05. September 2019

Kirchliche Kliniken: Gehälter und Arbeitsbedingungen

Die großen Kirchen sind ein wichtiger Träger in der Kliniklandschaft Deutschlands. Wie gestaltet sich die Bezahlung und welche Besonderheiten gelten bei der Arbeit in kirchlichen Häusern?

Lesedauer: 3 Minuten

Die Angaben stammen aus der Broschüre „Berufseinstieg im Krankenhaus”1 des Marburger Bundes und den Arbeitsvertragsrichtlinien für Einrichtungen, die der Diakonie Deutschland angeschlossen sind.2 Redaktion: Marc Fröhling

Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V. (KKVD)

Der Kathlolische Krankenhausverband Deutschlands e.V. in Zahlen.

Laut dem KKVD werden in Deutschland etwa 400 katholische Kliniken betrieben. Hiervon sind 59 Rehastandorte und 125 akademische Lehrkrankenhäuser. Insgesamt 200.000 Beschäftigte versorgen jährlich 3,5 Mio. Patienten stationär und weitere 5 Mio. ambulant.3

Vergütung in katholischen Einrichtungen

Der Lohn von Assistenzärzten, die ihre Karriere in einer katholischen Einrichtung beginnen, fällt mit 4.402 € im Monat etwas geringer aus als bei Kollegen, die an kommunalen, universitären oder privaten Kliniken angestellt sind. Fachärzte erhalten im ersten Jahr 5.810 €, mit mehr Berufserfahrung steigt der Lohn auf bis zu 7.462 €. Oberärzte erzielen zu Beginn ein Gehalt von 7.277 €. In leitender Funktion steigt das Gehalt ab dem 4. Berufsjahr auf bis zu 9.173 € an. Als Maßstab für die Tarife an katholischen Krankenhäusern gelten die Tarifverträge der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (TV-Ärzte/VKA). Die dargestellten Zahlen entsprechen dem vom 01.05. bis 31.12.2018 gültigen TV-Ärzte/VKA.1,2

Bereits die Entgeltanpassung im vergangenen Jahr wurde von der arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes zunächst nicht nachvollzogen. Die Entgelterhöhungen wurden schließlich mit erheblicher Verspätung in den Regionalkommissionen umgesetzt.1 Auch in der Tarifrunde 2019 stocken aktuell die Verhandlungen: Gefordert wird von Seiten der Caritas-Ärzte vor allen Dingen eine wirkungsvolle Reduzierung der Arbeitsbelastung und der Bereitschaftsdienste.4

Sonderrechte der Kirche: Bislang ist die Ärztegewerkschaft Marburger Bund daran gescheitert, tarifliche Vereinbarungen für kirchliche Krankenhäuser zu treffen, die denen in öffentlichen Krankenhäusern und privaten Kliniken entsprechen. Die Schwierigkeit: Der Kirche wird ein Sonderweg eingeräumt, der zur eigenständigen Gestaltung der Arbeitsbedingungen berechtigt. Anstelle von Tarifverträgen greifen hier Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR). Diese werden von Kommissionen erarbeitet, die sowohl von Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberseite besetzt werden. Daher kann es regional zu unterschiedlichen Tarifstrukturen kommen, die mitunter geringer ausfallen könne, als in Häusern mit einem Tarifvertrag.1

Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e.V. (DEKV)

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband e.V. in Zahlen.

In Deutschland werden derzeit 201 evangelische Krankenhäuser betrieben, die für einen Jahresumsatz von rund 10 Mrd. € sorgen. Insgesamt sind 93.000 Beschäftigte im Dienste evangelischer Kliniken tätig, davon rund 43.000 Pflegekräfte und 14.000 Ärzte. Diese versorgen jährlich über 2 Mio. Patienten stationär und 3,5 Mio. ambulant. Mit einem Marktanteil von 12 % ist jedes 8. deutsche Krankenhaus evangelisch.5

Vergütung in evangelischen Einrichtungen

Assistenzärzte an evangelischen Einrichtungen verdienen monatlich 4.472 €. Ein Facharzt erhält aktuell im ersten Jahr seiner Tätigkeit 5.903 €, mit zunehmender Erfahrung bis zu 7.581 €. Oberärzte nehmen bis zu 8.450 € ein, in leitender Funktion kann der Verdienst bis auf 9.319 € steigen.1,2

Die Zahlen gelten für Einrichtungen, die die Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschland anwenden. Regional kann die Vergütung stark nach unten abweichen.1

Arbeitsbedingungen unter kirchlicher Trägerschaft

Der Marburger Bund weist darauf hin, keinen direkten Einfluss auf die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen in kirchlichen Einrichtungen zu haben. In konfessionellen Kliniken herrschen teils schlechtere Einkommensbedingungen, auch die unterschiedliche Vergütung in Ost und West ist zu beachten.

Aus einer Befragung unter Mitgliedern des Marburger Bundes aus dem Jahr 2017 (MB-Monitor 2017) geht hervor, dass sich das Arbeitspensum in kirchlichen Häusern nicht wesentlich von dem in anderen Kliniken unterscheidet. Die Umfrage zeigt im Detail folgende Missstände:

  • Überstunden an der Tagesordnung: 70 % der Ärzte in kirchlichen Häuser arbeiten über 48 h/Woche; 26 % davon mehr als 60 h/Woche.
  • Arbeitszeiten nicht erfasst: Bei 39 % der Ärzte werden die Arbeitszeiten nicht systematisch erfasst.
  • Unbezahlte Mehrarbeit: 36 % der Ärzte erhalten für Überstunden weder Vergütung noch Freizeitausgleich.1

Besonderheit: Unter anderem geht aus dem Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte, die im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland, Westfalen und der Lippischen Landeskirche tätig sind, hervor, dass der Austritt aus der evangelischen Kirche ein wichtiger Grund zur außerordentlichen Kündigung darstellt.6

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