01. April 2020

Covid-19 in der Klinik

Überblick Hygiene & Personalmanagement

Während die Covid-19-Patienten in den Kliniken behandelt werden, gilt es das Personal so gut wie möglich zu schützen. Lesen Sie hier eine Übersicht über die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der Fachgesellschaften.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

Jeder Mundschutz ist besser als keiner

Vielerorts geht der Vorrat an Schutzausrüstung zur Neige. Da die bei engem Kontakt mit Covid-19-Patienten empfohlenen FFP2/3-Masken oft nicht zur Einmalverwendung ausreichen, müssen Alternativen her. Leider weisen alle Alternativen ein erhöhtes Infektionsrisiko auf, doch, in den Worten der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene: „Jede Maske hat mehr Schutzwirkung für Träger und Gegenüber als keine Maske!“1

In ihrer Pressemitteilung vom 29.03.2020 stellt sie klar, dass bei Mangel an adäquaten Masken (FFP2-3) auf die jeweils weniger schützende Maske umgestellt werden sollte (Mund-Nasen-Schutz).
Als letzte Antwort auf das Fehlen von Mund-Nasen-Schutzmasken kommt dann auch eine Textilmaske in Betracht. Diese werden zur Zeit von vielen privaten Schneiderinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Internet zum Kauf angeboten. (Eine Anleitung zum Nähen finden Sie hier.)

Welche Maske wofür?

Ein Mund-Nasen-Schutz fängt Tröpfchen auf und kann laut Robert Koch-Institut das Übertragungsrisiko bei Patientenkontakt verringern. Optimalerweise wird bei einer ärztlichen oder pflegerischen Tätigkeit an Covid-19-Patienten eine FFP2-Maske verwendet. Letztere schützt nur den gesunden Träger vor einer Infektion. Um Kollegen und Patienten von einer eigenen, symptomfreien Infektion zu schützen, ist ein Mund-Nasen-Schutz angemessen, eine FFP-Maske hingegen nicht.

Wiederverwendung des Schutzmaterials

Es ist wichtig, dass das Personal im An- und Abziehen der gebrauchten Masken geschult ist. Der Marburger Bund stellt dar, wie man mit einer FFP-Maske umgehen sollte, um sie weiter verwenden zu können und erklärt auch das korrekte Abziehen des Schutzkittels. In den MedHacks von coliquio finden Sie ein Video zum Auf- und Absetzen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Masken sollten nicht länger als 8 Stunden lang gebraucht werden, also innerhalb einer Schicht.2 So funktioniert nach RKI-Empfehlungen ein sparsamer Umgang mit Schutzmasken.

Isolationszimmer einrichten3

Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion sollten stets in einem Einzelzimmer mit einer eigenen Nasszelle untergebracht werden. Im Optimalfall ist das Zimmer mit einem Vorraum bzw. einer Schleuse ausgestattet. Dabei ist es wichtig, dass in dem Zimmer die Lüftungstechnik kontrolliert wird. Es sollte keine Luft aus dem Zimmer auf den Gang oder in andere Zimmer geblasen werden. Außerdem sollte bedacht werden, dass eine starke Lüftung auch Aerosole aufwirbelt.

Für die Möglichkeit einer Isolierung mehrerer Patienten pro Zimmer verweist das RKI auf die 2015 veröffentlichen Empfehlungen zur Infektionsprävention. Diese Kohortenisolierung ist möglich, wenn es sich um den gleichen Erreger handelt und keine anderen Gründe dagegensprechen. Dazu gehören ein supprimiertes Immunsystem eines Patienten, sowie ein zweiter übertragbarer Erreger, der zu einer Superinfektion führen kann. (Weitere Details finden Sie im verlinkten Dokument ab Seite 8).

Personalmanagement

Ärzte und Pflegende, die Covid-19-Patienten versorgen, sollten keine anderen Patienten versorgen. Optimalerweise bestehen festgelegte Teams, die möglichst wenig mit anderen Teams in Kontakt kommen. Wie sich das Universitätsklinikum Jena auf die Epidemie vorbereitet, erfahren Sie im Interview mit PD. Dr. Johnnes Winning.

Es stellt sich die große Frage, wie man damit umgehen sollte, wenn Mitarbeiter der Klinik selbst mit SARS-CoV-2 infiziert werden, während bereits ein deutlicher Personalmangel herrscht. Das Robert Koch-Institut empfiehlt dann, dass der oder die Betroffene keine Patienten mehr versorgt, bis seit mindestens 48 h keine Symptome mehr bestehen und zwei Tests im Abstand von 24 h negativ ausfallen.4

Es sollte nur im absoluten Ausnahmefall weitergearbeitet werden. Der Mitarbeiter sollte dann ausschließlich Covid-19-Patienten versorgen. Dabei ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen und auf eine strenge Handhygiene zu achten.4
Ein übersichtliches Flussschema zum Umgang mit möglichen Infektionen bei medizinischem Personal finden Sie auf der Seite des RKI.

Transport innerhalb des Krankenhauses3

Bei einer Verlegung innerhalb des Hauses sollte der Patient, falls möglich, einen Mund-Nasen-Schutz tragen, das beteiligte Personal eine komplette Schutzausrüstung aus Schutzkittel, mindestens einem Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe sowie bei der Gefahr der Aerosolbildung auch eine Schutzbrille. Ist der Patient an Covid-19 erkrankt, ist eine FFP2-Maske optimal, wenn vorhanden.

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