18. Mai 2021

Notfall des Monats

Keine körperliche Ursache

Da mögliche Anzeichen einer Meningitis vorliegen, aber auch eine traumatische intrakranielle Blutung vorhanden sein könnte, erfolgt ein zügiger Transport in ein Klinikum mit erweitertem Versorgungsspektrum, inklusive Neurochirurgie.

Lesedauer: 1 Minute

Weiterer Verlauf in der Klinik

Eine Meningitis kann durch die sofort eingeleitete Diagnostik im Klinikum erfreulicherweise ausgeschlossen werden. Auch eine traumatische intrakranielle Blutung wird im zeitnah veranlassten Cranio-CT nicht gesehen.

Der Notarzt gibt dem diensthabenden Arzt der ZNA bei seiner Übergabe noch den Hinweis, dass möglicherweise auch eine problematische Familienkonstellation vorliegen könnte und daher eine Befragung des Jungen durch einen geeigneten Kollegen vielleicht weiter bringen könnte.

Bei einem Telefonat des Notarztes mit der Klinik zur Verlaufsabfrage 2 Tage später, bedankt sich der hier involvierte Aufnahme-Arzt der ZNA für den letztgenannten Hinweis.

Jugendamt wird eingeschaltet

Eine am Folgetag durchgeführte Befragung des Jungen in entspannter Situation durch eine Psychologin ergibt im Verlauf des 2. stationären Tages, dass der Vater des Jungen wohl bereits zu Lebzeiten seiner Ehefrau mehrfach Gewalt im Kreis der Familie angewandt hätte.

Diese aggressive Haltung habe sich auch nach dem Tod der Ehefrau fortgesetzt. Nach Angaben des nun mehr gesprächsbereiten Jungen sei auch die Prellmarke an seinem Kopf in einer kürzlichen Auseinandersetzung durch den Vater verursacht worden.

Der Vater des Jungen wird daraufhin mit dieser Problematik konfrontiert, ist dann schließlich auch eingeschränkt geständig, bagatellisiert jedoch seine Handlungen, die immer gerechtfertigt gewesen seien.

Das Jugendamt wird daraufhin informiert und hinzugezogen. Der auch weiterhin betroffene und alterierte Junge kann am 4.stationären Tag vom erstbehandelnden Klinikum in eine fachtherapeutische Institution mit psychosomatischer Ausrichtung verlegt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Müntefering G. Fall des Monats Mai 2019. AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/bymruatdeniz (Symbolbild mit Modellen)

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