01. Dezember 2021

Klinikärzte

Teilzeitarbeit verschlechert Patientenoutcome

Immer häufiger entscheiden sich Ärztinnen und Ärzte für eine Teilzeitstelle in der Klinik – ein Trend, der sich negativ auf die Gesundheit der Patienten auswirken könnte, wie eine kürzlich in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Studie nahe legt. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Ob Forschung, Verwaltungsarbeit, familiäre Verpflichtungen oder drohendes Burnout – die Gründe, warum Ärztinnen und Ärzte ihre klinische Arbeit reduzieren, sind vielfältig, schreiben Hirotaka Kato und Kollegen von der Universität von Kalifornien und der Keio Universität Yokohama in Japan. 1  

Unklar sei jedoch bislang, ob und wie sich die Teilzeitarbeit auf die Qualität der Patientenversorgung und damit auch auf die Sterberate auswirkt. Um sich dieser Frage zu nähern, führten die Forschenden eine Querschnittsstudie durch.

Das Studiendesign

Hierfür nutzten sie Daten von 3902 797 Medicare-Versicherten ab einem Alter von 65 Jahren, die von 2011 bis 2016 in den USA aufgrund eines medizinischen Notfalls ins Krankenhaus eingeliefert und von einem Klinikarzt oder einer Klinikärztin behandelt wurden.

Die insgesamt 19.170 behandelnden Ärzte (n=11.688, 61 %) und Ärztinnen (n=7482, 39 %) waren im Mittel 41 Jahre alt und wurden je nach Anzahl ihrer klinischen Arbeitstage in 4 Gruppen unterteilt:

  • Gruppe 1 arbeitete im Mittel rund 58 Tage
  • Gruppe 2 arbeitete rund 99 Tage
  • Gruppe 3 arbeitete rund 131 Tage
  • Gruppe 4 arbeitete rund 163 Tage (entspricht etwa einer Vollzeitstelle)

Schließlich verglichen die Forschende die jährliche Anzahl der klinischen Arbeitstage der Klinikärzte mit der 30-Tage-Mortalität ihrer Patientinnen und Patienten (primärer Endpunkt) und der Rehospitalisierungsrate innerhalb von 30 Tagen (sekundärer Endpunkt).

Höchste Patientenmortalität bei reduzierter Arbeitszeit der Ärzte

Patienten, deren Ärztinnen und Ärzte die wenigste Zeit in der Klinik verbrachten, wiesen die höchste durchschnittliche 30-Tage-Mortalität auf. Die Raten lagen bei 10,5 % (Gruppe 1), 10,0 % (Gruppe 2), 9,5 % (Gruppe 3) und 9, 6 % (Gruppe 4).

Allerdings zeigten sich keine arbeitszeitabhängen Unterschiede in Bezug auf die 30-Tage-Rehospitalisierungrate.

5 mögliche Gründe

Für das schlechtere Abschneiden der Teilzeit-Ärzte in dieser Studie sind laut Autoren-Team folgende Gründe denkbar:

  1. Für Ärztinnen und Ärzte mit begrenzter klinischer Arbeitszeit könne es schwierig sein, mit den neuesten medizinischen Erkenntnissen und aktuellen Handlungsempfehlungen Schritt zu halten.
  2. Da sie aufgrund der Teilzeit weniger Kontakt mit Patientinnen und Patienten haben, büßen sie womöglich an klinischen Fertigkeiten ein.
  3. Sie sind weniger vertraut mit Krankenschwestern und -pflegern im Vergleich zu ihrer vollzeitbeschäftigten Kollegschaft. Dies könne sich negativ auf die Teamarbeit und die Gesundheit der Patienten auswirken.
  4. Nicht auszuschließen sei auch, dass sich Mediziner mit geringeren klinischen Kenntnissen oder Fähigkeiten eher für eine Teilzeittätigkeit entscheiden.
  5. Auch müssten viele in Teilzeit arbeitende Ärztinnen und Ärzte klinische und nicht-klinische Verpflichtungen unter einen Hut bringen.

Da der Trend zur Teilzeit weiter anhält, könne es notwendig sein, dass Kliniken Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit besser unterstützen, damit diese ihre klinische Leistung trotz reduzierter Arbeitszeit aufrecht erhalten können.

Kommentar

Prof. Dr. James Goodwin, University of Texas, zieht in einem Kommentar Parallelen zu Adam Smiths Prinzip der Spezialisierung, ergänzt die Medical Tribune 2: Je stärker sich ein Arbeiter auf eine Aufgabe konzentriert, desto mehr steigen Effizienz und Qualität seiner Arbeit. Ein Arzt, der sich gleichzeitig auch noch mit Forschung und Lehre beschäftigt, wird nie so spezialisiert sein wie jemand, der 90 % seiner Zeit der Patientenversorgung widmet, so die Hypothese.

Dass die Studie keine arbeitszeitspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Wiedereinweisungsrate innerhalb von 30 Tagen erkennen lasse, sei erstaunlich, so Goodwin weiter. Denn diese Kennzahl sollte eher Auskunft über die Versorgungsqualität eines Krankenhauses geben als die Mortalität.

  1. Kato H, Jena AB, Figueroa JF, Tsugawa Y. Association Between Physician Part-time Clinical Work and Patient Outcomes.JAMA Intern Med. 2021;181(11):1461–1469. doi:10.1001/jamainternmed.2021.5247
  2. Medical Tribune, 28.10.2021: Teilzeitarbeit von Ärzten wirkt sich wohl negativ auf die Patienten aus

Bild: © GettyImages/Dilok Klaisataporn

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