18. Mai 2021

Notfall des Monats

11-Jähriger mit plötzlichem Schwächeanfall

Die zentrale Notaufnahme eines Krankenhauses fordert einen Notarzt zum Sekundärtransport eines Kindernotfalls in eine Kinderklinik an. Dieser trifft wenige Minuten später ein.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Situation in der Klinik

Der diensthabende Krankenhausinternist teilt mit, dass vor ca. 45 Minuten ein 11-jähriger Junge in Begleitung seines Vaters in der zentralen Notaufnahme des Krankenhauses eingetroffen sei. Bei dem Jugendlichen soll 30 Minuten zuvor ein stärkerer Schwindel,  eine auffällig beschleunigte Atmung und auch eine kurzzeitige Schwäche aufgetreten seien.

Bei der weiteren Anamneseerhebung habe der Vater mitgeteilt, dass seine Ehefrau (die leibliche Mutter des Jungen) 4 Monaten zuvor an einem Tumorleiden verstorben wäre. Der Junge habe den Tod der Mutter, der aufgrund der Malignomerkrankung absehbar gewesen sei, psychisch – trotz engagierter Hilfe aus dem Verwandtenkreis – schlecht verkraftet.

Gesundheitliche Probleme seien bei dem Jugendlichen bisher nicht bekannt. Auch in den vorangangenen Wochen und auch am aktuellen Tag gab es keinerlei Auffälligkeiten.In der Schulklasse des Jungen seien allerdings derzeit viele Mitschüler krankheitsbedingt abwesend, bei grasierender Erkältungswelle.

Nun sei es in Zusammenhang mit einer geplanten Übernachtung des Jungen bei einem Freund zu einer Auseinandersetzung von Vater und Sohn gekommen.Der Vater betont, dass es dabei doch im Wesentlichen sachlich zugegangen sei.

Der Junge sei dann aus der elterlichen Wohnung gerannt und sei 2 Minuten später von seinem Vater auf dem Hof liegend vorgefunden worden. Der Junge sei ansprechbar gewesen, habe allerdings über stärkeren Schwindel geklagt und habe auffällig schnell geatmet.

Dieses schnelle Atmung des Jugendlichen sei –  trotz beruhigendem Einreden des Vaters – nur kurzzeitig unterdrückbar gewesen. Daraufhin Entscheidung des Vaters zur Vorstellung des Jungen im Krankenhaus.

Befund der Erstuntersuchung und Transport

Zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung ist der Jugendliche unruhig und agitiert. Erhöhte  Atemfrequenz von 16 -18 / Min. Ansonsten sind die Vitalparameter unauffällig: RR 130/80 mmHG, Puls 102 / min, SaO2: 96 %, Temperatur: 38,3°C, Pupillen mittelweit. Reaktion auf Licht und Konvergenz prompt. Keine Paresen, keine Muskeltonuserhöhung der Extremitäten, aber spürbar mäßig erhöhter Muskeltonus der Nackenmuskulatur.

An der Stirn des Jungen befindet sich 2 streifige Rötungen in sagittaler Ausrichtung mit leichter Schwellung der Umgebung. Hier müsse der Junge – nach Ansicht des Vaters – wohl im Hof gestürzt sein.  Ansonsten keine äußeren Verletzungszeichen. Extremitäten sind gut beweglich. Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule o.B. Der Junge ist – bei der Befragung in Gegenwart seines Vaters – einsilbig.

Der diensthabende Internist habe daraufhin eine weitere Beobachtung des Jungen in einer Kinderklinik mit neuropädiatrischer Mitbehandlungsmöglichkeit für sinnvoll erachtet und den Sekundärtransport über die Leitstelle veranlasst.

Auch während des RTW-Transports in die Kinderklinik ist der Junge wortkarg. Während des RTW-Transports wiederholt kurze Tachypnoe-Phasen, unauffällige Vitalparameter. Die Verspannung der Nackenmuskulatur ist weiterhin vorhanden.

Was ist die Ursache?

Zu welcher Diagnose die Ärzte in der Klinik schließlich kommen, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Müntefering G. Fall des Monats Mai 2019. AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/deepblue4you

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