Waschbecken im Krankenhaus: Brutstätten für gefährliche Superkeime
Wie eine in Frontiers in Microbiology veröffentlichte Studie zeigt, reichen Standard-Prozeduren zur Reinigung nicht aus, um Bakterien – von denen einige potenziell gefährlich sind – vollständig aus den Abflüssen von Waschbecken in Klinken zu entfernen.1
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autorin: Cristina Ferrario
Krankenhäuser seien Biotope für Mikroben, schreiben die Autoren unter der Leitung von Margarita Gomila, Universität der Balearen (Spanien). Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Reinigungsroutinen bzw. große Patientenzahlen würden das komplexe Mikrobiom dieser Einrichtungen beeinflussen – und zur Selektion bestimmter Keime führen. Darunter könnten auch antibiotikaresistente Mikroorganismen sein.
Probennahme aus den Abflüssen von Krankenhäusern
In der Studie konzentrierten sich Gomila und Kollegen auf die Abflüsse von Waschbecken in Krankenhäusern. Über ein Jahr hinweg (Februar 2022 bis Februar 2023) wurden in 5 verschiedenen Krankenhausstationen auf Mallorca insgesamt 4 Probenahmen durchgeführt: Intensivstation (ICU), Hämatologie (H), Kurzzeitaufenthaltseinheit (UCE), Allgemeinmedizin (GM) und Mikrobiologisches Labor (MS). Bei der letzten Probenahme wurde zusätzlich eine neue Intensivstation (ICU_New) einbezogen.
Die Reinigung der Abflüsse folgte standardisierten Protokollen. Während der Abfluss im Mikrobiologielabor regelmäßig mit Bleichmittel gereinigt wurde, wurden die anderen täglich von Reinigungspersonal gesäubert. Zusätzlich wurden Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt: Chemische Desinfektion mit anschließender Dampfreinigung erfolgte alle 15 Tage in Patientenbereichen und monatlich in anderen Bereichen. Zudem wurden die Rohrleitungen einmal jährlich bei niedriger Temperatur hyperchloriert.
Die Probenahmestellen variierten je nach Station. In der ICU und im MS wurden Proben aus häufig genutzten Gemeinschaftsabläufen entnommen, mit Ausnahme eines seltener genutzten ICU-Abflusses in der letzten Probenahme. In den UCE- und GM-Stationen wurden Abflussproben aus regelmäßig belegten Patientenzimmern entnommen, während die Proben aus der Hämatologie von sporadisch belegten Patientenzimmern stammten.
Alle Proben wurden per Massenspektrometrie untersucht. Außerdem sequenzierten Forscher die 16S-ribosomalen RNA von Bakterien. Diese Methode wird oft für die Identifikation und Klassifizierung von Bakterien verwendet. Die Bakteriengattungen waren in den Abteilungen und den unterschiedlichen Zeiträumen ähnlich, wobei Pseudomonas und Stenotrophomonas am häufigsten vorkamen. Die größte Vielfalt wurde auf der Intensivstation und auf Stationen der Allgemeinmedizin beobachtet.
Darüber hinaus ergaben Antibiotika-Empfindlichkeitstests, dass alle untersuchten Isolate – mit Ausnahme eines einzigen – multiresistent waren. Unter den multiresistenten Keimen befanden sich klinisch relevante Spezies wie Klebsiella pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa. Vor allem P. aeruginosa gilt als kritisch; der Keim ist eine mögliche Ursache für beatmungsassoziierte Lungenentzündungen und Sepsis. Die Weltgesundheitsorganisation stuft P. aeruginosa als eine der größten Bedrohungen in Hinblick auf Antibiotikaresistenzen ein.
Auf der Suche nach neuen Strategien
„Zur Kontrolle der bakteriellen Kontamination sind neue Strategien unerlässlich, darunter Antibiotic-Stewardship-Programme, neue Therapien und die kontinuierliche Schulung des Gesundheitspersonals“, schreiben die Autoren. „Politische und regulatorische Maßnahmen sollten die Infektionskontrollpraktiken standardisieren, wobei eine verstärkte Zusammenarbeit und der Austausch von Daten erforderlich sind, um die Patientenergebnisse und die öffentliche Gesundheit zu verbessern.“
Sie sind überzeugt, dass durch die Umsetzung dieser Maßnahmen Gesundheitseinrichtungen die bakterielle Kontamination besser bewältigen und die Häufigkeit nosokomialer Infektionen verringern können.
In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 400.000 bis 600.000 Patienten an nosokominalen Infektionen, wobei die Zahl der Todesfälle auf 10.000 bis 20.000 pro Jahr geschätzt wird. Die Prävalenzrate liegt bei etwa 3,5 % auf Allgemeinstationen und kann auf bis zu 15 % auf Intensivstationen steigen.
Auch in Europa sind die Zahlen alarmierend: Jährlich treten rund 2,6 Millionen Krankenhausinfektionen auf, von denen etwa 91.000 tödlich enden.
Dieser Beitrag ist im Original bei Medscape.com erschienen.

