15. Januar 2021

Steuern und Finanzen 2021: Das ändert sich für Ärzte

Im neuen Jahr gibt es wieder Änderungen, die sich auch auf die Finanzen von Ärzten auswirken können. Wir geben einen Überblick über einige Neuerungen.

Lesedauer: 3 Minuten

Steuern

  • Der steuerliche Grundfreibetrag steigt für 2021 um 336 Euro auf 9744 Euro im Jahr. Für Verheiratete bleibt doppelt so viel vom Einkommen steuerfrei, also 19.488 Euro. Außerdem greifen die steigenden Steuersätze erst bei etwas höherem Einkommen. Der Spitzensteuersatz von 45 Prozent ist erst ab 274.613 Euro zu versteuerndem Einkommen fällig statt ab 270.501 Euro wie 2020.

  • Pandemie-bedingt lag der Regelsteuersatz in den vergangenen Monaten bei 16 Prozent; der ermäßigte Steuersatz schlug mit fünf Prozent zu Buche. Die Zielsetzung lag darin, die Konjunktur trotz Krisensituation zu unterstützen und damit die Wirtschaft zu stärken. Ab Januar gelten jedoch wieder die regulären Mehrwertsteuersätze von 19 auf die meisten Güter und 7 Prozent auf Waren des täglichen Bedarfs.

  • Die Sprit-, Gas- und Heizölrechnung wird für Verbraucher im kommenden Jahr tendenziell höher ausfallen. Unternehmen wie Raffinerien, die Benzin, Diesel oder Heizöl verkaufen, müssen je Tonne des Treibhausgases zunächst 25 Euro zahlen. Der Preis kann im Jahresverlauf sogar noch ansteigen. Fossile Energien sollen so verteuert und klimaschonende Alternativen begünstigt werden. Der Mineralölwirtschaftsverband rechnet damit, dass die Kosten beim Tanken insgesamt um zehn bis elf Cent pro Liter steigen.

    Neuer Kfz-Steuertarif: Seit Anfang des Jahres müssen Käufer neuer Autos mit hohem Spritverbrauch und hohem CO2-Ausstoß tiefer in die Tasche greifen. Das gilt für alle Fahrzeuge, die ab Januar 2021 erstmalig zugelassen werden. Für emissionsarme Pkw bis zum Schwellenwert von 95 Gramm Kohlendioxidausstoß pro Kilometer gibt es einen neuen Steuerfreibetrag von jährlich 30 Euro – längstens fünf Jahre. Die Kfz-Steuer für Elektroautos beträgt weiterhin 0 Euro. Das gilt bis Ende 2030.

  • Für 90 Prozent der Steuerzahler fällt dieses Jahr der Solidaritätszuschlag vollständig weg. Die Freigrenze, bis zu der kein Solidaritätszuschlag anfällt, wird von heute 972 Euro auf 16.956 Euro der Steuerzahlung angehoben, sodass bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 61.717 Euro zukünftig kein Soli mehr fällig wird. An die neue deutlich ausgedehnte Freigrenze schließt sich eine sogenannte Milderungszone an.

    Wie bereits heute verhindert sie, dass sofort auf den vollen Steuerbetrag Soli erhoben wird. Davon profitieren weitere 6,5 Prozent der Soli-Zahler. Die Milderungszone gilt für zu versteuernde Einkommen bis 96.409 Euro. Für Verheiratete verdoppeln sich diese Beträge. Wie hoch Ihre Steuerentlastung voraussichtlich ausfällt, errechnet der Soli-Rechner des Ministeriums.

  • Für Zuwendungen bis zu 200 Euro genügte bisher als steuerlicher Spendennachweis ein Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank. Damit war eine Spendenbescheinigung nicht mehr erforderlich. Die Grenze für solche Spenden steigt zum 1. Januar 2021 auf 300 Euro.

