16. Mai 2021

„Stückwerk“ statt Reform der Notfallversorgung

Der Deutsche Ärztetag hat ein schlüssiges Gesamtkonzept für die sektorenübergreifende Kooperation in der Akut- und Notfallversorgung gefordert. Nun übt die Bundesärztekammer in einer Pressemitteilung harsche Kritik. 1

Lesedauer: 1 Minute

Redaktion: Ute Eppinger

In der laufenden Wahlperiode habe der Gesetzgeber „dringend erforderliche gesetzliche Neuregelungen versäumt“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Ärzteparlament bezeichnet die Pläne des Gesetzgebers, statt einer umfassenden Reform der Notfallversorgung zunächst eine zusätzliche verpflichtende, standardisierte Ersteinschätzung einzuführen, als „Stückwerk“.

Ärztetag lehnt Ersteinschätzung per Software-Algorithmus ab

Der Plan ist, über eine standardisierte Ersteinschätzung Patienten, die eine Krankenhaus-Notaufnahme oder eine Rettungsstelle aufsuchen, ohne ärztliche Abklärung ausschließlich mittels eines Software-Algorithmus weiterzuleiten. Der G BA soll die Vorgaben und Qualitätsvorgaben für ein solches Verfahren aufstellen. So steht es im Entwurf des Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (GVWG). In seinem Beschluss lehnt der Ärztetag nun eine solche Regelung ab.

„Patientinnen und Patienten kommen mit der Erwartung in die Notaufnahme, dass sie ärztliche Hilfe erhalten. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass ihre individuellen Beschwerden ärztlich bewertet werden und die Patientensicherheit im Vordergrund steht“, stellt das Ärzteparlament klar. Unklar bleibe zudem, wie mit Patienten verfahren werden soll, die in der Software-gestützten Ersteinschätzung zunächst der vertragsärztlichen Versorgungsebene zugeteilt werden, später dann aber doch in der stationären Notaufnahme behandelt werden müssen, weil der klinische Blick des Arztes dem Software-Algorithmus widerspreche.

Stellenabbau gefährdet Patientensicherheit

In einem weiteren Beschluss wertet der Ärztetag den Abbau von Arztstellen – etwa durch die Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverhältnisse, den Verzicht auf Nachbesetzungen und Probezeit-Kündigungen – als „verheerendes Signal für die Gesundheitsversorgung“.

Das Ärzteparlament stellte klar, dass eine gute Patientenversorgung nur mit genügend Personal zu erreichen sei, der Stellenabbau hingegen verdichte die Arbeit der verbleibenden Ärzte noch weiter und gefährde die Patientensicherheit.

Dieser Beitrag ist im Original auf medscape erschienen.

  1. Bundesärztekammer: Pressemitteilung, 5. Mai 2021

Bildquelle: © gettyImages/sturti

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