01. April 2021

Herzinfarkt ohne klassische Risikofaktoren

Sterblichkeit ist deutlich erhöht

Gar nicht so selten entwickelt sich ein Herzinfarkt bei Patienten, die keine der bekannten Risikofaktoren wie Hypertonie, Hypercholesterinämie, Rauchen oder Diabetes aufweisen. Nach den Ergebnissen einer schwedischen Registerstudie scheint die Prognose dieser vermeintlich gesünderen Patienten paradoxerweise schlechter zu sein als bei den typischen Herzinfarkt-Kandidaten mit zahlreichen kardiovaskulären Risikofaktoren.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Analyse aus Schweden

Prof. Gemma A. Figtree von der Universität Sydney und Kollegen haben retrospektiv das SWEDEHEART-Register ausgewertet, das alle Herzinfarkt-Patienten in Schweden einschließt. Bei 9.228 von insgesamt 62.048 erfassten Patienten (14,9 %) mit einem ersten ST-Hebungs-Infarkt (STEMI) war keiner der üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren zu eruieren.

In dieser Patientengruppe fiel überraschenderweise eine deutlich höhere 30-Tage-Mortalität auf als bei Betroffenen mit typischen Risikofaktoren (HR 1,47). Auffällig war, dass dies vor allem Frauen betraf, von denen 17,6 % in diesem Zeitraum verstarben (im Vergleich zu 11,1 % der Frauen mit klassischen Risikofaktoren). Männer hatten in beiden Gruppen eine niedrigere Mortalität (9,3 vs. 6,1 %). Die erhöhte Gesamtmortalität der vermeintlichen Niedrigrisiko-Patienten war bei Männern noch bis zu acht Jahre und bei Frauen bis zu 12 Jahre nach dem Infarkt nachweisbar.

Lücken bei der leitliniengerechten Pharmakotherapie

Bei der weiteren Analyse stießen die Wissenschaftler auf eine mögliche Ursache für die erhöhte Sterblichkeit: Betroffene ohne Risikofaktoren erhielten zwar genau so häufig perkutane Koronarinterventionen – es wurde aber bei Entlassung deutlich seltener die nach Herzinfarkt empfohlene Medikation mit ACE-Inhibitoren, Aldosteron-Antagonisten, Betablockern und Statinen verschrieben. Wurde dieser Unterschied berücksichtigt, war kein Unterschied in der Sterblichkeit mehr nachweisbar.

Die Autoren vermuten daher, dass der Verzicht auf die leitliniengerechte Pharmakotherapie wesentlich zur erhöhten Sterblichkeit der Herzinfarkt-Patienten ohne klassische Risikofaktoren beiträgt. Unabhängig von dem Risikostatus sollte bei jedem Postinfarkt-Patienten eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

  1. Gemma A. Figtree et al; Mortality in STEMI patients without standard modifiable risk factors: a sex-disaggregated analysis of SWEDEHEART registry data; Lancet 2021; 397: 1085-1094.

Bildquelle: © gettyImages/wildpixel

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