12. Januar 2017

Vermeidung postoperativer Wundinfektionen:

Neue WHO-Empfehlungen im Überblick

Wundinfektionen nach einem operativen Eingriff zählen zu den häufigsten Formen nosokomialer Infektionen. Die WHO hat zu diesem Thema neue Leitlinien herausgegeben. Die Kernaussagen einiger wichtiger Empfehlungen haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Neben bewährten und bekannten Maßnahmen gibt es auch einige neue interessante Ratschläge. Zu den nachdrücklichsten Empfehlungen aus den Leitlinien zählen die folgenden Punkte:

Präoperative Maßnahmen      

  • Haarentfernung: Die WHO empfiehlt, auf eine präoperative Haarentfernung zu verzichten. Falls operationstechnisch unbedingt erforderlich, sollten die Haare mit einer Haarschneidemaschine entfernt werden. Von einer Rasur wird dringend abgeraten.
  • Antibiotika-Prophylaxe: Ist bei dem chirurgischen Eingriff eine Antibiotika-Prophylaxe erforderlich, sollte diese vor dem Eingriff erfolgen. Das Präparat sollten dabei innerhalb von 120 min vor dem Eingriff verabreicht werden, unter Berücksichtigung der Halbwertszeit des Antibiotikums.
  • Dekolonisation: Zu den neuen Empfehlungen zählt die Dekolonisation mit Mupirocin 2%-Nasensalbe bei einer bekannten nasalen Besiedlung mit Staphylococcus aureus (mit oder ohne Chlorhexidin-Waschung). Die Maßnahme ist vor allem bei Patienten sinnvoll, die vor einem orthopädischen oder kardiothorakalen Eingriff stehen.
  • Kolorektale Chirurgie: Vor einem kolorektalen Chirurgie-Eingriff bei erwachsenen Patienten sollte eine alleinige Darmreinigung ohne die Gabe oraler Antibiotika nicht durchgeführt werden. Die WHO spricht sich für die Kombination aus Darmreinigung und Verabreichung von Antibiotika aus.
  • Hautdesinfektion: Zur Vorbereitung des zu operierenden Hautbereichs wird die Verwendung alkoholbasierter sowie Chlorhexidin-haltiger antiseptischer Lösungen empfohlen.
  • Chirurgische Händedesinfektion: Die chirurgische Händedesinfektion vor dem Anziehen steriler OP-Handschuhe sollte entweder durch Waschen mit einer antimikrobiellen Seife und Wasser erfolgen oder durch die Verwendung eines Handdesinfektionsmittels auf Alkoholbasis.

Intra- und postoperative Maßnahmen

  • Oxygenierung: Bei Patienten, die in Intubationsnarkose operiert werden, ist eine gute Oxygenierung wichtig. Die neue Leitlinie empfiehlt die intraoperative Versorgung mit 80% Sauerstoff und falls möglich auch in der postoperativen Phase für 2-6 Stunden.
  • Antibiotika-Prophylaxe: Die WHO spricht sich in ihren Empfehlungen gegen die prolongierte Durchführung der perioperativen Antibiotika-Prophylaxe aus.

Insgesamt wurden 29 Empfehlungen zu 26 Themen zusammengestellt. Die neuen Leitlinien haben weltweite Gültigkeit, können aber an lokale Gegebenheiten angepasst werden. Die ausführliche Version der WHO-Leitlinien kann unter diesem Link abgerufen werden.

1. Global Guidelines for the Prevention of Surgical Site Infection, WHO (November 2016): http://www.who.int/gpsc/ssi-prevention-guidelines/en/

Bildquelle: iStock

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