06. November 2020

Interview

Als Mannschaftsärztin in der Bundesliga

Dr. Kathrin Stelzer berichtet über ihre Tätigkeit als Mannschaftsärztin des Fußball-Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 und die besonderen Herausforderungen während der Coronapandemie.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Wie sind Sie an die Position als Mannschaftsärztin beim 1. FSV Mainz 05 gekommen? Seit wann arbeiten Sie dort?

Dr. Stelzer Ich habe 2009 meine Facharztweiterbildung an der Universitätsmedizin Mainz begonnen und schon im Bewerbungsgespräch gesagt, dass der Bereich Sportmedizin meine Passion sei. Der damalige Personaloberarzt war auch Sportmedizin-affin und hat dies im Hinterkopf behalten.

2012 kam die Anfrage vom 1. FSV Mainz 05, ob die Unimedizin als Ganzes die Betreuung des Vereins übernehmen möchte. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Entscheidung getroffen, dass die internistischen und orthopädischen Kollegen ihr jeweiliges Fachgebiet für den Verein abdecken. Da hat mich der Oberarzt gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen.

Welche Aufgaben übernehmen Sie bei der Mannschaft? Handelt es sich um vereinbarte Termine oder sind Sie auch am Spielfeldrand aktiv?

Dr. Stelzer Es sind verschiedene Aufgaben: die Akutversorgung (z.B. Magen-Darm-Infekte, Erkältungen, Schwächegefühl, …), es gibt einen jährlichen von der DFL vorgeschriebenen „Medical Check“ (Anamnese, körperliche Untersuchung, Laboruntersuchung, Ultraschall, EKG, Belastungsuntersuchungen, …) und zusätzlich quartalsweise Laboruntersuchungen.

Von internistischer Seite sind wir bei Heimspielen mit am Spielfeldrand, die Auswärtsspiele werden ausschließlich von Orthopäden betreut. Dabei geht es um akute Erkrankungen oder wenn Spieler in die Klinik begleitet werden müssen. Außerdem übernehmen wir Dopingkontrollen.

Seit der vergangenen Saison ist meine Zusatzaufgabe, und mittlerweile meine Haupttätigkeit, die der Hygienebeauftragten.

Wie wirken sich die aktuellen Corona-Maßnahmen auf Ihre Tätigkeit aus?

Dr. Stelzer Von den mannschaftsärztlichen Tätigkeiten habe ich mich zurückgezogen, da die Aufgaben als Hygienebeauftrage sehr weitreichend sind. Der Verein besteht nicht nur aus der Profiabteilung, sondern auch aus einem Nachwuchsleistungszentrum mit ca. 350 Nachwuchsfußballern. Dazu kommen Abstellungen in die verschiedenen Nationalmannschaften in allen Altersklassen. Alle Lizenzspieler werden regelmäßig auf SARS-CoV-2 getestet.

Welche besonderen Herausforderungen gibt es bei der Behandlung von Fußballprofis?

Dr. Stelzer Natürlich steht die Gesundheit des Spielers im Vordergrund, aber es ist so, dass die Spieler spielen wollen und auch sollen. Hier muss man ein Mittelmaß finden, ohne die Gesundheit der Sportler zu gefährden. Dies ist jedoch aufgrund der vorhandenen medizinischen Fachabteilung und den Behandlungsmöglichkeiten anders als bei Hobbysportlern, denen man eine längere Sportpause verordnen kann.

Ganz aktuell sind dies vor allem Infektionskrankheiten. Hier muss für alle Beteiligten (Spieler, Trainer, Staff, …) die Sicherheit gewahrt bleiben. Es werden engmaschige klinische Kontrollen durchgeführt und viel im Labor überprüft. Anhand verschiedener Parameter (z.B. Herzratenvariabilität, BIA-Messung, …) können wir einschätzen, ob der Körper noch unter Stress leidet, auch wenn der Spieler sagt, es gehe ihm wieder gut.

Wir wissen, dass Infektionskrankheiten Muskelverletzungen triggern können. Eine zu frühe Return-to-play-Entscheidung kann im schlimmsten Fall im Verlauf zu einer schwerwiegenden Muskelverletzung führen.

In welchen Sprachen kommunizieren Sie mit den Spielern? Gibt es Dolmetscher?

Dr. Stelzer Englisch ist meist kein Problem, der eine oder andere Kollege spricht Spanisch oder Französisch. Prinzipiell kann man sich fast immer verständigen, bei Kommunikationsschwierigkeiten können wir hervorragend mit unseren Dolmetschern zusammenarbeiten. Die Spieler lernen auch schnell die deutsche Sprache.

Welche Verletzungen/Krankheiten behandeln Sie am häufigsten?

Dr. Stelzer Ich möchte nur für die internistische Seite sprechen. Für uns sind vor allem die viralen Infekte (Husten, Schnupfen, Heiserkeit, auch Magen-Darm-Erkrankungen) relevant, gerade im Frühjahr ab und zu auch Allergien.

Gibt es Probleme bei der Medikation aufgrund der Anti-Doping-Gesetze?

Dr. Stelzer Wir kennen das Anti-Doping-Reglement und setzen dieses konsequent um. Zusätzlich sichern wir uns bei den verordneten Medikamenten über die NADA-App ab. Die Spieler sind auch so gut informiert, dass sie sich melden und nachfragen, ob sie Präparate nehmen dürfen, wenn sie sich zum Beispiel im Ausland aufhalten. Das funktioniert gut. Sollte es im dringenden Fall notwendig sein, ein Präparat der Dopingliste zu verordnen, erfolgt umgehend eine Meldung an die NADA und eine enge Zusammenarbeit.

Wenn es um Nahrungsergänzungsmittel oder ähnliches geht, schauen wir, dass diese auf der „Kölner Liste“ stehen, um keine Gefahr zu laufen, dass irgendwelche verbotenen Zusatzstoffe enthalten sind. Damit wäre man auch im Fall einer positiven Dopingprobe abgesichert.

Wie läuft ein Medizin-Check vor der Verpflichtung eines neuen Spielers ab?

Dr. Stelzer Dieser erfolgt analog der Vorgaben der DFL. Wie oben bereits beschrieben, unterscheiden sich diese Untersuchungen nicht von den jährlichen Check-Up Untersuchungen. Das heißt, wir machen einen ausführliche Anamnese, nehmen Blut ab, schreiben ein Ruhe-EKG, führen ein Ultraschall durch und es erfolgt eine Belastungsuntersuchung. Orthopädisch erfolgt die routinemäßige Untersuchung, zusätzlich wird meist noch eine Bildgebung ergänzt.

©fotografiecorinnamamok
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Dr. med. Kathrin Stelzer ist Internistin, Kardiologin und Sportmedizinerin. Nach 11 Jahren im klinischen Setting erfolgt nun der Schritt in die eigene Praxis. Als Hygienebeauftragte des 1. FSV Mainz 05 unterstützt sie den Verein im Rahmen der Covid-19-Pandemie.

Bildquelle: © Getty Images/Zentangle

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