19. Juli 2019

Gefahren beim Baden – Teil 3

Im Meer

Nicht nur das Baden im Gartenpool oder See hält unter Umständen unliebsame Überraschungen bereit. Auch an den Küsten sprechen die Gesundheitsbehörden in heißen Sommern immer wieder Badewarnungen aus. Erfahren Sie hier die Gründe.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Christoph Renninger

Vibrionen: Für das Gros der Badende keine Gefahr

Vibrionen sind natürlicher Bestandteil der Meere und treten ab Wassertemperaturen von 18-20 °C verstärkt auf. Vibrionen sind Bakterien der Gattung Vibrio mit zahlreichen Unterarten. Die bekannteste ist der Erreger der Cholera. In der Ostsee lebt vor allem das Bakterium Vibrio vulnificus, das durch Wunden in den Körper eindringen und Wundinfektionen und Blutvergiftungen auslösen könne,

Risikofaktoren: Grunderkrankungen, Immunschwäche & höheres Alter: Für Gesunde besteht in der Regel kein Grund zur Sorge: Die sehr seltenen schwerwiegenen Erkrankungen gab es bisher nur bei Personen mit chronischem Grundleiden, wie z.B. Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Diabetes. Auch zählen zu den Risikogruppen immungeschwächte Menschen etwa nach einer Transplantation oder mit bestehenden HIV-Infektion sowie Senioren. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock rät Risikopersonen dazu, den Kontakt offener Wunden mit Salzwasser etwa bei einem Bad in der Ostsee zu vermeiden.1

Zu den Symptomen einer Infektion mit Vibrionen zählen:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Blasenbildung der Haut
  • Fieber und Schüttelfrost
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Schock

Maßnahmen: Unverzüglich Arzt konsultieren! Bei geringsten Anzeichen einer Wundinfektion sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden und auf den Kontakt mit dem Salzwasser hingewiesen, betont das Lagus. Es besteht unter Umständen Lebensgefahr!

Feuerquallen: Schmerzhaft, aber meist ungefährlich

2018 gab es an mehreren deutschen Stränden Feuerquallen-Alarm. Diese Nesselquallen leben in der Nordsee und werden, besonders im Spätsommer, durch Wind und Strömung in die Ostsee getrieben. Im Gegensatz zu den häufig vorkommenden ungefährlichen Ohrenquallen sind Feuerquallen meist rötlich gefärbt. Ihre Tentakel sind fast unsichtbar und können mehrere Meter lang sein. An den Tentakeln sitzen Nesselzellen, die bei Berührung das hautreizende Nesselgift freisetzen.

Der Kontakt kann ziemlich schmerzhaft sein, doch gefährlich ist er in der Regel nicht. Es brennt auf der Haut wie eine Berührung mit Brennnesseln. Bei empfindlichen Personen und nach wiederholtem Kontakt können aber auch heftige allergische Reaktionen mit Herz-Kreislauf-Störungen bis zum Kollaps auftreten.

Bei Kontakt lautet die Experten-Empfehlung:1

  • Auf die Haut keinen Druck ausüben!
  • Reiben vermeiden!
  • Abspülen nur mit Salzwasser!
  • Essig oder Zitronensaft auftragen und etwa 30 Minuten einwirken lassen, danach mit Salzwasser abspülen. Falls nicht vorhanden: Sand auftragen und nach dem Antrocknen vorsichtig abschaben, z.B. mit Messerrücken, Kreditkarte.
  • Zur Linderung der Schmerzen empfiehlt sich die Kühlung der betroffenen Hautpartie.
  • Bei großflächigem Kontakt oder Kreislaufstörungen ist ein Arzt aufzusuchen!

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Cyanobakterien: In Seen und Meeren

Cyanobakterien kommen ubiquitär in Süßwasser und Feuchtböden auf, aber auch in Meereswasser. Nicht alle, aber die meisten Blaualgenarten, die in der Ostsee vorkommen, enthalten Toxine, in stark variierenden Konzentrationen. Diese werden nur relevant, wenn die entsprechenden Algen in großen Konzentrationen, also in so genannten „Blüten“ auftreten. Mehr Informationen zu den Cyanobaktieren lesen Sie hier.

CDC: 5 Tipps zur Prävention

Die Centers for Disease Control nd Prevention (CDC) geben 5 einfache Empfehlungen, die von Ärzten an Ihre Patienten weitervermittelt werden sollen, um Infektionen beim Baden zu vermeiden und die Übertragung von Erregern zu vermindern:3

  • Bei Diarrhö nicht Schwimmen gehen.
  • Nach Infektionen mit Kryptosporidien auch zwei Wochen nach Symptomfreiheit nicht ins Badewasser gehen.
  • Verschlucken von Wasser vermeiden.
  • Ohren trocken halten und nach dem Schwimmen gründlich abtrocknen.
  • Nicht mit offenen Wunden schwimmen gehen.

Alle Beiträge zum Thema in der Übersicht

  1. Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus): Informationsflyer “Baden im Meer – Was Sie wissen sollten”
  2. Leibnitz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde: Faktenblatt Blaualge/Cyanobakterien
  3. Healthy Swimming-Medical Professionals. CDC, 04.05.2016

Bilder: © iStock.com/hocus-focus, Schlegelpictures

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