23. Oktober 2020

Schweizer Klinikärzte: Hoher administrativer Aufwand

Laut einer aktuellen Befragung sind Klinikärzte in der Schweiz grundsätzlich zufrieden mit ihrer Arbeit. Trotz des positiven Resultats zeigen sich immer mehr Kollegen besorgt über die zunehmende Belastung durch administrative Aufgaben. Bonuszahlungen verlieren bei der Ärzteschaft an Bedeutung.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Umfrage unter 1572 Schweizer Klinikärzten

Die Verbindung der Schweizer Ärtzinnen und Ärzte (FMH) gibt seit 2011 jährlich eine Befragung ihrer Klinikärzte bei der gfs.bern in Auftag. 1572 Ärzte haben an der diesjährigen repräsentativen Umfrage über ihre Arbeit in den Kliniken, welche zwischen Juni und Juli 2019 durchgeführt wurde, teilgenommen. Klinikärzte sowie praxisambulant tätige Ärzte sind nach wie vor zufrieden mit ihrer Tätigkeit. Im Vergleich zu den Resultaten von 2011 zeigt sich aber klar, dass der administrative Aufwand sukzessive wächst und die Ärzteschaft zusehends belastet.

Nur noch 34% der Arbeit mit Patienten

Patientennahe Arbeiten machen im Durchschnitt bei den Klinikärztinnen und -ärzten der Akutsomatik nur noch 34% der ausgeführten Arbeiten aus. Mit 20 Prozent des täglichen Zeitaufwands folgen Dokumentationsarbeiten rund um das Patientendossier bereits auf Platz zwei. So belief sich bei der ersten Umfrage von 2011 der Zeitaufwand für Dokumentationsarbeiten bei Ärzten der Akutsomatik auf durchschnittlich 86 Minuten pro Tag. 2019 waren es bereits 119 Minuten, die für Dokumentationen aufgewendet wurden. In der Rehabilitation tätige Ärztinnen und Ärzte benötigen mit 118 Minuten pro Tag dafür ähnlich viel Zeit.

Grundzufriedenheit dennoch gegeben

Die stärkste Belastung lastet auf den Assistenzärzten. Sie befassen sich täglich 167 Minuten mit administrativer Arbeit. Dieser stetig steigende Aufwand dürfte denn auch mit ein Grundsein, dass die Arbeitszufriedenheit in den letzten neun Jahren gesunken ist. Nach wie vor bestätigt jedoch 80% der Ärzteschaft der Akutsomatik und der Psychiatrie sowie 70% in der Rehabilitation, dass sie mit ihrer Arbeit sehr oder eher zufrieden sind. Sogar 90% beurteilt ihre Tätigkeit als interessant. Der Anteil an Ärzten, die zielbezogene Bonuszahlungen erhalten, hat in den letzten Jahren stetig abgenommen.

Ärzteschaft ist offen für Neuerungen und Reformen

Die Klinikärzte zeigen sich zudem offen für Veränderungen und Reformen, was sich zum Beispiel bei der mehrheitlichen Akzeptanz der Einführung von Mindestfallzahlen oder der vom Bundesamt für Gesundheit eingeführten Liste ,,Ambulant vor Stationär” zeigt. Wie die Klinikleitungen jedoch mit solchen Veränderungen umgehen, wird zunehmend kritisch beurteilt.

Mehr Zeit für Patienten schaffen

Eine Mehrheit der Ärzteschaft leidet konstant unter Leistungs- und Zeitdruck. In der Akutsomatik geben 80% der Kollegen an, dass dies sehr oder eher zutrifft. Und mit 60% 2019 gegenüber 40% 2012 ist auch die Zunahme an Ärzten, die meistens oder häufig unter Stress leiden, deutlich. Genügend Zeit für Patienten zu haben, wäre nicht nur für das Patientenwohl wichtig, sondern auch für die Arbeitszufriedenheit der Ärzte.

  1. Spitalärzten macht der Administrativaufwand Sorgen; FMH; 21.10.2020.

Bildquelle: © gettyImages/ PRUDENCIOALVAREZ

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