05. Februar 2021

Interview zu Helicobacter pylori

“Gute Chancen die Mortalität zu senken”

Aggressive Hemmung der Thrombozytenfunktion hat bei Patienten mit akutem Herzinfarkt unter anderem zu einer signifikanten Verbesserung der Prognose im Hinblick auf wiederholte kardiovaskuläre Erkrankungen und Tod geführt, allerdings treten auch deutlich häufiger Blutungen auf. Das Risiko für Blutungen im oberen Magendarmtrakt ist erhöht, wenn gleichzeitig eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt.

Lesedauer: 4 Minuten

Interview: Dr. Marko Silvestric-Scheel

Die HELP-SWEDEHEART-Studie

Es ist derzeit unklar ob ein systematisches Screening auf Helicobacter pylori bei Herzinfarktpatienten und eine Eradikationstherapie bei positivem Hp Nachweis die Prognose nach einem Herzinfarkt verbessert.

In der „HELicobacter Pylori screening to prevent gastrointestinal bleeding in patients with acute myocardial infarction – A cluster-randomized cross-over clinical trial based on the SWEDEHEART registry (HELP-SWEDEHEART)“ Studie werden 40 Krankenhäuser in Schweden zu einer Periode mit Helicobacter pylori Diagnostik und Behandlung, oder eine gleichlangen Observationsperiode davor oder danach randomisiert.

Der Hauptendpunkt der Studie ist die Inzidenz von Blutungen im oberen Magendarmtrakt, sekundäre Endpunkte sind Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse. Innerhalb von 3 Jahren wird die Teilnahme von 20.000 Herzinfarktpatienten erwartet.

Studienleiter Dr. Dr. Robin Hofmann beantwortet die wichtigsten Fragen zur Studie.

Was ist die zentrale medizinische Fragestellung, die in dieser Studie beantwortet werden soll?

Hofmann: Wir wollen herausfinden ob man mit systematischer Helicobacter pylori Diagnostik aller Patienten mit akutem Herzinfarkt und Eradikationsbehandlung der Infizierten das Risiko von Blutungen im oberen Magendarmtrakt sowie das Risiko von neuen kardiovaskulären Ereignissen inklusive Tod reduzieren kann, um damit die Prognose dieser Patienten zu verbessern.

Wie wird das Problem der Magenblutung heute behandelt?

Hofmann: Nach internationalen Richtlinien sollten Patienten mit einem Risiko für gastrointestinale Blutungen mit Protonpumpenhemmern behandelt werden. Ein Nachteil dabei ist die Langzeitbehandlung mit diesen Präparaten, die in Studien zum Teil mit unerwünschten Effekten (erhöhtes Risiko für Infektionen und Entwicklung von Demenz, kardiovaskulären Ereignissen und Nierenversagen) behaftet waren.

Ist damit das Ziel der Studie die Mortalität zu senken oder die lebenslange PPI Therapie in eine einmalige Therapie umzuwandeln?

Hofmann:Gelingt es uns zu beweisen, dass wir mit unserer Strategie sowohl das Risiko für Blutungen im oberen Magendarmtrakt als auch das Aufkommen von neuen kardiovaskulären Ereignissen reduzieren, haben wir eine gute Chance sogar die Mortalität zu beeinflussen, was natürlich außerordentlich wäre. Die effektivere Anwendung von PPI mit geringerem Risiko von unerwünschten Effekten bei Langzeitanwendung wäre auch ein positiver Endpunkt der Studie.

Wie ist die Studie aufgebaut?

Hofmann:Allen Patienten mit akutem Herzinfarkt wird während des stationären Aufenthalts ein bedside H.p. Atemtest angeboten. Bei Patienten mit positivem Test wird direkt die Eradikationsbehandlung eingeleitet. Sowohl Testresultat als auch Eradikationsbehandlung werden als neue Parameter ins nationale Herzinfarktregister SWEDEHEART aufgenommen. Alle Patienten werden zum Hausarzt zur H.p. Kontrolle nach 6 Wochen überwiesen. Die Studienendpunkte werden durch Abstimmung mit landesweiten Registern (Todesursachenregister, Diagnosenregister, Arzneimittelregister, Sozialregister) erhalten. 

Warum ist der H.p. Bedside vorzuziehen?

Hofmann:Der bedside H.p. test als Teil der Herzinfarktroutinebehandlung hat mehrere Vorteile: Er ist einfach vom normalen Personal durchzuführen, ist für den Patienten risikofrei und man erhält das Ergebniss direkt – im Gegensatz zum Beispiel zu einer H.p.-Antigen Stuhlananalyse. Im Gegensatz zur Serologie wird dadurch eine akute Infektion nachgewiesen.

Warum haben sie sich für den 10-Minuten UBT Test Diabact entschieden?

Hofmann:Der 10-Minuten UBT Test Diabact hat wie oben beschrieben optimale Voraussetzungen in die Routinebehandlung nach Herzinfarkt aufgenommen zu werden. Im Durchschnitt beträgt der stationäre Aufenthalt nach Herzinfarkt in Schweden 3 Tage und damit ist die Zeit für zusätzliche diagnostische und therapeutische Einsätze begrenzt.

Sie haben bereits eine Feasibility Studie durchgeführt – Wie war diese aufgebaut und was sind die ersten Ergebnisse gewesen?

Hofmann:Um eine aktuelle Schätzung der H.p. Prävalenz bei Herzinfarktpatienten zu erhalten und das beschriebene Studiendesign zu testen haben wir eine 3-monatige Feasibility Studie an 2 Universitätskrankenhäusern in Stockholm durchgeführt. Wir testeten 310 Patienten von denen 20% H.p. positiv waren. Ein Wert, der ungefähr dem doppelten der Normalbevölkerung entspricht. Das Studienkonzept funktionierte problemlos als Teil der Routine und wurde sehr positiv sowohl von Patienten als auch dem Personal aufgenommen.

