10. November 2020

Notfall des Monats

So ging es weiter mit der älteren Dame

Das in einer Reichweite von 5 km gelegene Krankenhaus der Grundversorgung mit CT-Möglichkeit wird nach Vorinformation der Klinik und Abklärung der CT-Bereitschaft angefahren.

Lesedauer: 1 Minute

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Unverändert in die Klinik

Der Notarzt übergibt die Patientin mit unverändertem Befund an den bereits in der Notaufnahme anwesenden Chirurgen (Pupillendifferenz besteht unverändert, weiterhin nur schwache, nicht mehr gerichtete Reaktion auf Ansprache, lebhafte Reflexe der unteren Extremität mit Muskelkloni). Es erfolgt der sofortige Transfer der Patientin in den CT-Raum.

Der Notarzt informiert den Chirurgen über die bisherige Befundentwicklung bei der Patientin und über das mit dem Großklinikum geführte Telefonat. Anschließend wird der Notarzt zu einem Folgeeinsatz alarmiert.

CT führt zur Diagnose

Nach Einsatzende erfolgt die erneute Kontaktaufnahme des Notarztes mit dem erstbehandelnden Krankenhaus: Das Schädel-CT hat eine intrakranielle Blutung ergeben mit zunehmender raumfordernder Wirkung (andererseits fehlt ein Nachweis einer auffälligen Kontusion des Schädelkalotte, keine Kalottenfraktur).

Vom erstversorgenden Krankenhaus erfolgte daraufhin nochmals die Abfrage zur zeitnahen Realisierbarkeit eines RTH-Transports. Der RTH wäre im 5-Minuten-Zeitintervall startklar mit einer Anflugzeit von weiteren 10 Minuten.

Kein Transport und Exitus

Die CT-Bilder werden daraufhin sofort dem diensthabenden Neurochirurgen des Großklinikums übermittelt mit Nennung der Gesamt-Verlegungszeit von mindestens 45 Minuten. Der angesprochene Neurochirurg soll jedoch im vorliegenden Fall keine positive Behandlungsprognose mehr für einen Entlastungseingriff geäußert haben.

Die Patientin wird aufgrund dieser infausten Prognose auf der Intensivstation des erstbehandelnden Krankenhauses weiter überwacht. Sie verstirbt am 3. Tag des stationären Aufenthaltes.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Müntefering G. Fall des Monats Februar 2020. AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/sittihat tangwitthayaphum

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