31. März 2020

Covid-19

Leitlinienempfehlungen aus China: Therapie

Covid-19 nahm seinen Beginn in der chinesischen Stadt Wuhan. Auf Basis der klinischen Erfahrungen hat die chinesische Regierung eine Leitlinie mit Empfehlungen zur Therapie erstellt. Diese wurde nun von Freiwilligen ins Deutsche übersetzt.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf der Übersetzung der Covid-19-Leitlinie der Volksrepublik China.1 Redaktion: Christoph Renninger

Allgemeine Behandlung

Bei leichten Fällen umfasst die Behandlung:

  • Bettruhe,
  • unterstützende Behandlung,
  • Aufrechterhaltung der Kalorienbilanz,
  • Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt beachten,
  • Vitalwerte und Sauerstoffsättigung regelmäßig überprüfen.

Je nach Zustand des Patienten sollten folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Blutbild,
  • Urinanalyse,
  • CRP,
  • Biochemische Parameter (Leberwerte, Herzenzyme, Nierenfunktion)
  • Gerinnungsparameter,
  • arterielle Blutgasanalyse,
  • Röntgen-Thorax,
  • Zytokine.

Eine wirksame Sauerstofftherapie sollte rechtzeitig bereitgestellt werden, mit Nasenkatheter, Sauerstoffmaske und Nasenkanüle mit hohem Durchfluss (Nasen-CPAP).

Zur antiviralen Therapie nennt die Leitlinie folgende Medikamente, die bei Patienten zum Einsatz kamen:

  • Interferon-alpha (5 Millionen Einheiten, 2 Mal täglich)
  • Lopinavir/Ritonavir (200 mg/täglich, nicht länger als 10 Tage)
  • Ribavirin (in Kombination mit Interferon oder Lopinavir/Ritonavir, 500 mg, 2 bis 3 Injektionen)
  • Chloroquin (500 mg, 2 Mal täglich)
  • Umifenovir (200 mg, 3 Mal täglich, nicht länger als 10 Tage)

Dabei gilt es Kontraindikationen (z.B. Chloroquin bei Herzerkrankungen) und Unverträglichkeiten zu beachten. Eine gleichzeitige Gabe von 3 oder mehr antiviralen Medikamenten wird nicht empfohlen. Bei Schwangeren sollte das Stadium der Schwangerschaft berücksichtigt werden.

Behandlung schwerer Fälle

Atemunterstützung: Patienten mit schweren Symptomen sollten durch Sauerstoffmasken oder Nasenkanülen mit Sauerstoff versorgt werden. Eine Dyspnoe und/oder Hypoxämie soll rechtzeitig erkannt und gelindert werden.

Sprechen Patienten mit Dyspnoe/Hypoxämie nicht auf die normale Sauerstofftherapie an, können High Flow-Nasenkanülen oder eine nicht-invasive Beatmung in Betracht gezogen werden. Kommt es innerhalb von 1-2 Stunden nicht zu einer Besserung der Symptome, sollte eine endotracheale Intubation und invasive mechanische Beatmung erfolgen.

Um die durch Beatmungsgeräte bedingten Lungenverletzungen zu reduzieren, sollte eine Lungenschutzbeatmungsstragie (LPVS) angewandt werden:

  • niedriges Atemzugvolumen (6-8 ml/kg Körpergewicht)
  • niedriger Inspirationsdruck (Plateaudruck ≤ 30 cm H2O)

Die Atemwege sollten erwärmt und befeuchtet bleiben. Endotracheale Sekrete können luftdicht abgesaugt werden. Eine langzeitige Sedierung sollte vermieden werden.

Bei schwerem ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) empfiehlt die Leitlinie ein Rekrutierungsmanöver. Eine Beatmung in Bauchlage sollte min. 12 Stunden täglich durchgeführt werden. Ist dies nicht effektiv, sollte schnellstmöglich eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) in Betracht gezogen werden. Indikationen für eine ECMO sind:

  • FiO2 > 90%, Oxygenierungsindex < 80 mm Hg und länger als 3-4 Stunden
  • Atemwegs-Plateaudruck ≥ 35 cm H2O.

Kreislaufunterstützung: Unter ausreichender Flüssigkeitsgabe sollte u.a. die Mikrozorkulation durch Katecholamingaben verbessert werden. Die Vitalparameter werden engmaschig überwacht.

Bei Kreislaufinstabilität (z.B. Tachykardie, Hypotonie, Anurie) sollte eine genaue Untersuchung auf einen septischen Schock, gastrointestinale Blutungen oder Kreislaufversagen erfolgen.

Immuntherapie: Kommt es in beiden Lungenflügeln zu diffusen pathologischen Veränderungen und wird im Labor ein erhöhter Interleukin-6 (IL-6)-Spiegel festgestellt, kann eine Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Tocilizumab erwogen werden.

Die Initialdosis beträgt 4-8 mg/kg Körpergewicht (Verdünnung in 0,9 NaCl-Lösung, Infusionsdauer > 1 Stunde). Dabei gilt es auf allergische Reaktionen zu achten. Eine Kontraindikation besteht bei Tuberkulose oder anderen aktiven Infektionen.

Weitere Maßnahmen: Bei schwer erkrankten Kindern und intensivpflichtigen Patienten können Gamma-Globuline (i.v.) gegeben werden. Kommt es bei Schwangeren zu einer schweren Erkrankung sollte die Schwangerschaft aktiv beendet werden, bevorzugt durch einen Kaiserschnitt.

Da infizierte Patienten häufig unter Unruhezuständen und Ängsten leiden, empfiehlt sich eine psychologische Beratung.

  1. Leitlinie zum Umgang mit der Covid-19-Epidemie. Kommission für traditionelle chinesische Medizin der Volksrepublik China, Version 7.0 vom 16.03.2020. Deutsche Übersetzung

Bildquelle: © Getty Images/Golden_Brown

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