29. Januar 2019

Opportunistische Infektionen: Neues zu 5 Erregern

Bei immungeschwächten Patienten besteht immer die Gefahr von opportunistischen Infektionen, die bei gesunden Menschen zu keiner Erkrankung führen. Erfahren Sie hier aktuelle Therapieempfehlungen zu fünf häufigen Erregern.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Pneumocystis jiroveci: Auch noch nach Jahrzehnten

Pneumocystis jiroveci (Silberfärbung nach Grocott)

Die Pneumocystispneumonie (PcP) ist in Deutschland die häufigste AIDS-definierende opportunistische Infektion. Allerdings tritt sie zunehmend auch bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen, nach Organtransplantationen oder bei Autoimmunkrankheiten auf.

Zur Prophylaxe und Therapie ist die Kombination Trimethoprim und Sulfamethoxazol das Mittel der Wahl. Die Behandlungsdosis liegt bei 12-16 Ampullen (480 mg) am Tag. Alternativen bei Unverträglichkeiten oder Therapieversagen sind Pentamidin (parenteral) und Clindamycin mit Primaquin.

Cave! Bei nicht HIV-assoziierter Immunsuppression kann eine PcP erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten auftreten, was eine langfristige Prophylaxe notwendig macht.

Zerebrale Toxoplasmose: Neue Behandlungsalternative

Toxoplasma gondii

Die Kombination aus Pyrimethamin und Sulfadiazin (oral) bleibt die Therapie der Wahl bei einer zerebralen Toxoplasmose. In den aktuellen Leitlinien empfohlene Alternative stellt die parenterale Behandlung mit Trimethoprim plus Sulfamethoxazol dar.

Bei Patienten mit <200/µl CD4-T-Helferzellen gilt die Prophylaxe mit Trimethoprim und Sulfamethoxazol als indiziert und effektiv. Die Dosis sollte bei 960 mg/Tag liegen, um eine zerebrale Toxoplasmose zu verhindern.

Tuberkulose: Keine intermittierende Behandlung

Mycobacterium tuberculosis

Bei HIV-Infektionen oder anderen schweren Immundefekten ist es wichtig, bei der Tuberkulosebehandlung kein intermittierendes Therapieschema zu wählen (tägliche Medikamentengabe, nicht 2 oder 3 Mal wöchentlich). Ansonsten gelten die gleichen Therapieempfehlungen wie für Patienten mit intaktem Immunsystem.

Bei einer latenten Tuberkulose (positiver Tuberkulin-Hauttest oder Bluttest auf Gamma-Interferone) lauten die aktuelle Empfehlungen:

  • 9 Monate Isoniazid oder
  • 4 Monate Rifampicin oder
  • 4 Monate Rifabutin.

Varizella zoster: In schweren Fällen intravenöse Therapie

Herpes zoster nach Infektion mit Varizella-Zoster-Viren

Bei kompliziertem multisegementalem oder auch fazialem Herpes Zoster sollte frühest möglich eine systemische Therapie mit intravenösem Aciclovir (3 × 10-15 mg/kg Körpergewicht täglich, über 10-14 Tage) begonnen werden.

Kommt es zu einer raschen Verbesserung, kann auf eine orale Therapie umgestellt werden. Hierbei bevorzugt die Leitlinie eine Therapie mit Valacicloivr (3 × 1000 mg/täglich) oder Famciclovir (3 × 500 mg/täglich) gegenüber Aciclovir (5 × 800 mg/täglich).

Cytomegalie-Virus: Als sekundäre Infektion bedenken

Cytomegalievirus (Elektronenmikroskopische Aufnahme)
Cytomegalievirus (Elektronenmikroskopische Aufnahme)

Bei HIV-Patienten, die bereits unter einer PcP leiden, ist eine sekundäre Pneumonie durch das Cytomegalie-Virus (CMV) ein häufiges Problem. Aber auch PcP-Patienten, die nicht mit dem HI-Virus infiziert sind, können betroffen sein. Sollte sich das klinische Bild trotz Behandlung nicht bessern oder gar verschlechtern, sollte an eine CMV-Pneumonie gedacht werden.

Die Diagnose erfolgt durch den Virusnachweis in der broncho-alveolären Lavage. Therapie der ersten Wahl ist die Gabe von Ganciclovir (i.v.) über mehrere Wochen. Als effektiv in der Prophylaxe hat sich das Virostatikum Letermovir erwiesen.

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  1. Boeseke C et al. Opportunistische Infektionen: Was gibt es Neues? Dtsch Med Wochenschr 2018; 143: 1755-1758.

Bildquellen: © istock.com/KatarzynaBialasiewicz
CDC/ Francis W. Chandler, DVM, PhD
CDC/ Dr. Green
National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)
CDC/ Dr. K.L. Hermann
CDC/ Sylvia Whitfield

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