Verfahren mit weniger Behinderungen und niedrigerer Mortalität assoziiert, hinsichtlich der Hirnblutungen gab es keinen Unterschied – diese Patienten profitierten also besonders von der Behandlung.

Patienten mit leichten Schlaganfällen hatten hingegen keine Vorteile im Hinblick auf das Ausmaß der Behinderung durch die Thrombektomie, darüber hinaus ging der Eingriff in dieser Gruppe mit einer höheren Mortalität und Hirnblutungs-Rate einher.

Daten stützen keinen Eingriff bei leichten Schlaganfällen

Die Autoren der Studie leiten aus den Ergebnissen ab, dass der Einsatz der endovasalen Thrombektomie bei Patienten mit schweren und mittelschweren Schlaganfällen als Verfahren der ersten Wahl zu werten ist. Anders als die aktuellen Leitlinien unterstützen die Daten der Metaanalyse aber nicht den Einsatz des Verfahrens bei Patienten mit leichten Schlaganfällen (MSG; NIHSS-Score <6). „Wichtig ist also eine kluge Patientenstratifizierung, in die neben der Schwere des Insults auch andere Faktoren eingehen sollten, beispielsweise das mögliche Narkoserisiko bei älteren Menschen“, erklärt Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN.

  1. Weltschlaganfalltag: Je schwerer der Schlaganfall, desto erfolgsversprechender die Thrombektomie; Deutsche Gesellschaft für Neurologie; 27.10.2020.

Bildquelle: © gettyImages/iLexx

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