23. Januar 2020

Frau (27) verliert knapp 30 kg – doch weshalb?

Eine junge Frau stellt sich mit starkem Gewichtsverlust und depressiver Stimmung vor. Doch der Grund für die Beschwerden bestätigt sich erst nach intensiver Diagnostik.1

Lesedauer: 2 Minuten 

Dieser Artikel basiert auf einem Case Report von Noujaim MG et al. (2019). 1 Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

Massiver Gewichtsverlust und Depression

Eine 27-jährige Frau kommt in eine Klinik der Grundversorgung, da sie seit 10 Monaten stetig an Gewicht verliert. Die Zahl auf der Waage ist von ehemals 93 kg auf 64 kg gesunken. Seit einiger Zeit hat sie wenig Antrieb im Alltag und ist gedrückter Stimmung. Diät halte sie nicht. Als sie weiter berichtet, dass sie in der Nacht stark schwitze, horchen die Ärzte auf.

PCOS und Narkolepsie

Bei der Patientin besteht ein polyzystisches Ovarial-Syndrom mit Dysmenorrhö. Ein Jahr zuvor war sie bei ihrem Gynäkologen, die Untersuchung sowie der PAP-Abstrich waren unauffällig.

Des Weiteren leidet sie unter einer Narkolepsie Typ 1, mit hypnagogen oder hypnopompen Halluzinationen und Kataplexie. Sie ist in neurologischer Behandlung, wo ein Therapieversuch mit Methylphenidat (120 mg/Tag) unzureichend verlief, sodass sie seit 10 Monaten mit Natrium-Oxybat (9 mg/Tag) behandelt wird.

Natrium-Oxybat

Natrium-Oxybat ist ein in Deutschland zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung von Tagesmüdigkeit und Kataplexie bei Narkolepsie. Ein anderer Name des Medikamentes ist Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB). Das Molekül ist eng verwandt mit dem Transmitter GABA und agiert als GABA-B-Rezeptor-Agonist. Da es auf dem Schwarzmarkt auch als „Liquid Ecstasy“ verkauft wird, unterliegt es dem Betäubungsmittel-Gesetz. Es ist besonders wirksam gegen Kataplexien.
Als zentral dämpfendes Agens sollte es keinesfalls mit Alkohol kombiniert werden, da eine Atemdepression droht.

Bekannte Nebenwirkungen… oder?

Natrium-Oxybat ist dafür bekannt, Gewichtsverlust zu verursachen. Die Ärzte recherchieren: In einer Studie an 54 Narkolepsie-Patienten, die mindestens drei Monate mit Natrium-Oxybat behandelt wurden, verloren die Probanden im Schnitt 7,5 kg. Nur ein Proband hatte etwa 30 kg verloren.

Ein Blick in die Rote Liste verrät: Die weiteren Nebenwirkungen des Mittels sind vielerlei, doch gehören weder Nachtschweiß noch Fieber dazu.

So haben sich die Autoren entschieden

Da ein so massiver Gewichtsverlust unter Natrium-Oxybat selten ist und die Patientin zusätzlich unter Nachtschweiß leidet, leiten die Ärzte eine intensive diagnostische Abklärung ein. Nachdem eine gründliche klinische Untersuchung unauffällig ist, führen sie ein CT von Thorax, Abdomen und Becken durch. Im Labor untersuchen sie:

  • Großes Blutbild
  • Leberwerte
  • Nierenwerte
  • Elektrolyte
  • Glucose
  • Albumin und Gesamt-Protein
  • CRP und BSG
  • Schilddrüsen-Werte
  • Anti-nukleäre Antikörper
  • LDH
  • Urinstatus
  • Blutausstrich

Alle Ergebnisse sind im Normbereich. Auch die CT-Bilder geben keine Hinweise auf eine ursächliche Erkrankung. Deshalb beschließen die Ärzte einen Auslassversuch und setzen das Natrium-Oxybat ab. Nach drei Wochen bestellen sie die Patientin wieder ein. Die junge Frau hat nun 1,5 kg zugenommen, die depressive Stimmung habe sich gelöst.

Leider berichten die Autoren nicht, welche Lösung die Ärzte schließlich für die Therapie der Narkolepsie gefunden haben.

Narkolepsie: Alles Wichtige im Überblick
In diesem Artikel finden Sie alles Wichtige über die Diagnostik und Therapie der Narkolepsie. >> jetzt zum Beitrag.

  1. Noujaim MG et al. Sodium Oxybate: A Cause of Extreme Involuntary Weight Loss in a Young Lady. Case Reports in Medicine 2019 Article ID 6537815. https://doi.org/10.1155/2019/6537815

Titelbild: © Getty Images/ Tero Vesalainen

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