02. April 2020

Covid-19: Nicht-invasive Beatmung einfach erklärt

Unsere Redaktion erreichen immer mehr Aufrufe von Ärztinnen und Ärzten ohne intensivmedizinische Vorerfahrung nach mehr Aufklärung bezüglich unterschiedlicher Beatmungstechniken. Dr. Horst Gross, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, erklärt im folgenden Beitrag die wichtigsten Prinzipien der nicht-invasiven Beatmung.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Masken-CPAP: Auch für nicht intensivmedizinisch erfahrenes Personal geeignet

Bei respiratorischer Insuffizienz müssen die Patienten nicht unbedingt an den Respirator. Die nicht-invasive Beatmungstechnik (Masken-CPAP) ist oft die bessere Alternative, auch bei Covid-19-Patienten. Diese Technik ist zudem weniger aufwendig und kann deshalb – nach adäquater Einweisung – auch von nicht intensivmedizinisch erfahrenem Personal genutzt werden.

Maske statt Tubus

Bei der klassischen (invasiven) Beatmung wird der Patient intubiert und an einen Respirator angeschlossen. Dieser übernimmt die Atemarbeit. Doch gerade bei älteren Menschen resultiert so schnell eine Atrophie der Atemmuskulatur. Die Entwöhnung vom Gerät (Weaning) ist langwierig.

Nasenmaske

Die nicht-invasive Beatmung über eine Gesichtsmaske umgeht dieses Problem. Hier atmet der Patient selbst. Ein kontinuierlicher Überdruck (CPAP) bewirkt, dass das interstitielle Ödem von innen aus dem Lungengewebe gedrückt wird. Kollabierte Alveolen werden “aufgeblasen” und nehmen wieder am Gasaustausch teil. Die Oxygenierung verbessert sich schnell und deutlich. Bei geringer und mittelgradiger, respiratorischer Insuffizienz hat sich diese Technik als Standard durchgesetzt.

Kontinuierlicher Überdruck

Mundmaske

Das Ganze funktioniert aber nur, wenn die Betroffenen über eine längere Zeit durch eine dicht sitzende Maske atmen. Wobei moderne Geräte in der Lage sind, geringe Undichtigkeiten zu kompensieren. Zusätzlich kann die Atemluft bis zu 100 % mit Sauerstoff angereichert werden. Subjektiv entsteht für den Patienten nur das Gefühl, dass seine Lunge sich wie etwas aufgeblasen anfühlt. Dieser Aspekt des Masken-CPAPs wird deshalb gut toleriert.

Angst vor der Maske

Schlecht toleriert dagegen wird die Maske selbst. Gerade bei älteren und verwirrten Patienten ist dies ein echtes Problem. Sinnvoll sind hier die neueren Full-Face-Masken, die mit einem Klettverschluss fixiert werden. Hilfreich für den Betroffenen ist manchmal eine schwache Sedierung (Cave! Benzodiazepine). Bei milderen Verläufen kann die nicht-invasive Beatmung auch intermittierend angewendet werden (z. B. 15 Minuten pro Stunde). Die Effektivität der Maßnahme zeigt sich sehr schnell in der Pulsoxymetrie, die zwingend zu Monitoring der nicht-invasiven Beatmung gehört. Wichtig ist auch regelmäßig das Hautbild zu prüfen, um Nekrosen durch eine zu stramme Fixierung vorzubeugen.

Welche Maske passt?

Nasen-Mund-Maske

Das hängt im Wesentlichen von der Anatomie des Gesichtes ab. Bei manchen Patienten lassen sich mit einfachen Masken gute Resultate erzielen. Die relativ teuren Full-Face-Masken gelten in puncto Effektivität heute als Standard. Der Tragekomfort wird hier durch eine Gel-Polsterung verbessert. Bei Problemfällen werden Helmmasken eingesetzt. Die bieten dem Patienten mehr Komfort, da die störende Maske entfällt. Die durchsichtigen Helme können allerdings auch Panik auslösen.

Masken-CPAP und Covid-19

Mittlerweile sind die klinischen Verlaufsdaten der Covid-19-Patienten aus Wuhan bekannt. 1 Demnach fiel bei 39 % der schwereren Verläufe eine respiratorische Insuffizienz auf. Rund zwei Drittel (32 %) konnten mit Massen-CPAP durch die Krise gebracht werden. Die restlichen Betroffenen mussten maschinell beatmet werden. 75 % der Respiratorbeatmeten verstarben. Bleibt nur zu hoffen, dass, falls es zu einer dramatischen Zuspitzung kommt, genügend Masken-CPAP-Geräte bereitstehen. Denn der zu großzügige Einsatz der maschinellen Beatmung führt unweigerlich zu unnötig langen Verläufen. Zudem eignet sich Masken-CPAP auch für periphere Stationen, eine entsprechende Schulung des Personals vorausgesetzt.

  1. Guan, Weijie, et al. Clinical characteristics of coronavirus disease 2019 in China. New England Journal of Medicine (2020).

Bildquellen:
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