
Schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen brauchen Empathie und emotionale Unterstützung. Ein paar achtlos hingeworfene Sätze können hier sehr viel zunichtemachen, Vertrauen zerstören und Ängste bei den Betroffenen auslösen. Einige solcher „Never-words“ und mögliche Alternativen haben Forschende der Texas A&M University hier zusammengetragen.
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Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Marc Fröhling
Angesichts rasanter Therapiefortschritte, etwa bei schweren Herz- und Lungenerkrankungen sowie Krebs, kann auch der einfühlsame und ehrliche Dialog mit den Patientinnen und Patienten zu einer klinischen Herausforderung werden. Art, Zweck und beabsichtigte Dauer komplexer Behandlungen müssen, häufig unter Zeitdruck, vermittelt werden. Realistische Erwartungen mit Blick auf die Therapiemöglichkeiten stoßen dabei auf Ängste, Emotionen, fehlende medizinische Fachkenntnisse sowie mitunter unrealistische Hoffnungen der betroffenen Personen.
Forschende der Texas A&M University haben präskriptive Kommunikationsgewohnheiten und deklarative Aussagen identifiziert, die Patientinnen und Patienten verängstigen und so eine gemeinsame Entscheidungsfindung erschweren können. Die folgenden Äußerungen können, im falschen Kontext verwendet, ungewollte Ängste sowie das Gefühl der Handlungsunfähigkeit auslösen. Das Autorenteam hat daher Alternativen formuliert, mit deren Hilfe Ärztinnen und Ärzte in einen ehrlichen und wertschätzenden Dialog mit den betroffenen Personen treten können:
Auch wenn z.B. bei einer Krebserkrankung keine Aussicht auf Heilung mehr besteht, sollte den Betroffenen vermittelt werden, dass man sie weiterhin so gut wie möglich behandeln wird – sich die Therapieziele aber geändert haben. Eine Alternative wäre z.B.: „Auch wenn Therapie X den Krebs nicht kontrollieren konnte, werden wir versuchen, ihre Symptome zu lindern und hoffentlich auch ihre Lebensqualität zu erhöhen.“
Die Weitergabe einer negativen Prognose sollte von einem Ausdruck der Besorgnis begleitet werden, z.B.: „Ich mache mir Sorgen, dass es zu keiner Besserung mehr kommt.“
Statt einer Äußerung, die für Betroffene und Angehörige ein „Aufgeben“ bedeutet, sollten die Vorteile einer Neuausrichtung des Behandlungsziels hervorgehoben werden: „Wir können uns auf Ihr Wohlbefinden konzentrieren, anstatt die derzeitige Behandlung fortzuführen, die nicht angeschlagen hat.“
Solche umgangssprachlichen Begriffe, die Erkrankte zu Objekten machen, haben in der Kommunikation nichts zu suchen. Als Alternative schlägt das Autorenteam vor: „Ich befürchte, dass der Sterbeprozess eingesetzt hat.“
Statt solch einer von den Betroffenen schwer zu beantwortenden Suggestivfrage sollte man zum Dialog einladen, z.B.: „Lassen Sie uns darüber reden, welche Optionen wir haben, wenn sich die Situation verschlechtert.“
Ärztinnen und Ärzte sollten keine unrealistischen Hoffnungen wecken, sondern realistische und menschliche Unterstützung anbieten, wie z.B.: „Ich bin hier, um Sie während dieses Prozesses zu unterstützen“.
Solche Begriffe suggerieren, dass Patientinnen und Patienten die Krankheit überwinden können, wenn sie sich nur genug anstrengen. Gelingt ihnen dies nicht, können sie sich ihrer Familie gegenüber schuldig fühlen. Besser wäre: „Wir werden gemeinsam dieser schweren Krankheit entgegentreten.“
Auch Familienangehörige kennen nicht immer den Willen der Erkrankten. Besser wäre die Formulierung: „Wenn er/sie das alles hören würde, was könnte er darüber denken?“
Mit solchen Fragen gibt man der erkrankten Person die Schuld an der Situation und löst möglicherweise noch mehr Sorgen aus. Ein alternativer Vorschlag wäre hier: „Ich bin froh, dass Sie zu uns gekommen sind.“
Es ist sinnlos, Zweifel an anderen Fachleuten zu säen, mit denen man während der weiteren Behandlung oft noch kooperieren muss. Vielmehr sollte man sich darauf, fokussieren, was noch möglich ist. Besser wäre somit: „Ich freue mich, dass Sie zu mir gekommen sind, um eine Zweitmeinung einzuholen. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir als nächstes vorgehen können.“