10. Januar 2019

Ärztliche Arbeitsbedingungen in der Klinik

Endlich Licht am Ende des Tunnels?

Ärzte kämpfen im Krankenhaus täglich um Menschenleben. Die Umstände, unter denen sie arbeiten sind dabei aber häufig eher ein Hindernis. Kann eine Auszeichnung für mitarbeiterorientierte Abteilungen Besserung bringen?

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten durch Daniela Lojko, Mitglied im Kernteam von Treatfair und Ärztin am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. Redaktion: Christoph Renninger

Damit kämpfen Ärzte im Klinikalltag

Bereits 2005 hat das „Royal College of Physicians and Surgeons of Canada“ den Wandel der Anforderungen an Krankenhausärzte erkannt und die ärztliche Rolle neu definiert: Medizinisches Wissen alleine ist für Ärzte nicht mehr ausreichend. Sie sollen als Kommunikator und Teamplayer sowie als (Stations-)Manager agieren. Zugleich sollen sie Fürsprecher der Patienten sein, sich lebenslang fortbilden und immer ethisch korrekt und professionell handeln.1

Doch wie soll das unter den aktuellen Bedingungen funktionieren? In der Klinik warten zunehmend arztferne Tätigkeiten und Dokumentationsaufgaben auf Ärzte. Patienten- und Angehörigengespräche werden aufwendiger, u.a. weil teils widersprüchliche Informationen von „Dr. Google“ langwierig korrigiert werden müssen.

Trotz immensen Zeitdrucks müssen Ärzte ethisch korrekt handeln und Entscheidungen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen begründen können. Kommt noch zusätzliche Arbeit durch offengebliebene Stellen und Krankmeldungen hinzu, ist es kaum möglich, ein guter Arzt zu sein, der auch noch den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Viele Ärzte spüren durch die Ökonomisierung eine Arbeitsverdichtung und einen zunehmenden Druck mit dem erklärten Ziel der Liegezeitenverkürzung und Fallzahlsteigerung.

Wie werden Klinikärzte glücklich?

Eine anhaltende Unzufriedenheit unter der Ärzteschaft ist die Folge. Doch was würde Ärzte wieder zufriedener machen? Die meisten Ärzte wünschen sich mehr Wertschätzung, Fairness und Transparenz am Arbeitsplatz, was mit einer transparenten Urlaubs- und Dienstplangestaltung beginnt. Es sollten die starren (sozialen) Hierarchien aufgebrochen werden, um ein gleichberechtigtes Arbeiten auf sozialer Augenhöhe zu ermöglichen.2

Zudem sollte den hohen moralischen und ethischen Ansprüchen der Ärzte mehr Anerkennung geschenkt werden. Das Gefühl dem Patienten die beste Medizin zu ermöglichen, basierend auf Leitlinie und Evidenz, unter menschenwürdigen Bedingungen, führt zu Zufriedenheit. Unterstützung bei der Weiterbildung – sei es durch Bezuschussung oder Einräumen der zeitlichen Ressourcen- wird dankbar wahrgenommen.

Eine der größten Herausforderungen besteht in einer Arbeitszeitgestaltung, die ein Leben abseits des Krankenhauses mit Familie und Hobbies ermöglicht.Überstunden, Wochenend- und Nachtarbeit führen zu deutlich mehr Unzufriedenheit, insbesondere wenn Ärzte das Gefühl bekommen, dass reguläre Arbeitstätigkeiten auf außerhalb der „normalen“ Arbeitszeiten geschoben werden, beispielsweise um die Verweildauer weiter zu senken.

Auszeichnung für mitarbeiterorientierte Krankenhäuser als Lösungsansatz?

Der Forderung besserer Arbeitsbedingungen hat nun die Ärzte-Initiative Treatfair ein Gesicht gegeben und eine Auszeichnung für mitarbeiterorientierte Abteilungen entwickelt. Anhand einer Mitarbeiterumfrage, Abteilungsunterlagen und Audit wird ausführlich geprüft und bewertet, was den Ärzten wichtig ist (u.a. Zeit für Patienten, Weiterbildung, Fairness und Arbeitszeitgestaltung). Bei fairen Arbeitsbedingungen und hoher Mitarbeiterzufriedenheit vergeben sie das Treatfair-Zertifikat.

Den Krankenhäusern wird erstmals ein Wettbewerbsvorteil durch eine hohe Mitarbeiterorientierung in Aussicht gestellt, weil das Treatfair-Zertifikat zu einer höheren Bewerberanzahl und -qualität führen kann – und das in Zeiten des Fachkräftemangels.

Zusätzlich hat das Treatfair-Team ein Ranking für 2019 angekündigt, in dem die Top 100 Krankenhausabteilungen mit der höchsten Mitarbeiterzufriedenheit aufgelistet sein werden. Ermittelt werden diese Abteilungen in einer bis Ende Januar geschalteten Umfrage, in der Klinikärzte dazu aufgerufen sind, ihre aktuelle Zufriedenheit mitzuteilen.

Treatfair ist davon überzeugt, dass es im deutschen Krankenhauswesen noch viel ungenutztes Potenzial gibt, welches sich durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen schöpfen lässt. Durch das Treatfair-Konzept soll ein Mehrwert für Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, aber auch für Patientinnen und Patienten sowie die Gesellschaft geschaffen werden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

  1. The CanMEDS 2005 Physician Competency Framework. Royal College of Physicians and Surgeons of Canada.
  2. Buxel H. Arbeitsplatzbedingungen und –zufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten in Krankenhäusern: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. Münster 2012

Bildquellen: © istock.com/Cecilie_Arcurs
© Treatfair GmbH

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