08. Dezember 2020

Notfall des Monats

80-jährige Frau mit Angstattacken und Missempfindungen

Aufgrund einer Angstattacke und wiederholter subjektiver Missempfindungen ruft eine 80-Jährige den Notarzt. Der Fall erscheint zunächst unklar, auch eine Halluzinose ist denkbar. Doch was steckt dahinter?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Situation vor Ort und Anamnese

NEF und RTW treffen beinahe zeitgleich an der Einsatzstelle, einem Mehrfamilienhaus im Zentrum einer Kleinstadt, ein. Bei Eintreffen des Rettungsteams öffnet eine 80-jährige Frau die Tür und gibt sich selbst als Anruferin und Betroffene aus.

Sie würde seit etwa einer  Stunde stärkere thorakale Schmerzen verspüren und habe außerdem das Gefühl von innen „Stromschläge“ zu bekommen. Auf genaueres Nachfragen des Notarztes werden diese  Schmerzen als „reißend“ und „impulsartig“ beschrieben.

Bei der Kommunikation mit der Patientin ist auffällig , daß die Sprache der 80-jährigen Frau wiederholt sehr abgehackt wirkt, ähnlich einer skandierenden Dysarthrie. Auch der Atemrhythmus der Patientin ist phasenweise auffällig und ähnelt einem hochfrequenten Schluckauf, sowohl während der Inspiration als auch während der Exspiration. Auskultation des Thorax ist – abgesehen vom zeitweiligen Singultus – unauffällig.

Nach Vorerkrankungen gefragt , berichtet die Patientin, daß sie erst vor 3 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden sei. Sie sei dort wegen eines „vorübergehenden Schlaganfalls“ mit kurzzeitig aufgetretener Aphasie akut behandelt worden. Ein Bluthochdruck ist bei der 80-jährigen Frau ebenfalls bekannt.

Weitere Details zur Vorgeschichte und zu Voroperationen konnten von der Patientin, die sehr aufgeregt war, zum Zeitpunkt der notärztlichen Erstbefragung nicht mehr mitgeteilt werden. Die aktuelle Medikation laut hausärztlicher Liste ist:

  • ASS 300 mg 1×1,
  • Ramipril 10 mg 1×1
  • und Metoprolol 50 mg 2×1.

Messung der Vitalparameter

Blutdruck 160/90 mmHg, Sauerstoffsättigung beträgt 96%, die pulsoxymetrisch gemessene Herzfrequenz liegt durchschnittlich allerdings bei 45/Min.. Blutzucker 110 mg%. Körpertemperatur ( Ohrthermometer): 37,0°c.

Die Patientin ist zeitlich, örtlich und zur Person ausreichend orientiert. FAST-Test unauffällig  Die grobe Kraft ist erhalten, kein Hinweis auf Paresen, Pupillen seitengleich und lichtreagibel.

Durch den Rettungsassistenten wird zunächst das Extremitäten-EKG abgeleitet. Das EKG zeigt folgendes Bild (Der EKG-Ausdruck ist leider etwas unscharf).

Diagnose und weiteres Vorgehen

Welche Diagnose das Notfallteam stellt, wie die weitere Behandlung abläuft und wie es der Patientin ergeht, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Münteferring G. Fall des Monats März 2020. AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/ajr_images (Symbolbild mit Modell)

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