07. Oktober 2020

Notfall des Monats

Somnolenter 20-Jähriger: Das ist die Ursache

Nachdem ein 20-Jähriger somnolent aufgefunden wurde, erfolgt der Transport in die Klinik. Dort stellen die Ärzte schließlich die Diagnose.

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Behandlung auf der Intensivstation

Der Patient wird in die neurologische Abteilung einer nahegelegenen Klinik transportiert. Keine nennenswerte Zustandsänderung des Patienten während des Transports. Die Bewußtseinslage des Patienten bleibt weiterhin somnolent, bei stabilen Kreislaufparametern. Der Patient wird auf die Intensivstation der Klinik gebracht.

Im Laufe der ersten Stunde nach stationärer Aufnahme (gerade zu Beginn der weitergehenden apparativen Diagnostik => Schädel-CT ) trübt der Patient plötzlich weiter ein und wird intubationspflichtig. Eine Pupillendifferenz ist nicht feststellbar. Das noch zu Ende geführte Schädel-CT ergibt eine intrazerebrale Blutung mit zunehmender raumfordernder Ausbreitung.

Unverzügliche Operation

Der Patient wird notfallmäßig in eine neurochirurgische Abteilung weiterverlegt und dort unverzüglich operativ druckentlastet.

Die Neurochirurgen sprechen von einer atypischen intrazerebralen Blutung. Nach mehrtägiger kontrollierter Beatmungsphase auf der neurochirurgischen Intensivstation kann der Patient von der Beatmung entwöhnt werden. Er reagiert anfänglich leicht verlangsamt.

Die zerebrale Funktion und Vigilanz bessert sich jedoch an Folgetagen erkennbar. Als Folgezustand der intrazerebralen Blutung wird (zusätzlich zur noch verlangsamten Hirnleistung ) eine Hemianopsie und ein linksseitiger Neglect festgestellt.

Erhebliche Zustandsverbesserung in den folgenden Monaten

Der Patient wird nach 2-wöchiger neurochirurgischer Klinikbehandlung in eine neurochirurgische Anschluß-Rehabilitationsmaßnahme entlassen. Hier kann im Verlauf einer 2-monatigen Therapiephase eine erhebliche Zustandverbesserung erreicht werden.

Die primär dokumentierte Hirnleistungsminderung klingt weitestgehend ab. Auch der linksseitige Neglect ist zum Ende der Rehabilitationsmaßnahme kaum mehr nachweisbar. Nur die Hemianopsie besteht weiterhin.

Ein Kontroll-Schädel-CT, das zum Ende der Rehabilitations-Maßnahme angefertigt wird, ergibt nun Hinweise auf eine mögliche intrazerebrale Infarktzone mit sekundärer Einblutung in diesen Ischämiebezirk.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Fall des Monats Januar 2018. Dr. Gerrit Müntefering, AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/

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