  • 2021 wird der Zusatzbeitrag bei vielen Krankenkassen steigen. Als Richtwert hat das Gesundheitsministerium einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,3 Prozent festgelegt – 0,2 Prozentpunkte mehr als in 2020. Damit liegt der Gesamtbeitragssatz dann grundsätzlich bei 15,9 Prozent im Jahr 2021. Im Jahr 2020 waren es 15,7 Prozent.

    Wechsel der gesetzlichen Krankenkassen wird leichter

    Die Mindestvertragslaufzeit – die sogenannte Bindungsfrist – wird im neuen Jahr von bisher 18 Monaten auf 12 Monate runtergesetzt. Spätestens nach Ablauf dieser Zeit kann man normalerweise die gesetzliche Krankenkasse wechseln.

    Bei einem Wechsel muss nur noch der Beitritt zur neuen Krankenkasse erklärt werden. Kündigungsschreiben, Warten auf die Kündigungsbestätigung und deren Vorlage bei der neuen Krankenkasse entfallen künftig. Die neue Krankenkasse informiert die bisherige Krankenversicherung elektronisch über die Kündigung. Tritt jemand vollständig aus dem gesetzlichen Krankenversicherungssystem aus, gelten Besonderheiten.

Familien

  • Ab dem 1. Januar 2021 erhalten Eltern mehr Kindergeld. Eltern erhalten monatlich 15 Euro mehr Kindergeld pro Kind. Das ist der größte Anstieg dieser Leistung seit 2010. Für eine Familie mit 2 Kindern bedeutet dies 360 Euro zusätzlich pro Jahr.

    Ab dem 1. Januar 2021 gelten folgende monatliche Beträge:

    • Erstes und zweites Kind: 219 Euro
    • Drittes Kind: 225 Euro
    • Viertes und jedes weitere Kind: 250 Euro

    Höher sind auch die Kinderfreibeträge. Jeder Elternteil erhält 2730 Euro Kinderfreibetrag plus 1464 Euro Betreuungsfreibetrag je Kind. Für beide Eltern sind das insgesamt 8 388 Euro, 576 Euro mehr als 2020.

    Alleinerziehende erhalten wie bereits 2020 zusätzlich einen Freibetrag, wenn zu ihrem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag erhalten wird und wenn im Haushalt kein weiterer Erwachsener lebt. Den Freibetrag von 2100 Euro für alleinerziehende Mütter und Väter gibt es auch 2021 – zusätzlich zu 1908 Euro Entlastungsbetrag. Der Entlastungsbetrag für das zweite und jedes weitere Kind beträgt weiter 240 Euro.

    Der Kinderzuschlag, der zusätzlich zum Kindergeld an Familien mit geringem Einkommen gezahlt wird, erhöht sich ebenfalls zum 1. Januar 2021. Er beträgt dann bis zu 205 Euro pro Kind im Monat. Das ist eine Steigerung von 20 Euro.

  • Im neuen Jahr wird das Elterngeld neu geregelt. Für alle Eltern, deren Kinder ab dem 1. September 2021 geboren werden, gilt dann unter anderem:

    • Neue Höchstarbeitszeit: Um Elterngeld beziehen zu können, durften Sie bislang nicht mehr als 30 Wochenstunden im Lebensmonatsdurchschnitt arbeiten. Diese Grenze wird nun auf 32 Wochenstunden im Lebensmonatsdurchschnitt hochgesetzt. Dadurch ist dann auch eine 4-Tage-Arbeitswoche möglich.
    • Anspruch auf “Frühchenmonat”: Eltern, deren Kind mindestens 6 Wochen vor dem eigentlichen Entbindungstermin geboren werden, haben künftig einen neuen gesetzlichen Anspruch auf einen weiteren Monat Basiselterngeld bzw. auf 2 weitere ElterngeldPlus-Monate.  
    • Mehr Partnerschaftsbonusmonate: Um beiden Elternteilen den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Geburt zu erleichtern, gibt es sogenannte Partnerschaftsmonate. Wollen sich die Eltern Geldverdienen und Kindererziehung untereinander aufteilen, können sie künftig beide, parallel 4 zusätzliche Monate ElterngeldPlus beziehen.

