14. Juli 2021

Notfall des Monats

Der weitere Verlauf

Erfahren Sie mehr über den weiteren Verlauf des Falles, welche Diagnose gestellt wird und welche Herausforderungen diesen Fall besonders machten.1

Lesedauer: 2 Minuten

Diagnose im Schockraum

Im Rahmen der Schockraum-Diagnostik wird ein raumforderndes akutes Subduralhämatom festgestellt welches direkt durch die Neurochirurgen operativ ausgeräumt wird. Weitere Verletzungen sind trotz des erheblichen Absturztraumas nicht gegeben.

Das NEF als ersteintreffendes Rettungsmittel in der Traumaversorgung hat sowohl personell als ausstattungstechnisch nur begrenzte Möglichkeiten. Gerade in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten kann es (bei Nichtverfügbarkeit von vorgeplanten Rettungsmitteln durch Duplizitäten) zu Eintreffzeiten jenseits der Hilfsfristen kommen.

Dem Notarzt stellte sich bei der initialen Versorgung die Frage, ob er mit nichtmedizinischen Hilfsmitteln (Leiter / Brett o.ä.) bereits vor Eintreffen des RTW mit der Rettung beginnen solle, um den Patienten aus der maximal ungünstigen Umgebungssituation zu entfernen, um bei einer Verschlechterung besser und zeitnah intervenieren zu können und um den Faktor Zeit beim kritischen Patienten zu optimieren.

Er hat sich jedoch dagegen entschieden, da bei Absturztrauma ein Sekundärschaden durch Umlagerung zu befürchten gewesen wäre, zumal kein fassbares A-, B- oder C-Problem bestand.

Alternative Handlungsmöglichkeiten?

Auch die Nachforderung der Feuerwehr zur technischen Rettung wäre in diesem Fall nur wenig zielführend gewesen, da das Eintreffen des RTW und RTH erwartet wurde und auch die Feuerwehr mit freiwilligen Kräften in der ländlichen Abgeschiedenheit längere Anfahrtszeiten gehabt hätte.

Bei wehrigem Patienten und bei Nichtverfügbarkeit eines peripher-venösen Zugangs war die Möglichkeit der medikamentösen Therapie direkt am Unfallort gering. Möglich wäre auch eine nasale Gabe über MAD gewesen; in Bauch-Seit-Lage bestand hier aber kein freier Zugang. Die Möglichkeit eines intraossären Zugangs wurde direkt verworfen, da hier eine massive Verschmutzung mit Fäzes vorlag, auch ein ansatzweise aseptisches Arbeiten wäre nicht möglich gewesen.

Die intramuskuläre Applikation von S-Ketamin bietet hier eine adäquate Alternative. Das Medikament ist zur Analgesie in der Notfallmedizin mit 0,25 bis 0,5 mg/kgKG intramuskulär zugelassen.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Münteferring G. Fall des Monats März 2021. AGNNW

Bildquelle: © gettyImages/sturti

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