04. August 2020

Notfall des Monats

Überdosis Psychopharmaka – So ging es weiter

Nach der Einnahme von 7 Tabletten Melperon kollabiert ein junger Mann und hat zunehmend Atemprobleme. Lesen Sie hier, wie das Notfallteam weiter vorging.

Lesedauer: 1 Minute

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Der weitere Verlauf

Unter Berücksichtigung des positiven Effektes der am Einsatzort versuchten Kommandoatmung, welche die Atemstörung des Patienten zweimalig zufriedenstellend beenden konnte, und des insgesamt noch kompensierten Status des Patienten (mit aktuell normwertigen Vitalparametern) entscheidet man sich im Team gegen eine Atemwegssicherung vor Ort. Stattdessen Einleitung eines zügigen Transports des Patienten in eine Klinik mit freiem Intensivbett und gleichzeitig psychiatrischer Abteilung vor Ort.

Vor Transportbeginn Anlage eines intravenösen Zugangs, EKG-Monitoring, Pulsoximetrie und engmaschige Blutdrucküberwachung. Das Monitoring ergibt während des Transports Normalwerte. Während des Transportes kontinuierliches Fortführung der Kommandoatmung, woraufhin die respiratorische Situation auf einem zufriedenstellenden Level gehalten werden kann. Der oftmals noch stockende Atemrhythmus kann unter Kommandoatmung ausreichend reguliert werden.

In der zentralen Notaufnahme des Klinikums dann sofortige Anforderung von Akineton durch den Notarzt. Das Akineton beseitigt die Atemstörung bei zweimaliger intravenöser Gabe im 15 Minuten-Abstand erwartungsgemäß zeitnah und anhaltend.

Nach 2-tägigem stationären Aufenthalt und psychiatrischer Exploration, die keine Suizidgefährdung ergibt, kann der Patient aus der stationären Behandlung entlassen werden.

  • Das Melperon gehört zur Arzneistoffklasse der Neuroleptika (Antipsychotika) und wirkt über eine Hemmung von Dopamin-D2-Rezeptoren. Der Wirkstoff ist ein Butyrofenonderivat und wird hauptsächlich aufgrund seiner sedierenden Effektes z.B. bei Erregungszuständen, Schlafstörungen und Spannungszuständen angewendet.

    Als Nebenwirkungen sind bekannt, dass Störungen im Bereich der unwillkürlichen Bewegungsabläufe (extrapyramidale Begleitsymptome) auftreten, die sich in Form von Frühdyskinesien (krampfartiges Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, Schiefhals, Versteifungen der Rückenmuskulatur, Kiefermuskelkrämpfe) einem Parkinson-Syndrom (Zittern, Steifigkeit) und Akathisie (Bewegungsunruhe) manifestieren können.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens.Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Fall des Monats Februar 2019. Dr. Gerrit Müntefering, AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/code6d

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