08. Dezember 2021

So steht es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Arztberuf

Lesen Sie im zweiten Teil der Umfrage-Ergebnisse, wie häufig Verwechslungen mit dem Pflegepersonal vorkommen, wer sich in erster Linie um die Kinder kümmert oder für die Karriere auf diese verzichtet und welche Auswirkungen die Covid-19-Pandemie hat.1

Lesedauer: 3 Minuten

„Sind Sie die Krankenschwester oder die Ärztin?“

Wie oft passiert es Ihnen, dass Patienten Sie als Ärztin oder Arzt fälschlicherweise für eine beruflich geringer qualifizierte Person halten, etwa für eine Pflegekraft?

Traurig, aber immer noch wahr: Wenig überraschend hatten 33% aller Frauen, jedoch nur 3% der Männer oft solche Erfahrungen gemacht. Gelegentlich kam dies bei 23% aller Männer und bei 48% aller Frauen vor. Ganz klar zeigen sich hier festgefahrene Rollenklischees. Eine Frau ist sicherlich die Krankenschwester, MFA bzw. MTA; ein Mann ist Arzt.

Entscheidung für die Medizin und gegen Kinder?

Gefestigte Rollenmuster zeigen sich auch bei der Frage, ob die Entscheidung für den Arztberuf gleichzeitig die Familienplanung beeinflusst hat. Das bejahten nur 15% aller Männer, jedoch 46% aller Frauen. 90% der Männer bzw. 94% der Frauen mussten eigenen Angaben zufolge Kompromisse im Familien- oder Privatleben machen, um dem Beruf gerecht zu werden.

Von allen Umfrageteilnehmern gaben 45% der Männer und 44% der Frauen an, mit eigenen Kindern im Haushalt zu leben. Weitere 41% bzw. 23% hatten eigene, beispielsweise ältere Kinder, die nicht im Haushalt waren. Und 16% bzw. 34% gaben an, keine Kinder zu haben (Daten nicht dargestellt).

Wenn das Kind krank ist, bleibt meist die Mutter zu Hause

Alteingefahrene Rollenmodelle zeigen sich auch bei der Frage, wer kranke Kinder zu Hause betreut. „Ich selbst“ kreuzten nur 3% der Männer, jedoch 32% der Frauen an. Bei 69% aller Männer ist es die Partnerin, bei 23% aller Frauen der Partner. Beide Elternteile nehmen die Verantwortung eher selten zusammen wahr (21% aller Männer bzw. 26% aller Frauen berichten dies). Auf Babysitter, Freunde oder andere Familienmitglieder setzen nur 6% der Männer und 19% der Frauen.

Doch was tun Paare, falls sie bei unvorhersehbaren Notfällen oder  Problemen den Arbeitsplatz verlassen müssen? Die Antworten sind recht unterschiedlich. In einigen Beziehungen bringen sich die Partner gleichermaßen ein; das geben 26% der Männer und 22% der Frauen an. Oft fährt die Person mit  kürzerer Fahrstrecke los (18% versus 16%) – oder die Person mit der niedrigeren Stufe auf der Karriereleiter macht sich auf den Weg (15% versus 12% der  Nennungen).

Nur 20 Prozent der Männer planen und nehmen Elternzeit

Medscape hat alle Ärztinnen und Ärzte mit Kindern auch zum Thema Elternzeit befragt. Wenig erstaunlich nahmen nur 20% aller Männer, jedoch 72% aller Frauen, diese familiäre Auszeit. Wer sich gegen eine Elternzeit entschieden hat, tat das aus recht unterschiedlichen Gründen – teilweise aus Angst vor einem Karriereknick oder vor Gehaltsverlusten, teilweise aber auch, weil es andere Möglichkeiten der Kinderbetreuung gab.

Unter allen Teilnehmern der Umfrage lebten 16% der Männer und 23% der Frauen in einer Partnerschaft; 76% bzw. 54% waren verheiratet und 7% bzw. 23% Singles.

Gerechter durch die Krise?

Noch ein Blick auf die Auswirkungen der Pandemie im Alltag der Ärzte. Hat sich die Gleichberechtigung der Geschlechter speziell im Medizinbetrieb aufgrund der Pandemie verschlechtert?

84% aller Männer und 60% aller Frauen konnten keinen Unterschied im Vergleich zu früheren Zeiten feststellen. Nachteile für Frauen haben 10% der Männer und 40% der Frauen angegeben. Eine Verschlechterung für Männer gaben 7% der Männer, aber 0% der Frauen an.

Dieser Beitrag ist im Original erschienen bei Medscape.

  1. Gottschling C & van den Heuvel M. Report: So schlecht steht es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Arztberuf – die Ergebnisse der Medscape-Umfrage. Medscape, 23.11.2021

Bildquelle: © Getty Images/RUNSTUDIO

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