25. Februar 2021

EKG nach Herzstillstand: Erst nach 8 Minuten ableiten

Setzt nach einem Herzstillstand der Spontankreis wieder ein, gilt es möglichst rasch einen Herzinfarkt als mögliche Ursache auszuschließen bzw. zu behandeln. Italienische Forscher untersuchten in einer retrospektiven Kohortenstudie den richtigen Zeitpunkt für das hierfür erforderliche EKG.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Nach einem Herzstilland außerhalb des Krankenhauses (OHCA für out-of-hospital cardiac arrest) mit Wiedereinsetzen des Spontankreislaufes (ROSC für return of spontaneous circulation), zählt im Krankenhaus die Ableitung eines EKGs zu den einfachsten diagnostischen Erstmaßnahmen. Hier kann erkannt werden, ob ein ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vorliegt, der eine sofortige Koronarangiographie mit koronarer Revaskularisation notwendig machen würde.

Ischämie durch den Herzstillstand kann STEMI vortäuschen

In den entsprechenden Leitlinien wird übereinstimmend die Durchführung eines 12-Kanal-EKGs nach Herzstillstand und ROSC empfohlen, über den besten Zeitpunkt für diese Untersuchung wird aber keine Aussage gemacht. Problematisch ist hierbei, dass im EKG nachgewiesene Ischämien in der Frühphase auch durch den Herzstillstand selbst bedingt sein und somit eine Koronarobstruktion vortäuschen können. Auf der anderen Seite möchte man natürlich auch nicht zulange warten, um das bestmögliche Outcome bei Revaskularisierung verschlossener Koronargefäße zu erreichen.

Aufbau der Studie

Enrico Baldi et al von der University Pavia in Italien haben jetzt im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie (PEACE für Post- ROSC Electrocardiogram After Cardiac Arrest) untersucht, was der günstigste Zeitpunkt für das EKG sein könnte. Dazu werteten sie die Daten von 370 Patienten aus drei Zentren (Pavia, Lugano und Wien) aus, die zwischen 2015 und 2018 nach einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses erfolgreich reanimiert und dann stationär aufgenommen wurden. Das mittlere Alter lag bei 62 Jahren, 77,6 % waren männlich. Einschlusskriterium war ein in der Klinik abgeleitetes EKG und eine Koronarangiographie. Der Zeitpunkt des EKGs wurde in drei Terzile aufgeteilt (Terzil 1: < 7 Minuten; Terzil 2: 8-33 Minuten; Terzil 3: > 33 Minuten), primärer Endpunkt war die Rate an falsch positiven STEMI-Diagnosen.

EKG erst nach mindestens acht Minuten ableiten

Bei 198 der 370 eingeschlossenen Patienten wurde nach dem EKG ein STEMI diagnostiziert. Dabei war die Rate an falsch positiven STEMI-Diagnosen um so höher, je früher nach dem Herzstillstand das EKG abgeleitet wurde. In der 1. Terzile waren es 18,5 %, in der 2. Terzile 7,8 und in der 3. Terzile 5,8 %. Die Unterschiede zwischen den drei Terzilen bestätigten sich auch in zahlreichen Subgruppen mit Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Anzahl der Segmente mit ST-Hebung, Breite des QRS-Komplexes, Herzfrequenz, Epinephringabe oder der Anzahl bei der Reanimation verabreichten Schocks.

Das Fazit des Autoren: Zwischen der Widerbelebung nach einen Herzstillstand und einem ersten EKG sollten mindestens 8 Minuten vergehen, um die Aussagekraft der Untersuchung zu erhöhen. Wird diese Zeitdauer unterschritten, drohen zu viele falsch positive STEMI-Diagnosen, was unnötige Koronarangiographien zur Folge haben könnte.

  1. Baldi E. et al: Association of Timing of Electrocardiogram Acquisition After Return of Spontaneous Circulation With Coronary Angiography Findings in Patients With Out-of-Hospital Cardiac Arrest, JAMA Network Open (2021), DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.32875

Bildquelle: © gettyImages/Yobro10

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