09. Februar 2021

Notfall des Monats

Vermeintlichen Suizidversuch verhindert

Trotz der Probleme mit dem Giftnotruf und der fehlerhaften Kommunikation mit der Klinik bezüglich des Intensivbetts, finden die Notärzte eine Lösung für den Patienten. Die Laboruntersuchung bringt überraschende Resultate.

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Lebensbedrohliche Situation

Es dürfte klar sein, dass es sich hier (entsprechend dem Kenntnisstand zur Lage) um eine vitale Bedrohung mit intensivmedizinischer Behandlungsbedürftigkeit handelt – ganz gleich, welche Menge Tabletten, Alkohol, Möbelpolitur oder sonstiges geschluckt worden sind.

Zudem besteht eine nachvollziehbare Selbstgefährdung durch eine akute Suizidalität und somit – im Anschluss an die intensivmedizinische Akutversorgung – eine Indikation zur Unterbringung gemäß PsychKG.

Die diensthabenden Ärzte der ZNA zeigten sich – in Anbetracht dieser Situation – dann sehr engagiert und kooperativ bei der Suche nach einem geeigneten intensivmedizinischen Behandlungsplatz. Eine aufnahmebereite Klinik in akzeptabler Nähe (Fahrzeit von Klinik zu Klink unter 10 Minuten) konnte innerhalb weniger Minuten gefunden werden.

Eine toxikologische Analytik wäre – bei fortbestehendem Widerstand des Patienten – auf die Schnelle schwierig und nur unter starker Sedierung des Patienten durchführbar gewesen, so dass nach der erfreulicherweise raschen Klärung der zukünftigen stationären Intensivversorgung, ein Weitertransport zügig möglich war.

Ankunft in der Zielklinik

Die Zielklinik wurde während des Transports umfassend über die vorliegende Problematik vorinformiert, so dass man zur Intensivstation durchmarschieren konnte. Das anschließend unter Sedierung eingeleitete toxikologische Screening ergab dann allerdings Medikamentenspiegel, die deutlich unter der vom Patienten mitgeteilten Ingestionsdosen lagen.

Auch die aufgenommene Menge der Petrodestillate dürfte – nach Angaben der Intensivmediziner am Folgetag – eher gering gewesen sein. Der Alkoholspiegel wurde allerdings mit 1,9 Promille bestimmt. Der Patient konnte nach 3-tägiger Überwachung auf der Intensivstation in die psychiatrische Weiterbehandlung verlegt werden.

Dieser Fall zeigt die leider nicht so seltene Problematik mit den Vergiftungszentralen auf, die oft personell schlecht besetzt sind. Der Fall wäre aber auch ein gutes Beispiel für den effektiven Einsatz der bekannten Software und App zum Bettennachweis, die immer beliebter wird.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Müntefering G. Fall des Monats Mai 2020. AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/PatrikSlezak

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