Basierend auf der Vorstudie: Was für Verbesserungen in der Behandlung von Myokardinfarktpatienten erwarten sie?

Hofmann:Es ist offensichtlich das Herzinfarktpatienten zu einem bedeutenden Anteil mit H.p. infiziert sind und damit ein hohes Risiko haben, zu bluten. Eine Blutung an sich ist schon mit einem hohen Risiko für Morbidität und sogar Mortalität verknüpft, führt darüber hinaus aber auch häufig zum Absetzen von Thrombozyten-Inhibitoren und/oder Antikoagulation was ein erhöhtes Risiko für ischämische Ereignisse mit sich bringt.

Sieht man das Risiko im Kontrast zu einem einfachen, ungefährlichen Test und einer gut etablierten Standardtherapie, gibt es hier ein sehr gutes Potenzial, um die Behandlung und Prognose dieser Patienten zu verbessern.  

Wie könnte diese Verbesserung flächendeckend implementiert werden?

Hofmann:Sollte unsere Studie positive Resultate ergegeben, könnte der bedside UBT leicht in die klinische Routiene eingebaut werden – unabhängig davon an welcher Art von Krankenhaus der Patient versorgt wird.

Wäre eine präventive H.p. Diagnostik und Eradikation einer H.p. Infektion ratsam?

Hofmann:Schon heute ist es nach internationalen Richtlinien (Maastricht V/Florence Consensus Report) empfohlen, Patienten mit Aspirin Monotherapie, Patienten mit Kombinationsbehandlung von Aspirin und anderen Thrombozyten-Inhibitoren (Standardbehandlung bei Vorhofflimmern) und/oder Antikoagulation, für H.p. zu testen und im gegebenen Fall eine Eradikationstherapie durchzuführen. Diese Empfehlung wird aber bisher noch nicht effektiv umgesetzt und unsere Studie kann möglicherweise die bisher begrenzte wissenschaftliche Datenlage verbessern. 

Dr. med. Dr. rer. nat. Robin Hofmann ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und arbeitet als Oberarzt an der Abteilung für Kardiologie am Södersjukhuset in Stockholm. Außderdem ist er in der Forschung am Karolinska Institutet, Department of Clinical Sciences and Education, Division of Cardiology, Södersjukhuset in Stockholm tätig.

Diabact® UBT 50 mg Tabletten. Wirkstoff: 13C-Harnstoff. Zus.: 1 Tbl. enth.: 13C-Harnstoff 50 mg (angereichertes, stab. Isotop). Sonst. Bestandteile: Citronensäure H2O-frei, hochdisp. Siliciumdioxid, Croscarmellose-Natrium, mikrokrist. Cellulose, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Talkum. Anw.: In-vivo-Diagnose gastroduodenaler prim. od. anhalt. Infekt. m. H. pylori. Gegenanz.: Pat. m. einer dokumentierten od. vermuteten gastr. Infekt., die sich stör. auf den Harnst.-Atemtest auswirken kann. Überempfindlichk. gegen den Wirkstoff od. einen d. sonst. Bestandteile. Anw.-beschränk.: Es liegen nicht genüg. Daten vor, um d. Verw. b. Pat. m. einer partiellen Gastrektomie u. b. Pat. <18 J. empf. zu können. Schwang./Stillz.: Kann angewandt werden. Nebenw.: Vereinzelt: Magenschm., Erschöpf., Parosmie. Wechselw.: D. Testergebn. kann beeinfl. werden durch gleichz. od. gerade abgeschlossene Behandl. m. Antibiotika od. Protonenpumpenhemmern sowie allg. durch alle Behandl.-maßn., die sich auf den Status v. H. pylori od. d. Ureaseaktivität auswirken. D. Test darf erst verwendet werden, wenn mind. 4 Wo. o. system. antibakt. Ther. u. mind. 2 Wo. seit d. letzten Dos. eines säuresekretionshemm. Mittels verstrichen sind. Dies ist bes. wichtig nach einer Eradikat.-ther. Warnhinw.: Ein pos. Harnst.-Atemtest ist noch keine klin. Bestätig. dafür, dass eine Eradikat.-ther. indiz. ist. Alternative diagn. Maßn. m. invasiv-endoskop. Methoden können indiz. sein, um ein mögl. Vorhandensein sonst. Komplikat., wie Magengeschwüre, Autoimmungastritis od. maligne Prozesse, abzuklären. D. Tbl. ist unzerkaut zu schlucken. Zerkaut d. Pat. d. Tbl., ist d. Test zu wiederholen (am darauffolg. Tag). Hinweis: D. Test soll in Gegenwart einer qualifizierten Person durchgeführt werden. Es ist sicherzustellen, dass ein zugelassenes u. zertifiziertes Labor d. Analyse d. Atemproben durchführt. Dos.: Pro Test 1 Tbl. als Einmaldos. D. Pat. soll vor dem Test mind. 6 Std. fasten. Zu Testbeginn wird eine Atemprobe genommen, anschl. wird d. Tbl. unzerkaut m. 1 Glas Wasser geschluckt. Nach 10 Min. wird eine weit. Atemprobe genommen. Verschreibungspflichtig. Weit. Hinw. s. FI. Stand: März 2020. Pharmazeutischer Unternehmer: Laboratoires Mayoly Spindler, 6 Avenue de l’Europe, 78400 Chatou, Frankreich

Bildquelle: © Getty Images/K_E_N
Dr. Dr. Robin Hofmann

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