20. Juli 2015

Totvolumina bei Kurzinfusionen:

So vermeiden Sie den “vergessenen Rest”

Laut BfArM kommt durch Fehler bei Kurzinfusio­nen häu­fig zu wenig Wirkstoff beim Patien­ten an. Gemäß einer Studie entsorgt rund die Hälfte des Pflegepersonals routinemäßig den im Tot­volu­men verbliebenen Wirk­stoff zusammen mit Beu­tel und Schläuchen. Erfahren Sie hier die häu­figs­ten Fehler und wie Sie diese vermeiden.

Der tote Rest – So kommt es zum Wirkstoffverlust

Bei Kurzinfusionen werden relativ kleine Volumina (50 bis 200 ml) innerhalb eines kurzen Zeitraumes (10 bis 60 Minuten) infundiert. Das physikalisch bedingt immer verbleibende Totvolumen an Wirkstoff fällt umso stärker ins Gewicht, je geringer das Infusionsvolumen ist. Mehrere Studien belegen, dass abhängig vom Hersteller und vom verwendeten Infusionsbesteck 30 bis 40 Prozent des Wirkstoffes bei 50 ml Infusionen im Applikationssystem verbleiben. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Institus kann ab einem Wirkstoffverlust von fünf bis zehn Prozent die Wirksamkeit des Arzneimittels eingeschränkt sein.Das Ausmaß des Totvolumens ist vor allem abhängig von

  • der Art des verwendeten Infusionssystems,
  • dem Durchmesser und der Länge des Infusionsschlauchs,
  • der Verwendung von Verteilern (Y-Stücken),
  • der Konzentration des Wirkstoffes.
Bei der Schwerkraftinfusion ist nachteilig, dass das Totvolumen jeweils sehr variabel sein kann. Es ist abhängig vom venösen Druck des Patienten, der Höhen­differenz zwischen Patient und dem Infusionsbehältnis, der Schlauchlänge, dem Schlauchlumen und anderen Parametern. Perfusorsysteme haben durch die Verwendung dünner Schläuche ein geringes Totvolumen, das jedoch durch den Einsatz von Y-Stücken ansteigt.Moderne volumetrische Infusionspumpen (Infusomaten) stoppen die Infusion, sobald der Tropfenzähler leergelaufen ist. Das Totvolumen setzt sich hier aus dem im Beutel verbleibenden Rest und dem Volumen der Infusionsleitung und möglicher Zwischenstücke zusammen. Der Vorteil ist hierbei jedoch, dass die Hersteller der Systeme exakte Anweisungen geben, wie das jeweilige System zu spülen ist. Diese ersetzten dann eventuell fehlende Handlungsanweisungen der Arzneimittelhersteller zum Nachspülen.

Das Totvolumen kann den Therapieerfolg negativ beeinflussen

Besonders signifikant ist das Totvolumen bei Zytostatika und Arzneimitteln mit geringer therapeutischer Breite wie Gentamycin und Vancomycin. Durch die subtherapeutische Verabreichung von Arzneimitteln bleibt nicht nur der Therapieerfolg aus, sondern auch die Vermehrung Antibiotika-resistenter Bakterienstämme wird durch den Wirkstoffverlust begünstigt.

So verringern Sie den Wirkstoffverlust

Einheitliche Richtlinien zur Handhabung von Kurzinfusionen fehlen in vielen Kliniken und Praxen. Generell empfehlen sich die Verwendung von Infusionssystemen mit geringem Totvolumen und das Nachspülen des Systems. Aber Achtung: Die Erhöhung des Infusionsvolumens zur Verdünnung des Wirkstoffes ist nicht immer angebracht. Die resultierende erhöhte Volumenbelastung kann bei pädiatrischen und schwer kranken Patienten zu Komplikationen führen.Zum Schutz des Personals vor potentiell gefährlichen Substanzen wie Zytostatika sollten Piggyback-Infusionen (=Sekundärinfusion) verwenden werden. Hier wird die im Piggyback enthaltene Spüllösung oberhalb der Pumpe über ein Y-Stück an die Wirkstoffinfusion (=Primärinfusion) angeschlossen. Es ist zu beachten, dass die Spülinfusion höher als die Arzneimittel-Infusion hängen muss.

Darauf müssen Sie beim Nachspülen der Infusionssysteme unbedingt achten:

  • Kompatibilität von Arzneimittel und der Spülflüssigkeit
  • Ausreichendes Spülvolumen (1,0- bis 1,3-fache des Totvolumens des Infusionsbestecks)
  • Flussrate bei Gabe der Spüllösung nicht ehöhen, damit der Patient den Wirkstoffrest nicht als Bolus erhält
  • Niemals das Restvolumen unsachgemäß mit der nächten Wirkstofflösung infundieren.
Diverse Studien belegen, dass die Bedeutung des Totvolumens insbesondere dem Pflegepersonal, aber auch Ärzten nicht durchgängig bekannt ist. Helfen auch Sie durch Weitergabe dieser Informationen ans Pflegepersonal mit, dass Ihre Patienten die gesamte Wirkstoffmenge erhalten, damit die Therapie erfolgreich umgesetzt wird.

  1. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Juni 2015: Der vergessene Rest – Totvolumina bei Kurzinfusionen

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