16. April 2020

So wirkt sich Patiententod auf die behandelnden Chirurgen aus

Die meisten Chirurginnen und Chirurgen werden irgendwann in ihrem Leben mit dem Tod eines Patienten konfrontiert. Wie gehen sie damit um und welche Folgen hat das für sie? In einer systematischen Literaturrecherche suchten Schweizer Wissenschaftler nach Antworten.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Review von G.‐R. Joliat  N. Demartines  E. Uldry, das im British Journal of Surgery (BJS) veröffentlicht wurde. 1,2

Insgesamt über 600 Publikationen gesichtet

Von über 600 gesichteten Publikationen konnten sieben in die Analyse eingezogen werden, von denen zwei persönliche Meinungen der Autoren enthielten und fünf auf Interviews und Umfragen beruhten. Die beiden persönlichen Meinungen unterstreichen die Bedeutung der ganzheitlichen und palliativmedizinischen Betreuung in der Chirurgie und beklagen eine unzureichende Weiterbildung in diesem Bereich.

Viele vermissen Unterstützung von übergeordneten Strukturen

In den Interviews stellte sich heraus, dass ein plötzlicher, unerwarteter Patiententod den Chirurgen deutlich mehr belastet als das Versterben chronisch kranker Patienten – das galt insbesondere für chirurgische Komplikationen, die zu Behinderungen oder Tod führen. Als Bewältigungsstrategien wurden das Vermitteln von Hoffnung bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, ein gemischtes chirurgisches Betätigungsfeld sowie eine angemessene Balance zwischen Objektivität und emotionaler Bindung genannt. Oft vermissten die Befragten eine entsprechende Unterstützung von übergeordneten Strukturen.

Risikofaktoren: > 15 Operationen monatlich & unter 4 Ruhestunden pro Tag

In einer der beiden Umfragen gaben 12 % von 144 Weiterbildungsassistenten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) nach einem Patiententod an. In der anderen wiesen 40 % von 453 teilnehmenden Chirurginnen und Chirurgen nach dem Tod eines Pateinten einzelne Symptome eines PTSD auf, 15 % erfüllten die diagnostischen Kriterien für das Vollbild. Risikofaktoren waren hier männliches Geschlecht, > 15 Operationen pro Monat und weniger als 4 Ruhestunden pro Tag.

Offener Umgang mit der Problematik wichtig

Unter dem Strich könnten Stress und negative Effekte bei Konfrontation mit dem Tod eines Patienten zu einem Verlust an Selbstvertrauen, Zunahme konservativer Behandlungen und ängstlichem operativen Vorgehen führen, schreiben die Autoren. Mit Schulungen, psychologischer Betreuung und einem offenen Umgang mit der Problematik sollte man hier entgegenwirken.

  1. Joliat G-R et al; Systematic Review of the impact of patient death on surgeons; Br J Surg (2019): 106(11):1429-1432. doi: 10.1002/bjs.11264
  2. S. Wolf et al; Auswirkungen des Patiententodes auf den behandelnden Chirurgen; Der Chirurg (2019) DOI: https://doi.org.10.1007/s00104-019-01041-5

Bildquelle: © GettyImages/KatarzynaBialasiewicz

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