08. April 2021

Notfall des Monats

So geht es weiter mit der 56-Jährigen

In diesem Fall wird bei vorliegender supraventrikulärer Tachykardie das modifizierte Valsalva-Manöver vor Einleitung einer medikamentös frequenzregulierenden Therapie angewandt.

Lesedauer: 1 Minute

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.1 Redaktion: Christoph Renninger

Vorgehen der Ärzte

Im aktuellen Fall der 56 jährigen Frau provoziert das modifizierte Valsalva-Manöver beim abschließenden Aufrichtemanöver zusätzlich eine leichte Übelkeitsattacke, die dann wohl (als ergänzender Vagusreiz) sofort zur Terminierung der supraventrikulären Tachykardie führt.

Die Patientin kann mit einer rhythmischen Herzfrequenz von 95/min und Blutdruckwerten von 110/70 mmHg in die kardiologische Abteilung des nahe gelegenen Krankenhauses transportiert werden.

Sie verlässt die Klinik allerdings in stabilem Allgemeinzustand bereits am Folgetag gegen ärztlichen Rat, ohne weitere Diagnostik und Medikationsaustestung zuzulassen.

Das Valsalva-Manöver bei supraventrikuläre Tachykardie

Das Valsalva-Manöver, also das forcierte Ausatmen bei verschlossener Mund- und Nasenöffnung mit Anspannung der Atem- und Bauchmuskulatur, ist eine anerkannte Erstmaßnahme bei supraventrikulären Tachykardien.

Für das Valsalva-Manöver werden die Patienten gebeten, für 15 Sekunden so stark in eine 10ml-Spritze zu blasen, dass sich der Kolben zu bewegen beginnt. Allerdings sind die Erfolgschancen dieses Manövers, gemessen an der Konversion in Sinusrhythmus, mit bestenfalls 20 Prozent eher niedrig.

Im Falle eines Misserfolgs wäre dann der nächste Schritt zumeist die Gabe von Adenosin, die allerdings zu einer passageren Asystolie führt und von vielen Patienten als sehr unangenehm und beängstigend empfunden wird.

Eine Gruppe englischer Mediziner um Dr. Andrew Appelboam konnte im Jahr 2015 belegen, dass sich die Effizienz des Valsalva-Pressdruckversuchs durch eine simple Modifizierung mit dem Ziel, den venösen Rückfluss und die vagale Stimulation zu verstärken weiter verbessern lässt.
Die Patienten erzeugten für 15 Sekunden einen Druck von 40 mmHg durch Blasen in einen Aerometer (vergleichbar wäre das oben genannte Blasen in eine Spritze).

Danach wurde jedoch die Rückenlehne flach gestellt und beide Beine des Patienten vom Hilfspersonal in gestreckter Haltung um etwa 45 Grad angehoben. Dieses „lying down with leg lift Valsalva“-Manöver dürfte den venösen Rückstrom des Blutes erhöht haben.Danach erfolgt die Umlagerung in eine halbliegende Position, in der die Patienten für die Dauer von 45 Sekunden bis zur EKG-Aufzeichnung verbleiben.

Durch diese modifizierte, als „lying down with leg lift“ bezeichnete Valsalva-Variante konnte bei 43 Prozent aller Patienten eine Konversion in Sinusrhythmus erreicht werden (gegenüber 17 Prozent nach herkömmlichem Valsalva-Manöver).

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Münteferring G. Fall des Monats November 2020. AGGNW

Bildquelle: © Getty Images/Andrey Mitrofanov

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