23. Juni 2021

Notfall des Monats

Bevorstehende Geburt

Erfahren Sie mehr über den weiteren Verlauf des Falles der 28-Jährigen und wie die Ärztinnen und Ärzte vorgegangen sind.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Weiterer Verlauf des Falls

Die vorgefallene Nabelschnur wird unter der Wehentätigkeit zwischen Kindskopf bzw. Kindskörper und der Wand des straff gespannten unteren Unterinsegments komprimiert, wodurch die Sauerstoffversorgung des Kindes gefährdet ist.

Also versucht man durch Lagerungsmaßnahmen (steile Beckenhochlagerung) und manuelles Zurückdrücken des kindlichen Kopfes, die Nabelschnur vom komprimierenden Druck zu entlasten. Dieser manuelle Schub durch den Ersthelfer muss dann natürlich kontinuierlich während des gesamten Transports bis in den Operationssaal aufrecht erhalten werden und dann noch weiter bis zur erfolgreichen Schnittentbindung.

Da in dieser Situation auch eine Tokolyse / Wehenhemmung sinnvoll ist, aber kein wehenhemmendes Medikament zur intravenösen Gabe auf den Fahrzeugen verfügbar ist (wie z.B. das Beta2-Sympathomimetikum Fenoterol (Partusisten®)), könnte die Gabe des vorhandenen Berotec®-Dosieraerosols erwogen werden, das den gleichen Wirkstoff enthält.

Berotec® (als Dosieraerosol zur Therapie von Atemwegsobstruktionen) ist für die Wehenhemmung eine „Off-label“-Anwendung und es ist auch fraglich, wieviel des Wirkstoffes bei einer aufgeregten Schwangeren letztendlich an der Gebärmutter ankommt.
Wenn man das Berotec® trotz des Off-label-Use anwenden will, muss man die schwangere Patientin natürlich über dieses Vorgehen aufklären.

In unserem Fall wird der Versuch mit dem Dosieraerosol unternommen. Als Nebenwirkung von Beta2-Sympathikomimetika ist mit Tachykardien zu rechnen, weshalb eine Monitorkontrolle erfolgt.

Nach Voranmeldung in der geburtshilflichen Abteilung der Klinik erfolgt der zügige Transport mit Sonderrechten. Der Einfluss des gesprühten Fenoterols ist nach Ansicht des manualtherapeutisch tätigen Notarztes kurz vor dem Eintreffen in der Klinik leicht spürbar.

Die Patientin wird sofort zur Schnittentbindung in den bereits vorbereiteten OP gebracht, wo ein Mädchen zur Welt kommt. Das Kind ist anfänglich leicht bradykard bei 90 / min, erholt sich jedoch nach Sauerstoffgabe rasch.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Münteferring G. Fall des Monats August 2018. AGNNW

Bildquelle: © gettyImages/PeopleImages

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