12. Januar 2021

Notfall des Monats

Angehörige verweigern Kliniktransport

Das Notfall-Team diskutiert mit den Angehörigen, da sich diese weigern die Patientin in eine Klinik bringen zu lassen. Schließlich einigt man sich auf eine Lösung.

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Der weitere Verlauf

Im Angehörigenkreis wird vom Notarzt aufgrund der Befundpersistenz nochmals appelliert, die Patientin zumindest für die nächtliche Weiterversorgung und Überwachung des fokalen Status mit in die Klinik zu nehmen. Die Angehörigen können trotz Schilderung der massiven Problematik und der Vitalgefährdung bei anhaltendem Krampfzustand nicht überzeugt werden.

Eine nochmalige vorsichtige Nachinjektion von 2 mg Midazolam führt dann zu einer deutlicheren Regredienz der klonischen Kontraktionen der rechten Armmuskulatur.

Den Angehörigen wird nachdrücklich mitgeteilt, dass ein Verbleiben der Patientin in häuslicher Umgebung ohne engmaschige ärztliche und fachkundige Betreuung nicht akzeptabel ist.

Arzt aus dem Ort hinzugerufen

Ein daraufhin erfolgter Versuch der Angehörigen, einen ihnen bekannten, am Wohnort praktizierenden Internisten zu erreichen, ist erfolgreich. Nach telefonischer Schilderung der Lage, erklärt sich der Kollege bereit, die nächtliche Überwachung der präfinalen Patientin zu übernehmen.

Der angelegte intravenöse Zugang wird mit langsam laufender Infusion für mögliche weitere Medikationen belassen.

  • Blutdruck: 130/90 mmHg
  • Puls 80 /min
  • Sauerstoffsättigung: 93 %

Die klonischen Kontraktionen der rechten Armmuskulatur sind zum Zeitpunkt des Abrückens des Rettungsteams nicht mehr vorhanden.

Nach telefonischer Kontaktaufnahme mit dem weiterbetreuenden Internisten am Folgetag ist dieser gegen 2:00 Uhr nochmals vor Ort gewesen, wegen eines erneuten leichtgradigen fokalen Krampfereignisses, das mit Benzodiazepin sofort in den Griff bekommen wurde.

Letztendlich konnte wohl – durch Engagement des niedergelassenen Internisten – der SAPV im Nachbarkreis eingebunden werden, da dieser 2 Mitarbeiter beschäftigte, die in der Nähe der Patientenwohnung wohnten.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Müntefering G. Fall des Monats August 2020. AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/KatarzynaBialasiewicz

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