
Immer wieder wird von Fällen berichtet, in denen Patienten mit Herzstillstand nach Beendigung der Reanimationsmaßnahmen einen Spontankreislauf zurückerlangen. Ein Review hat das Phänomen untersucht.1
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Redaktion: Marc Fröhling und Nathalie Haidlauf
Das Lazarus-Phänomen (Auto-Reanimation) beschreibt die spontane Rückkehr des Kreislaufs, nachdem die eigentlichen Reanimationsmaßnahmen infolge eines Herzstillstandes ohne Erfolg eingestellt wurden. In der Literatur wurde das Phänomen erstmals 1982 beschrieben.
Auto-Reanimationen wurden sowohl in klinischen als auch in ambulanten Situationen beobachtet. Internationale Befragungen haben gezeigt, dass zwischen 37% und 50% der Notfall- und Intensivmediziner das Phänomen bereits erlebt haben.
Das Auftreten einer Auto-Reanimation kann belastend für medizinisches Personal und Angehörige sein und möglicherweise zur Frage führen, ob die Reanimationsmaßnahmen korrekt durchgeführt oder zu früh beendet wurden.
Ziel der im Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergengy Resuscitation veröffentlichten Studie war es, aus den Fallberichten Faktoren für das Auftreten des Lazarus-Phänomens zu identifizieren um daraus praktische Maßnahmen abzuleiten, um die Wahrscheinlichkeit des Auftretens zu minimieren.
Hierzu wurden 1.372 Publikationen untersucht, unter denen 63 Patientenfälle identifiziert wurden, in denen das Lazarus-Phänomen retrospektiv beschrieben wurde. Die Fallberichte mussten dabei den folgenden Kriterien entsprechen:
Von den 63 beschriebenen Fallberichten erreigneten sich 34 außerklinisch und 29 in stationärem Setting. Das mittlere Alter der Patienten betrug 61 Jahre. Über zwei Drittel der beschriebenen Auto-Reanimationen trat bei Patienten mit einem Alter von über 60 Jahren auf. In den meisten Fällen wurde bei Abbruch der Reanimation eine Asystolie festgestellt. Die mediane Dauer der Wiederbelebungsmaßnahmen betrug 30 Minuten. In 14 der 63 Fälle wurden die Maßnahmen weniger lang als die empfohlenen 20 Minuten durchgeführt.
In knapp der Hälfte der Fälle wurden Lebenszeichen weniger als fünf Minuten nach dem Ende der Reanimationsmaßnahmen festgestellt, weitere 22% zeigten Lebenszeichen nach 6-10 Minuten. Nur vereinzelt traten Lebenszeichen mehrere Stunden nach dem vermeintlichen Tod auf. In 22 der 63 Fälle überlebten die Patienten, 18 davon (28%) erholten sich vollständig ohne neurologische Schäden. 41 verstarben – der Großteil an hypoxischer Hirnschädigung oder aufgrund kardialer Probleme.
Dass die Herzfunktion plötzlich zurückkommt, obwohl die Versuche einer Reanimation nach Herzstillstand (EKG-Nulllinie) erfolglos blieben, ist offenbar häufiger als vermutet. Eine Untersuchung deutet darauf hin, dass eine Untererfassung des Lazarus-Phänomens besteht - und das hat unter anderem forensische Gründe. Lesen Sie hier, welche Erkenntnisse ein Review aus Fallbeschreibungen und Befragungen von Intensivmedizinern ergab.
Die Erkenntnis, dass sich in rund 30% der beschrieben Fälle die totgeglaubten Patienten wieder vollständig erholten, unterstreicht die Bedeutung des Phänomens und lenkt den Blick auf die Reanimationspraxis und die Entscheidung darüber, wann diese beendet werden sollte, sowie die Feststellung des Todes. Die Auto-Reanimation trat in den untersuchten Fällen meist nach der Herz-Lungen-Wiederbelebung infolge eines nicht-traumatischen Herzstillstandes auf.
Das internationale Autorenteam führt daher das Phänomen auf die verzögerte Wirkung medizinischer Interventionen während der Reanimation zurück, wobei ein klarer Mechanismus, der zur Autoreanimation geführt hat, nur in wenigen Fällen identifiziert werden konnte.
Aus den Schlussfolgerungen der Autoren der einzelnen Fallberichte, haben die Studienautoren fünf Maßnahmen abgeleitet, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Auto-Reanimation verringern sollen:
Als mögliche Einschränkung ihrer Arbeit geben die Autoren an, dass ältere Fälle in gedruckter Form möglicherweise nicht mehr verfügbar waren. Viele Fallberichte enthielten zu wenige Daten, um in den Review aufgenommen zu werden.
Häufig wurde auch die kontinuierliche Überwachung der Patienten nach erfolgloser Reanimation abgebrochen, wodurch der Moment, ab dem erneut Lebenszeichen auftraten, kein exakter zeitlicher Anhaltspunkt für die Rückkehr des Spontankreislaufes ist.
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Dieser Beitrag erschien erstmals im April 2021 und wurde im Mai 2025 aktualisiert.