07. Oktober 2020

Notfall des Monats

Somnolenter 20-Jähriger liegt in seinem Zimmer

Ein Mann wählt den Notruf, nachdem er seinen 20-jährigen Sohn bewusstlos in dessen Zimmer aufgefunden hat. Weniger Minuten später trifft das Einsatzteam am Haus der Familie ein.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Situation vor Ort

Ein ca. 50-jähriger Mann öffnet die Haustür und berichtet, seinen 20-jährigen Sohn nicht ansprechbar in seinem Zimmer vorgefunden zu haben. Der Zugang zum Zimmer war durch den jungen Mann, der im Türöffnungsradius lag, erschwert gewesen.

Der Vater hatte mit seinem Sohn zuletzt 2 Stunden vor der aktuellen Notfallsituation gesprochen, ohne erinnerliche Auffälligkeiten.

Erstbefund

Der 20-jährige Patient wird auf dem Rücken liegend aufgefunden. Keine verdrehte Körperhaltung. In der näheren Umgebung des liegenden Jugendlichen befinden sich keine hervorstehenden oder kantigen Einrichtungsgegenstände. Der Mann ist somnolent, reagiert aber auf laute Ansprache mit kurzzeitigem Augenöffnen. Antworten des Patienten sind nur auf wiederholtes lautes Anfragen des Notarztes zu erhalten. Die Antworten des Patienten sind dabei verspätet, einsilbig („Ja“) und nicht adäquat zur Frage.

Die Pupillenkontrolle ist erschwert möglich, da der Patient die Augen zukneift. Die Pupillen sind mittelweit. Eine Pupillendifferenz besteht nicht, Lichtreaktion prompt. Kein Blick zur positionierten Untersuchungslampe oder zum laut sprechenden Untersucher, keine einseitig dominierende Blickrichtung. Es besteht allerdings ein angedeuteter Pendelnystagmus.

Kreislaufparameter und Atmung unauffällig.

  • RR: 120/70 mmHg.
  • Puls 80 /Min. 
  • Pulsoximetrie : SaO2  94 %.
  • Blutzucker-Stix: 70 mg/dl

Keine Traumaspuren im Schädel-Nacken-Bereich. Kein spezifischer Foetor ex ore. Der Patient reagiert auf periphere Schmerzreize mit gerichteter Abwehrbewegung. Die orientierende Untersuchung der oberen Extremität und des Rumpfes ergibt keinen pathologischen Befund. Kein erhöhter Muskeltonus. Muskeleigenreflexe leicht abgeschwächt auslösbar, ohne Seitendifferenz.

Bei der Inspektion der Bekleidung ist die Hose im Schritt feucht, mit Uringeruch. Daraufhin genauere Inspektion der Mundhöhle: Feststellung einer Einblutungsspur am rechten Zungenrand.

Weitere Anamnese des Notarztes

Daraufhin Anamneseerhebung  des Notarztes beim anwesenden Vater nach Vorerkrankungen seines Sohnes : Krampfleiden / Stoffwechselerkrankungen / früher abgelaufenen Synkopen werden verneint. Kein Drogenabusus bekannt.

Keine Hinweise auf psychische Instabilität oder aktuelle Probleme. Beim Durchsuchen des Zimmers sind keine Tablettenschachteln auffindbar.

Erstmaßnahmen

  • Anlage eines peripher-venösen Zugangs. 
  • 02-Maske mit Flow von 4 Liter/ Min. 
  • Blutdruck weiterhin bei 120/60 mmHg, Frequenz um 80/min, 02-Sättigung 95 %. 
  • Stabilisierende Lagerung des Patienten auf der Vakuum-Matratze und anschließender Transfer in den RTW.
  • Nochmals Kontrolle des Blutzucker-Stix : 65mg/dl.

Der weitere Verlauf

Welche Diagnose schließlich gestellt wird und wie es dem jungen Mann im weiteren Verlauf ergeht, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Fall des Monats Januar 2018. Dr. Gerrit Müntefering, AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/Wavebreakmedia

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