    Weitere Informationen zum Elterngeld finden Sie beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

  • Das Baukindergeld wird corona-bedingt um drei Monate verlängert. Die Förderung gibt es nun für Bauherren und Immobilienkäufer, die bis Ende März 2021 den notariellen Kaufvertrag abschließen oder eine Baugenehmigung haben. Wer ein Eigenheim baut, muss bis dahin eine Baugenehmigung haben. Nach dem Einzug in die neue Wohnung bleiben längstens sechs Monate Zeit, Baukindergeld zu beantragen. Es gilt das Datum der Melde­bestätigung. Die Frist sollte unbedingt eingehalten werden. Mehr Informationen dazu finden Sie bei Stiftung Warentest (24.09.2020).

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

  • Ärzte, die Mitarbeiter mit geringer Qualifikation beschäftigen und gegebenenfalls nach Mindestlohn bezahlen, müssen darauf achten, dass der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar von bisher 9,35 Euro pro Stunde auf 9,50 Euro steigt. Bis Mitte 2022 ist eine stufenweise weitere Erhöhung bis auf 10,45 Euro vorgesehen. Auch die Branchenmindestlöhne steigen. Bei den Pflegekräften etwa liegt er dann bei 11,35 Euro (West) statt 11,05 Euro und 10,85 Euro (Ost) statt 10,55 Euro. Weiterhin keinen Anspruch auf Mindestlohn haben unter anderem Auszubildende, Praktikanten und Ehrenamtliche.

  • Der Corona-Bonus ist pro Mitarbeiter bis Ende Juni 2021 steuer- und sozialabgabenfrei. Das war bisher nur befristet bis Ende 2020 möglich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass 2021 eine erneute abgabenfreie Prämie möglich ist. Die Corona-Beihilfe von bis zu 1 500 Euro ist lediglich einmalig steuerfrei möglich.

  • Die Gehälter für Medizinische Fachangestellte steigen zum 1. Januar 2021 um 6 Prozent. Auch die Ausbildungsvergütungen werden – in geringerem Maße – angehoben. Die Tarifgehälter sind in der Regel unter anderem dann rechtsverbindlich für niedergelassene Ärzte, wenn sie Musterverträge der Bundesärztekammer für ihre Arbeitsverträge nutzen.

    Zum 1. Januar 2022 folgen weitere 3 Prozent und zum 1. Januar 2023 ein Plus von 2,6 Prozent. Der Tarifvertrag gilt bis zum 31. Dezember 2023.

    Drei Stufen wurden auch für die Ausbildungsvergütungen vereinbart. Diese erhöhen sich ab 1. Januar 2021 im ersten Ausbildungsjahr von bisher 865 auf 880 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr von 910 auf 935 Euro und im dritten von 960 auf 995 Euro. Ab 2022 betragen die Ausbildungsvergütungen in den drei Ausbildungsjahren 900, 965 bzw. 1.035 Euro und ab 2023 jeweils 920, 995 bzw. 1.075 Euro

    Tarifvertrag zur Kurzarbeit: Abgeschlossen wurde zudem ein Tarifvertrag zur Kurzarbeit für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2021. Der Vertrag ist angelehnt an die Regelungen des öffentlichen Dienstes und enthält unter anderem die Aufstockung zum Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent des Nettoentgelts, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und die Wiedereinstellung bei befristeten Arbeitsverträgen.

Neuerungen im Bereich Gesundheit: Das neue Jahr bringt auch wieder einige Änderungen im Gesundheitssektor mit sich, die für Ärzte in Praxis und Klinik relevant sein können. Wir stellen Ihnen hier eine Auswahl wichtiger Neuregelungen vor.

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