02. September 2020

Notfall des Monats

Frau (47) liegt plötzlich regungslos am Boden

Am frühen Samstagmorgen geht der Notruf ein, dass eine 47-jährige Frau nicht ansprechbar auf dem Küchenboden liege. Beim Eintreffen der Rettungskräfte ist sie wieder orientiert, doch es kommt erneut zu Bewusstseinstrübungen.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Die Situation vor Ort

Der Notarzt trifft 5 Minuten nach Alarmierung ungefähr zeitgleich mit dem RTW am Einsatzort ein (Ein Einfamilienhaus in der Dorfmitte). Der Ehemann führt die Ersthelfer in die Wohnung. Eine 47-jährige leicht übergewichtige Frau wird in der Küche in Linksseitenlage liegend aber wieder ansprechbar vorgefunden.

Bei Feuchtigkeit auf dem Küchenboden im Beckenbereich der Notfallpatientin kann die Frau mitteilen, dass es zu einem Harnabgang gekommen sei. Die kontaktfähige Frau versichert, dass sie diesen Urinabgang  bemerkt habe.

Die 47-jährige Frau kann dem Notarzt zum Ereignishergang berichten, dass es ihr nach dem morgendlichen Aufstehen in der Küche plötzlich schwarz vor Augen geworden sei. Der Ehemann teilt mit, dass er seine Frau anschließend regungslos in der Küche auf dem Boden liegend vorgefunden habe. Es seien keine Verkrampfungen und kein Zucken der Extremitätenmuskulatur zu beobachten gewesen, auch keine auffälligen Streckbewegungen der Extremitäten und keine forcierte Atemaktionen, ebenso keine Zyanose. Die Patientin sei für ca. 5 Minuten nicht ansprechbar gewesen.

Die Vorgeschichte der Patientin

Befragt zu Vorerkrankungen berichtet die Patientin, dass sie aufgrund einer depressiven Stimmungslage nach Todesfall in der Familie seit einem Jahr Fluoxetin einnehme. Aufgrund einer seit mehreren Jahren bekannten Pollinosis saisonalis mit pulmonaler Mitbeteiligung und seit 3 Tagen aufgetretener mäßiger Kurzluftigkeit sei sie vorgestern bei ihrem Hausarzt gewesen. Der Pollenflug sei seit einigen Tagen sehr stark gewesen. Der Hausarzt habe ihr daraufhin zur Einnahme eines Antihistaminikums (Levocetirizin)  geraten.

Weiterhin berichtet die 47-jährige Frau, dass ein Langzeit-EKG vor etwa einem Jahr, das aufgrund von fraglichen Palpitationen angefertigt worden sei, keinen behandlungsbedürftigen Befund ergeben hätte. Eine EKG-Ableitung vor 4 Monaten aufgrund eines kurzzeitigen thorakalen Druckgefühls habe ebenfalls keinen pathologischen Befund ergeben.

Erstbefund

47-jährige Frau, orientiert und kooperativ. Keine zentrale oder periphere Zyanose. Atmung regelrecht bei 12 / Min. A.radialis-Puls mit leicht erhöhter Frequenz gut tastbar.  RR 130/ 70 mmHg, Puls 105 / Min.  SaO2: 95 %, BZ-Stix: 158 mg/ dl.

Glasgow-Coma-Scale bei 15. Bei der Untersuchung des Kopfes wird ein kleinflächiges Hämatom über dem linken Kiefergelenks erkannt. Kein Zungenbiss. Wirbelsäule orientierend unauffällig. Thorax, Abdomen und Beckenregion und Extremitäten ohne Traumabefund.

Erstmaßnahmen

Ein intravenöser Zugang wird gelegt mit kristalloider Lösung. Bei leichter Übelkeit der Patientin erfolgt die intravenöse Gabe eines Antiemetikums (Kein Antihistamikum)

Das abgeleitete 12-Kanal-EKG ergibt den nachfolgenden Befund

Kliniktransport und Bewusstseinstrübungen

Es wird der Transport in eine Klinik mit kardiologischer und neurologischer Abteilung vorbereitet. Bei kurzem unterstützten Aufrichten des Oberkörpers der Patientin kommt es dann zu einer erneuten Bewusstseinstrübung der Patientin, wobei hierbei auch ein erhöhter Muskeltonus der oberen Extremität feststellbar wird.

Die Bewusstseinstrübung dauert ca. 10 Sekunden. Die Patientin ist anschließend wieder wach, ansprechbar und zufriedenstellend orientiert und kardiopulmonal stabil (RR 120/70 mmHg, Puls 105/Min, SaO2: 92 %).  Während des Transports in die oben genannte Klinik dann unauffälliger Verlauf.

Beim Umlagern der Patientin von der Trage auf die Untersuchungsliege mit assistiertem Aufrichten des Oberkörpers kommt es dann allerdings zu einer erneuten Bewusstseinstrübung der Patientin, die sich den nicht sicher genug fixierten intravenösen Zugang dabei entfernt.

Diagnose, Therapie und Ausgang

Welche Diagnose die Ärzte in der Klinik stellen, welche Maßnahmen sie ergreifen und wie es der Frau im weiteren Verlauf erging, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Fall des Monats November 2019. Dr. Gerrit Müntefering, AGNNW

Bildquelle: © Getty Images/eclipse_images

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